Interview mit Constanze Bleichrodt von der Cryobank München | www.solomamapluseins.de
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“Der Bedarf und der Mut, als Singlefrau alleine eine Familie zu gründen, steigen rapide” Interview: Constanze Bleichrodt von der Cryobank München

“Ich kann sehr gut aus eigener Erfahrung nachvollziehen, was es bedeutet sich von ganzem Herzen ein Kind zu wünschen. Und dass man dafür manchmal auch sehr weit geht und ungewöhnliche Wege beschreitet.”

Constanze Bleichrodt ist mir sofort sympathisch. Und das nicht nur, weil sie den Wunsch von Singlefrauen und lesbischen Paaren nach einem leiblichen Kind unterstützt.

Seit Ende 2005 arbeitet die diplomierte Psychologin mit dem empathischen Wesen in ihrer eigenen psychologischen Praxis im Medicenter-Solln, wo sie Paare und Einzelpersonen coacht. Zwei ihrer Schwerpunkte: Begleitung bei ungewollter Kinderlosigkeit und die psychosoziale Beratung und Aufklärung vor einer möglichen Kinderwunschbehandlung mit Spendersamen.

Diplom-Psychologin Constanze Bleichrodt, Geschäftsführerin der Cryobank München | www.solomamapluseins.de
Diplom-Psychologin Constanze Bleichrodt ist Geschäftsführerin der Cryobank München und war selbst lange Zeit in Kinderwunschbehandlung, bis sie ihre Kinder in die Arme schließen konnte (Foto: privat)

Als bisher einzige weibliche Geschäftsführerin einer deutschen Samenbank, der Cryobank München, vereint Constanze Bleichrodt einen weiblichen Blick auf potentielle Samenspender mit einer großen Portion Einfühlungsvermögen für Wunscheltern – Paare wie Singles. Denn ja, die Cryobank München gehört zu den deutschen Samenbanken, die offen dazu stehen, dass sie, neben gleichgeschlechtlichen Paaren, auch alleinstehende Frauen mit Kinderwunsch behandeln.

Diese offene Haltung gegenüber Singlefrauen und lesbischen Paaren mit Kinderwunsch ist einer der Gründe, warum ich diese Samenbank unbedingt auf meinem Blog haben wollte.

Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass mir Constanze Bleichrodt dieses sehr ausführliche und persönliche Interview gegeben hat.

Interview mit Constanze Bleichrodt von der Cryobank München | www.solomamapluseins.de

Seit wann können sich lesbische Paare und Singlefrauen mit Sperma von der Cryobank München behandeln lassen?

Schon sehr lange sind lesbische Frauen bei uns herzlich willkommen, sicherlich schon mehr als 15 Jahre. Wobei der Anteil lesbischer Frauen sich vermutlich vor allem in den letzten 10 Jahren deutlich erhöht hat. Heute kommen genauso viele Frauenpaare zu uns wie Heteropaare.

Singlefrauen kommen vereinzelt auch schon seit vielen Jahren. Insgesamt ist der Anteil von Singlefrauen zwar noch deutlich geringer, aber nimmt stetig zu, besonders seit dem Samenspenderregister und seit wir die Information offen auf unserer Website kommunizieren.

Wie viele Singlefrauen wenden sich prozentual an die Sie?

Wir erhalten sehr viele Anfragen von Singlefrauen und führen auch viele Beratungsgespräche mit ihnen.

Lesbische Paare werden schon über 15 Jahre bei der Cryobank München behandelt
“Heute kommen genauso viele Frauenpaare zu uns wie Heteropaare.” (Foto: rawpixel/pixabay)

Natürlich setzt nicht jede Frau ihren Wunsch auch um, nur weil sie zur Beratung bei uns war, wobei viele der Frauen schon sehr entschlossen sind, wenn sie zu uns kommen. Und der „Bedarf“ oder auch der „Mut“, auf diesem Wege eine Familie zu gründen, steigt rapide.

Im Moment führen wir ca. 2-3 Erstberatungsgespräche in der Woche mit Singlefrauen. Der Anteil der Singlefrauen an all unseren Kinderwunschpatienten beträgt derzeit ca. 15 Prozent, Tendenz steigend.

Das finde ich eine ganz ordentliche Zahl!
Aktuell ist es ja so, dass der Verkauf von Sperma durch Samenbanken an bzw. die Behandlung in Kinderwunschkliniken von Singlefrauen in Deutschland nur in Berlin (Brandenburg) und Bayern möglich ist.
Wo sehen die Samenbanken bzw. Kinderwunschkliniken, Ihrer Meinung nach, die Risiken bei der Gruppe der Singlefrauen?

Warum Bayern oder Berlin?

Das hat mit den Richtlinien zur assistierten Reproduktion der Ärztekammern zu tun. Denn Bayern und Berlin haben hierzu gar keine Richtlinien erlassen. Ärztekammern anderer Bundesländern eben zum Teil schon, teilweise orientiert an der bereits überholten Musterrichtlinie der Bundesärztekammer, die die Behandlung von Singles und lesbischen Paaren verboten hatte.

Dieses „Verbot“ hat sie jedoch im Juni 2018 aus ihren Richtlinien gestrichen. Nur haben diese Änderung noch nicht alle Ärztekammern der jeweiligen Bundesländer angepasst und somit noch keine neuen Richtlinien erlassen.

Aber abgesehen davon sind dies nur Richtlinien der Ärztekammern, keine Gesetze, und sind ohnehin umstritten, da sich die Frage stellt, ob sie nicht gar diskriminierend sind.

INFOS ZUR MUSTERRICHTLINIE DER BUNDESÄRZTEKAMMER
Die Bundesärztekammer (BÄK) hat 2006 eine “Musterrichtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion” veröffentlicht. In dieser Richtlinie gilt die “Handlungsempfehlung”, Singlefrauen und lesbische Paare von Fertilitätsbehandlungen auszuschließen, unter anderem deshalb, weil die Samenzellen eines Dritten nur mit einer medizinischen Begründung verwendet werden dürfen.
Im Juni 2018 gab es, auch in Angleichung an das neue Samenspenderregistergesetz, eine Anpassung dieser Musterrichtlinie. Dadurch kommt es zu bundeslandspezifischen Abweichungen in Bezug auf die Personengruppen, die Zugang zu Kinderwunschbehandlungen haben. Diese sehen wie folgt aus:

Worin besteht dann aber ein mögliches Risiko?

Der Arzt würde gegen Standesrecht verstoßen, gegen die Richtlinien der Bundesärztekammern handeln. Wie dies juristisch zu belangen wäre, bleibt abzuwarten. Der hauptsächliche Grund jedoch, weshalb viele Samenbanken und Ärzte keine Singlefrauen behandeln, hängt mit dem Risiko zusammen, dass es bei Solo-Müttern natürlich nur einen rechtlichen Elternteil für das Kind gibt und somit auch nur einen Elternteil, der finanziell für das Kind sorgt. Es geht also, wie immer, um das liebe Geld.

Wenn der Mutter etwas passiert und sie stirbt, dann gibt es keinen zweiten Elternteil. Und wenn es diesen nicht gibt und das Kind nicht abgesichert und versorgt ist, könnte das Kind oder ein Vormund des Kindes theoretisch den Arzt oder die Samenbank auf Unterhalt verklagen, weil diese „in Kauf“ genommen haben, dass dieses Kind vaterlos mit nur einem rechtlichen Elternteil geboren wird.

Ob dies nun ein realistisches Risiko ist und wie es tatsächlich juristisch umgesetzt werden könnte bzw. würde, das kann und muss natürlich jeder, der Single Frauen unterstützen will, für sich selbst beurteilen.

Ebenso die Frage: was passiert, wenn die Mutter „pleite“ ist und der Staat das Kind finanziell unterstützen muss?

Könnte auch dann auf den Arzt oder die Samenbank zugegriffen werden und von ihm Geld verlangt werden?

Oder wäre eine Schadensersatzklage vorstellbar, da der Arzt bzw. die Samenbank mitgeholfen hat ein vaterloses Kind zu zeugen?

Egal ob Samenbank oder Kinderwunschklinik, wenn man Singles behandeln will, dann muss man sich vor allem selbst juristischen Rat holen, um sein eigenes Risiko abschätzen zu können.

Und auch die Juristen sind sich diesbezüglich völlig uneinig. So ist das Thema Behandlung von Singlefrauen vermutlich vielen Kliniken einfach zu mühsam. Denn die meisten Kinderwunschzentren schicken ihre Paare vor einer Behandlung zum Notar, um auf der sicheren Seite zu sein. Aber zumindest mir ist bisher kein Notar bekannt, der Verträge bei Singlefrauen beurkunden würde.

Unter welchen Voraussetzungen darf ich mich als Singlefrau mit Fremdsperma von der Cryobank München behandeln lassen?

Wir unterstützen sehr gerne Singlefrauen auf ihrem Weg zum Wunschkind. Dafür bedarf es eines Erstgespräches bei uns, und der Unterzeichnung eines Vertrages (dies ist für alle unsere Paare und Singles Voraussetzung).

Freundinnen kommen als Garantieperson bei der Cryobank München in Frage
Als Garantieperson kommen auch Freundinnen in Frage (Foto: AdinaVoicu/pixabay)

Für Singlefrauen ist es bei uns außerdem nötig, dass es eine sogenannte Garantieperson gibt. Diese gibt eine Unterhaltserklärung für das Kind ab und unterschreibt einen Vertrag zugunsten Dritter, für den Fall, dass das Kind finanzielle Ansprüche gegen uns stellen sollte. Meist sind diese Garantiepersonen Geschwister oder – je nach Alter – auch die Eltern, da diese ohnehin im Notfall für das Kind einstehen würden. Manchmal sind es auch Freundinnen oder Freunde.

Und wir wünschen uns den Nachweis einer gewissen Sicherheit (z.B. Lebensversicherung, Rentenversicherung), damit – sollte der Mutter etwas passieren – das Kind nicht gleich mittellos ist.

Was soll die Garantieperson konkret garantieren?

Die Garantieperson soll einfach als zusätzliche Sicherheit dienen, wenn der Mutter etwas zustößt und/oder das Kind nicht (finanziell) abgesichert ist. Es dient also eigentlich in erster Linie dem Schutz des Kindes. Aber ganz klar auch dem Schutz dessen, der die Garantieperson als weitere Sicherheit wünscht, um das Risiko zu minimieren, dass er irgendwann einmal selber für das Kind zahlen muss.

Von welcher Seite geht der Wunsch nach einer Garantieperson denn aus, Samenbank oder Kinderwunschklinik?

Generell obliegt es der Samenbank und der Kinderwunschklinik selbst zu entscheiden, ob sie eine Garantieperson für wesentlich halten. Da gibt es keine festen Regeln.

Es besteht eben einfach das Risiko – sollte die Mutter zahlungsunfähig sein oder aber sterben –, dass dann das Kind, oder eher der Vormund des Kindes oder gar der Staat von der Samenbank oder dem Arzt Geld (Unterhalt oder Schadensersatz) einfordert, weil sie dabei geholfen haben, dass es für dieses Kind nur einen rechtlichen Elternteil gibt.

Auch wenn ich derartige Klagen auf Unterhalt oder Schadensersatz für sehr unwahrscheinlich halte, so bleibt ein gewisses Risiko eben einfach doch bestehen. Und letztlich geht es deshalb um die Absicherung des Worst-Case-Szenarios. Denn ich denke es versteht sich, dass man es sich als unterstützende Samenbank nicht leisten kann, Unterhalt für glücklicherweise dabei entstandene Kinder zu zahlen.

Leider hat der Gesetzgeber noch immer nichts unternommen, um dieses zu regeln und somit den Weg für Singlefrauen und Ärzte, die diese gerne unterstützen wollen, endlich zu vereinfachen bzw. frei zu machen.

Falls ich KEINE Garantieperson als Single habe, kann ich mich dann trotzdem mit Fremdsperma der Cryobank München behandeln lassen?

Nein. Aber sag niemals nie…

Können sich Singlefrauen, die mithilfe eines Spenders von Ihrer Samenbank Mama geworden sind, untereinander mit anderen Singlefrauen bzw. Singlemamas vernetzen?

So etwas gibt es leider nicht. Nur in Einzelfällen vermittle ich Kontakte. Das finde ich selbst sehr bedauernswert, aber das hängt einfach damit zusammen, dass ich selbst nicht die Manpower habe so etwas zu organisieren. Aber wie gesagt: In Einzelfällen habe ich schon persönlich Kontakte hergestellt.

Logo des sfmk-forum.de für Single-Frauen mit Kinderwunsch Ich empfehle aber immer gerne Ihre Website und das geschützte Forum von Frau Anya Steiner. Aber diese bietet ja jetzt gemeinsam mit dem DI-Netz seit kurzer Zeit hierfür auch Möglichkeiten an. Das begrüße ich sehr!

Logo DI-Netz e.V. für Familiengründung mit SpendersamenVielleicht sollte ich irgendwann einmal ein Treffen planen, da ich wirklich selber sehr interessiert bin daran, wie es diesen Frauen ergeht. Aber zum Glück bekomme ich von einzelnen Frauen immer wieder ein Feedback hierzu. Eine äußerst wertvolle Information, die ich immer nur zu gerne an die Frauen weitergebe, die zu einem ersten Orientierungsgespräch zu mir kommen.

Das mit dem Treffen ist eine sehr schöne Idee. Vielleicht wird da ja eines Tages etwas draus.
Kommen wir mal zu einem anderen Themenkomplex: die Samenspender.
Mir ist aufgefallen, dass die dänischen Samenbanken häufig umfangreiche Spenderprofile mit Fotos, Hintergrundinfos, Fragebogen, Schrift- und Sprachproben anbieten. Das ist für viele Singlefrauen natürlich erstmal ziemlich bequem, weil sie so von zu Hause aus schauen können, welcher Spender und auch welche Samenbank am ehesten zu ihnen passt.
Bei den deutschen Samenbanken ist das ja etwas anders. Liegt das an anderen Gesetzen, die wir hierzulande haben? Oder welche Gründe gibt es dafür, dass die deutschen Samenbanken diese Informationen nicht in einem Onlinekatalog zur Verfügung stellen?

Sicherlich hat dies mit unseren Gesetzen zu tun, dass viele Dinge hier nicht so offen gehandhabt werden können. Bei uns gibt es einfach gerade auch im Hinblick auf Datenschutz sehr hohe Vorgaben.

Auch ist die Samenspende ja in Deutschland als anonyme Spende geregelt, da kann ich mir nicht vorstellen, dass Kinderfotos – oder, wie Cryos es jetzt ja wohl in Dänemark plant – sogar aktuelle Fotos der Spender jemals in Deutschland gezeigt werden würden. [Anmerkung: Die Samenbank Cryos bietet von einigen Spendern Erwachsenenfotos an. Ein Zugang hierfür kostet 200€.]

Es hängt aber sicher auch ganz generell mit unserem deutschen Umgang mit dem Thema Samenspende zusammen. Hier hat Deutschland eine andere Entwicklungsgeschichte. So haben in Deutschland eigentlich ausschließlich Kinderwunschärzte Samenbanken gegründet, weil sie selbst auch die Patienten behandelt haben. Die Samenbanken und die Kinderwunschkliniken waren also eigentlich immer in Personalunion und in Händen eines Arztes einer Kinderwunschklinik.

“Das Thema Samenspende und Samenspenderauswahl ist höchst persönlich und individuell”

In Dänemark hingegen agieren Samenbanken als ganz normale Firmen. Es geht sehr stark auch um Gewinnmaximierung, es gibt einen CEO und das gesamte Konzept ist deutlich kommerzieller. Das lässt sich auch sprachlich feststellen. Während in Deutschland von Patienten die Rede ist, spricht man in Dänemark vom Kunden, Sperma ist für dänische Samenbanken ihr Produkt, das sie vertreiben, und der Chef der Firma ist in aller Regel kein Arzt, sondern ein Investor oder BWLer.

Wobei sich hier in Deutschland die Situation auch gerade etwas ändert und man inzwischen bei immer mehr Samenbaken auch einfach im Internet bestellen kann und seine „Bestellung“ in den „Warenkorb“ schiebt. Genau diese Kommerzialisierung und das Aussuchen aus Katalogen mögen einige begrüßen, unsere Philosophie ist jedoch genau eine andere.

Wie würden Sie Ihre Philosophie hierzu beschreiben?

Wir halten das Thema Samenspende und Samenspenderauswahl für höchst persönlich und individuell und wollen mit unserem Vorgehen dieser Besonderheit und Sensibilität des Themas Rechnung tragen – vor allem durch persönliche Beratung und persönlichen Kontakt.

Außerdem gibt es – anders als Sie sich das vielleicht vorstellen – tatsächlich auch viele Frauen, die gar nicht so viele Infos vom Spender haben wollen, und die sich vor allem bei den dänischen Samenbanken mit der Wahl anhand dieser Profile ganz einfach überfordert fühlen.

Polaroid-Fotos auf dem Tisch
“Den passenden Spender wählen wir manchmal anhand von Fotos eines ehemaligen Partners oder Schauspielers.” (Foto: Joanna Malinowska/Negative Space)

Diese Frauen schätzen unsere Beratung und auch die Tatsache, dass bei uns ein Frauen-Team gemeinsam einen für die jeweilige Frau passenden Spender wählt. Natürlich gemäß ihren Angaben und Vorgaben bzw. Vorstellungen. Und auch mit Hilfe von Fotos der Singlefrau. Manchmal auch anhand von Fotos eines ehemaligen Partners oder Schauspielers.

Ich stelle ganz klar immer wieder fest: nicht für jede ist also so viel Information immer besser oder gar hilfreich – nicht wenige fühlen sich von Dänischen Spenderprofilen überfordert und finden es gut, wenn eine außenstehende Person, der sie vertrauen und der sie eine sehr sorgfältige Wahl zutrauen, diese Entscheidung für sie trifft.

Natürlich erhalten die Frauen nach unserer Wahl auf Wunsch auch ein Feedback, warum wir uns für diesen Spender entschieden haben, wie er aussieht, wie wir ihn als Mensch so einschätzen und welche der angegebene, gewünschten Kriterien wir bei unserer Suche tatsächlich berücksichtigen konnten.

Welche Männer kommen als Spender bei der Cryobank München in Frage?

Bei uns melden sich zum Glück ausreichend viele junge Männer, sodass wir eine sorgfältige Auswahl treffen können. Und Dank des neuen Gesetzes sind auch noch einmal mehr Männer generell dazu bereit zu spenden, da sie ja nicht mehr rechtlich als Vater festgestellt werden können und somit auch finanziell nicht belangt werden können. Endlich!

Generell einmal kommen alle gesunden Männer hauptsächlich zwischen 20 und 45 in Frage, die offen sind für dieses Thema und mit dem Ablauf und den gesetzlichen Rahmenbedingungen einverstanden sind. Es würde zu weit führen hier jetzt alle Kriterien aufzuführen, die ein Spender letztlich erfüllen muss, aber auf unserer Website können sich Spender wie interessierte Frauen einen Einblick verschaffen – unter der Rubrik Samenspender werden.

Umgangsformen von Spendern sind wichtig
Auch auf Umgangsformen der Spender achten Constanze Bleichrodt und ihr Team (Foto: Freestocks/Negativespace)

Am bedeutendsten sind selbstverständlich zahlreiche gesundheitliche Aspekte sowie das Alter des Mannes, aber es gibt natürlich auch „weiche“ Kriterien, die einen Einfluss darauf haben, ob wir uns letztlich für oder gegen einen Bewerber entscheiden.

So sind wir in unserem kleinen Team selbst hauptsächlich Frauen und haben sicherlich auch einen weiblichen Blick auf die Bewerber. Und so sind für uns Dinge wie die Ausbildung, Optik, Umgangsformen und Zuverlässigkeit natürlich auch von Relevanz. Schließlich arbeiten wir ja auch meist über ein Jahr mit diesen Männern zusammen.

Aber in erster Linie muss der Spender natürlich hervorragende Spermienqualität haben, und zwar nicht nur seine frische, also native Probe, sondern besonders das kryokonservierte Sperma, da es beim Einfrieren immer zu Qualitätsverlusten kommt – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.

Können Sie da etwas näher ins Detail gehen?

Interessant sind immer die „Auftauwerte“, nicht so sehr allein die Werte des Spermiogramms vor dem Einfrieren. Eine Spermienangabe von MOT gibt es in Deutschland nicht, das ist eine dänische „Besonderheit“.

Deutsche Samenbanken orientieren sich an WHO-Kriterien. Wobei die WHO-Angaben für ein gutes Spermiogramm das native Sperma betreffen, nicht das kryokonservierte. Aber es gibt die Empfehlung für eine Insemination insgesamt mindestens 4-5 Mio. kryokonservierte Spermien zu nutzen. Wobei der Großteil unserer Spender locker Auftauwerte von mehr als 10 Mio. A und B pro Straw erreicht.

Obwohl man dennoch feststellen kann, dass die Spermienqualität in der Praxis oft gar nicht der alles entscheidende Faktor ist, sondern vielmehr das Alter der Frau und die Werte der Frau. Aber dies nur am Rande.

Zusätzlich zu den gesetzlichen Vorgaben bzgl. Infektionsscreening und Chlamydientestungen zu jeder Probenabgabe, machen wir bei all unseren Spendern auch eine genetische Untersuchung; und zwar ein sogenanntes Karyogramm sowie ein Ausschluss des CFTR-Gens [Anmerkung: Dieses Gen ist verantwortlich für die angeborenen Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose].

Werden die Spender auf CMV, also auf den Cytomegalievirus getestet?

Ja, auch ihr CMV-Status wird erfasst und mit der Wunschmutter abgeglichen.

WARUM KANN DER CYTOMEGALIE-VIRUS (CMV) SO GEFÄHRLICH SEIN?
“Wird eine Frau in der Schwangerschaft erstmalig mit CMV infiziert, ist dadurch in der Frühschwangerschaft die Rate an Fehlgeburten erhöht, während in der späteren Schwangerschaft die Infektion beim Kind in erster Linie zu Hörstörungen bis zur Taubheit führt. Weltweit betrachtet, ist die Cytomegalie-Infektion die häufigste Ursache für im Mutterleib erworbene Schädigungen des Kindes. Schätzungen zufolge kommt eines von 200 Neugeborenen mit einer Schädigung durch eine Cytomegalie-Virusinfektion zur Welt.” (Zitat von Netdoktor)

Außerdem liegt es uns sehr am Herzen, dass wir die Anzahl der Kinder pro Spender beachten. Und aus diesem Grund kommen Spender auch nicht über Jahre hinweg, sondern meist nur einen Zyklus. Das heißt, es gibt überhaupt nur eine gewisse Anzahl an Proben. Und da viele Frauen auch noch Zweitkinder wünschen, verwenden wir dann einen Teil dieser Proben noch als Reservierung für Geschwisterkinder. Oder die Spender kommen noch einen zweiten Zyklus, um ausschließlich für mögliche Geschwisterkinder zu spenden.

Dänische Samenbanken halten sich immer jeweils an die vorgegebene Familienanzahl des jeweiligen Landes, in das sie schicken. So kann es natürlich häufig vorkommen, dass es einfach deutlich mehr als 10-15 Familien gibt, in denen Kinder eines Spenders leben, da sie ja meist in zahlreiche Länder ihre Proben schicken.

MAXIMALE KINDERANZAHL PRO SAMENSPENDER
Hier habe ich aufgelistet, wie viele Spenderkinder jedes Land höchstens pro Spender empfiehlt bzw. erlaubt.
Wie viele Spender gibt es in Ihrer Samenbank?

Cryos wirbt ja damit, dass sie die größte Samenbank der Welt sei – genau diesen Anspruch verfolgen wir sicherlich nicht, da uns die persönliche Beratung, auch der Spender, sehr am Herzen liegt und hier für uns Klasse statt Masse zählt. So sind immer ca. 80 Spender für neue Patienten verfügbar, ein Großteil älterer Spender ist oft noch für ein weiteres Geschwisterkind verfügbar. Diese Spender kommen natürlich noch hinzu.

Da in unserer Samenbank jedoch hauptsächlich deutsche Männer spenden, bzw. Europäer (also z.B. Italiener, für Menschen, die südländisch aussehen), ist der Pool, aus dem man für die meisten Frauen schöpfen kann, doch recht groß. Und es kommen ja jeden Monat auch immer wieder neue Spender hinzu, während andere eben „rausfallen“, weil es bereits mehrere Schwangerschaften gibt und wir die Anzahl der möglichen Kinder eines Spenders nur so begrenzen können.

Was sind das für Männer, die Ihren Samen spenden?

Generell sind Samenspender sehr offene Menschen, die nicht überall Berührungsängste haben – das finde ich sehr toll! Auch wenn das wohl nichts mit den Genen zu tun hat. Aber es ist sehr schön für uns, da wir ja mit diesen Männern eng zusammen arbeiten.

Samenspender sind meistens gut ausgebildete Männer
“Es gibt immer wieder Spender, die gerade promovieren oder schon einen Doktortitel haben.” (Foto: Nordwood Themes/StockSnap)

Außerdem sind Samenspender meist sehr gesundheitsbewusste Männer, die eher sportlich sind und auf ihre Gesundheit achten. Dies ist ebenfalls sehr positiv, da der Lifestyle doch auch für eine sehr gute Spermienqualität von Bedeutung ist. Wobei zu viel Sport wiederum auch nicht gut für die Spermienqualität ist.

Unsere Spender sind meist Ende 20, wobei sie generell zwischen 20 und 40/45 sein könnten. Aber die Randbereiche kommen eher selten vor. Vom Bildungsstand sind Samenspender eher recht gut gebildet, d.h. viele haben gute Ausbildungen oder studieren. Es gibt auch immer wieder Spender, die gerade promovieren oder schon einen Doktortitel haben. Hauptschüler zum Beispiel bewerben sich fast nie.

Vor allem aber stehen alle unsere Spender fest im Leben und sind sehr klar in dem, was sie da tun.

“Aus finanziellen Gründen lohnt sich das Samenspenden nicht”

Inwiefern spielt die Motivation der Spender eine Rolle dafür, ob sie auch als Spender zugelassen werden?

Natürlich ist die Motivation unserer Spender für uns von Bedeutung, schließlich hat dies auch Auswirkungen auf ihre Offenheit gegenüber dem späteren Kontakt mit Kindern aus ihrer Spende.

Die meisten Menschen glauben ja, dass es den Spendern allein ums Geld geht. Diesen Eindruck vermitteln ja auch Filme im Fernsehen, die von Samenspendern handeln. Aber jemand, der nur aus Geldnot gespendet hat, hätte später vermutlich nicht so großes Interesse an einem späteren Kennenlernen mit einem Kind.

Außerdem gibt es fürs Samenspenden gar nicht so viel Geld – obwohl der Aufwand sehr groß ist.

Wie sieht denn die Bezahlung für einen Samenspender aus?

In aller Regel dauert es von der Bewerbung bis zur Freigabe der Proben ein Jahr, und in diesem Zeitraum können die Spender insgesamt ca. 800 Euro verdienen. Also allein aus finanziellen Gründen lohnt sich das Samenspenden sicher nicht – reich kann man nicht damit werden. Aber natürlich freuen sie sich trotzdem, wenn sie ein bisschen Geld als Aufwandsentschädigung bekommen.

Was bewegt die Männer hauptsächlich dazu, ihr Sperma einer Unbekannten zu spenden?

Viele Spender kennen jemanden, der sich ein Kind wünscht, aber es klappt nicht; und so erleben sie, wie belastend ungewollte Kinderlosigkeit sein kann. Oder sie spenden Blut und sind bei der DKMS und finden aus diesem Grund Samenspenden nur eine weitere Konsequenz ihres sozialen Engagements.

Samenspender sind sehr gesundheitsbewusste Männer
“Samenspender sind sehr gesundheitsbewusste Männer” (Foto: StockSnap/pixabay)

Natürlich sind es aber nicht immer nur bessere Menschen, es sind sehr gesundheitsbewusste Männer, die es auch einfach spannend finden, wenn sie erfahren, wie gut ihr Sperma ist oder den Gentest im Wert von ca. 1000 Euro kostenlos erhalten, den wir zusätzlich noch bei all unseren Spendern machen.

Tatsächlich gibt es zahlreiche Gründe, warum ein Mann diesen Schritt geht. Generell muss Mann aber damit klarkommen, dass er nicht weiß, ob es ein Kind aus seiner Spende gibt bzw. wo es lebt und wie es ihm geht – aber damit kommen Männer eigentlich ganz gut klar. Frauen eher weniger, wenn sie Eizellen spenden wollen.

Und zu guter Letzt finden Männer es häufig auch einfach gut, wenn sie etwas Gutes tun und gleichzeitig wissen, dass etwas von ihnen weitergeht. Meist sind sie selbst Familienmenschen und mögen Kinder selbst sehr gerne.

“Wir können unseren ganz eigenen, persönlichen Eindruck von den Spendern mit den Vorgaben der Patientin abgleichen”

Kann sich die Wunschmutter, die sich einen Spender über die Cryobank München sucht, ihren Spender selbst auswählen?

Bei uns wählt die Frau nicht selber ihren Spender, sondern das tun wir für sie. Aber natürlich sagt sie uns, was für sie besonders wichtig ist und worauf wir achten sollen. Wir, das sind meist zwei Kolleginnen und ich, die wir die Spender ja selber recht gut kennen.

Worin sehen Sie den Vorteil, dass Sie den Spender persönlich für die Frau bzw. die Paare aussuchen?

Warum wir den Spender suchen, und nicht kleine Profile mit ein paar Daten wie Haar- und Augenfarbe, Größe und Beruf herausgeben, hat einen einfachen Grund: Wir sind der Meinung, dass wir die relevanteren Infos zu den jeweiligen Spendern haben, als ein kleines Profil es preisgeben kann.

Ich finde es beispielsweise fast unmöglich ein Gesicht mit Worten zu beschreiben, aber mit Hilfe von Fotos und eigenen Eindrücken kann man sofort erkennen, ob zwei Menschen Ähnlichkeiten haben oder nicht. Außerdem haben wir natürlich auch unseren ganz eigenen, persönlichen Eindruck von den Spendern, den wir mit den Vorgaben der Patientin abgleichen können.

Ich halte nämlich zum Beispiel die Kopfform und die wesentlichen Gesichtsmerkmale eines Menschen, nämlich ob er einen ovalen oder länglichen Kopf hat und eher weiche Gesichtszüge oder ein kantiges, spitzes Gesicht, für durchaus relevant. Haar- und Augenfarbe allein sagen hier meiner Meinung nach noch recht wenig aus. Und Kinderfotos, wie in Dänemark, haben für das Gesicht eines Erwachsenen auch nicht zwangsläufig so viel Relevanz. Aber letztlich ist das Geschmackssache.

Nach welchen Kriterien matchen Sie Frau und Spender?
Lesbisches Paar erfüllt sich Kinderwunsch | www.solomamapluseins.de
“Da letztlich ja ohnehin die Natur entscheidet, wie ein Kind später mal wirklich aussieht, bleibt es die Entscheidung der Wunschmutter, was ihr wichtig ist und am Herzen liegt.” (Foto: Daria Shevtsova/Negative Space)

Generell würde ich einer Singlefrau immer empfehlen, dass wir eher einen Spender für sie suchen, der ihre optischen Merkmale verstärkt, damit die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ihr ähnlich sieht, sich erhöht. Aber natürlich gibt es auch Frauen, die gerne einen Spender haben wollen, der optisch das ganze Gegenteil ist. Oder aber so aussieht, wie der Vater des schon vorhandenen ersten Kindes…

Da letztlich ja ohnehin die Natur entscheidet, wie ein Kind später mal wirklich aussieht, bleibt es die Entscheidung der Wunschmutter, was ihr wichtig ist und am Herzen liegt. Sie macht uns also Angaben zur Optik des Spenders, Haarfarbe, Augenfarbe, ungefähre Größe. Aber auch Angaben zu weichen Faktoren wie Bildungsstand oder ob er sportlich sein soll oder ein Familienmensch oder kreativ… . Eben das, was ihr ganz persönlich wichtig ist und was wir bei der Auswahl bitte beachten sollen.

“Die Frau muss darauf vertrauen, dass wir die Auswahl des Samenspenders mit Sorgfalt treffen”

Ich persönlich bin zwar davon überzeugt, dass das wirklich für ein Kind im Leben wichtige von der Mutter bzw. den Eltern kommt – und viele Eigenschaften gar nicht genetisch vererbt werden. Aber letztlich entscheidet das Gefühl, mit dem eine Frau eine solche Behandlung angeht. Und das muss für sie stimmen. Und sie muss vertrauen, dass wir unsere Auswahl mit Sorgfalt treffen und dass es keine „schlimmen“ Männer sind, die bei uns Samen spenden.

Und genau diese Ängste versuchen wir in einem persönlichen Gespräch und auf Wunsch auch mit Hilfe eines persönlichen Feedbacks über den Spender und seine Eigenschaften auszuräumen.

Checkliste für Wunsch-Samenspender bei der Samenbank Cryobank München
“Es bleibt die Entscheidung der Wunschmutter, welche Kriterien ihr beim Spender wichtig sind.” (Foto: Glenn Carstens-Peters/StockSnap)

Bei Interesse kann die Wunschmutter also sehr gerne ein paar Informationen über den Spender erhalten, sowohl zu optischen Merkmalen, als auch zu weichen Kriterien wie z.B. Bildungshintergrund, Hobbys und Interessen, Motivation fürs Spenden und eine Einschätzung unsererseits über ihn als Person. Dies ist keinesfalls so ausführlich, wie bei dänischen Samenbanken, aber genügt aus Erfahrung, um den Frauen einfach ein gutes Gefühl zu vermitteln. Und das ist ja das Entscheidende.

Lesbische Paare wünschen sich übrigens häufig, dass wir uns bei der Spenderauswahl an den Eigenschaften der Co-Mutter orientieren. Insofern ähnelt die Wahl hier der von Heteropaaren, wo der Spender ja dem Wunschvater möglichst ähnlich sein soll.

Welche Informationen erhält der Spender, wenn sein Sperma verwendet wurde?

Seit dem neuen Samenspenderregister wird der Spender informiert, wenn seine Daten im Register gespeichert werden. Und das geschieht immer dann, wenn ein Kinderwunschzentrum die Geburt eines Kindes meldet, oder aber einfach nur nicht weiß, ob es eine Schwangerschaft gab und deshalb ans Register meldet. Aber das ist alles, was der Spender an Infos erhält.

Ich weiß von einigen Samenbanken, dass die Frau, die ein Spenderkind bekommen hat, dem Spender eine persönliche Nachricht schreiben kann. Diese Nachricht bleibt dann so lange in der Akte des Spenders, bis der sie bewusst ausgehändigt bekommen möchte.
Gibt es diese Möglichkeit der persönlichen Nachricht an den Spender auch bei Ihnen?

Ganz selten gibt es diese Fälle, und dann ist dies natürlich bei uns auch möglich. Es gab auch schon Spender, die einen Brief für das Kind hinterlegt haben, aber auch das passiert nur sehr selten.

Angenommen, ich habe mich für ein Kinderwunschzentrum entschieden, das mit Ihrer Samenbank kooperiert (siehe auch: Kooperationspartner der Cryobank München): Wie kann ich mir den Ablauf vorstellen, wenn ich als Single mithilfe von Fremdsperma Mama werden möchte?

Generell ist für alle, die sich für eine Samenspende von uns interessieren, ein Erstgespräch nötig – egal in welchem Kinderwunschzentrum man behandelt werden will. Wenn die Frau auch eine Behandlung in dem uns angeschlossenen Zentrum wünscht, werden die beiden Erstgespräche gleich hintereinander geführt, sodass kein doppelte Anreise nötig ist. Außerdem erhält sie dann alle wesentlichen Informationen auf einmal.

Wir halten dieses persönliche Gespräch bei uns für ganz wesentlich, da wir es bei diesem sensiblen Thema für bedeutend halten, wenn die Wunschmutter sich einen Eindruck von uns machen kann, schließlich muss sie uns vertrauen, dass wir unsere Arbeit sorgfältig machen. Außerdem halten wir es für unverzichtbar, dass die Betreffende Fragen stellen kann und einen persönlichen Ansprechpartner in uns hat.

Worum geht es im ersten persönlichen Gespräch?

Ganz generell geht es bei diesem Gespräch um möglichst viel Aufklärung, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen. Besprochen werden somit auch viele der Fragen, die auch Sie hier in diesem Interview stellen: Um die Motivation der Männer, darum, wie das Samenspenden bei einer Samenbank überhaupt abläuft (von der Bewerbung bis zum Verwenden der Proben), darum, welche Voraussetzungen die Spender erfüllen müssen, besonders in gesundheitlicher Hinsicht. Außerdem darum, was wir alles bei den Spendern testen und was das überhaupt für Männer sind, die sowas machen.

Denn die meisten Menschen, die zu einem Gespräch bei uns sind, haben eher sehr negative Vorstellungen davon, welche Männer überhaupt Samen spenden. Hier wollen wir durch Transparenz und Aufklärung Vertrauen herstellen und mögliche Vorurteile abbauen, Ängste nehmen. Denn die Realität ist sehr positiv und ich finde ganz viele der Spender auch persönlich durchaus wunderbare Menschen.

“Ich will Frauen in diesem Gespräch Raum geben für mögliche Ängste”

Außerdem geht es bei diesem Termin darum ganz genau zu erläutern, wie wir einen speziellen Spender für eine Frau aussuchen, warum wir dies tun und welche Möglichkeiten sie hat, auf diese Auswahl Einfluss zu nehmen.

Auch erklären wir, welche Informationen sie über den Spender tatsächlich erhalten kann. Dann besprechen wir den genauen Ablauf, die Kosten, welche Unterlagen wir für eine Spendersuche benötigen und wie lange das Ganze dauert. Natürlich besprechen wir auch die vertraglichen Dinge, welche Rechte alle Betroffenen haben und warum wir eine Garantieperson wünschen und was diese garantieren soll.

Da Singlefrauen ja generell eher schwierig an einen Austausch mit Gleichgesinnten kommen, nutze ich auch immer die Gelegenheit den Frauen von anderen Frauen zu erzählen, die diesen Weg bereits gegangen sind. Wie es ihnen als Solo-Mama geht, welche typischen Herausforderungen sie meistern und wie man mit anderen, aber auch dem Kind bzgl. dieser Besonderheit der Entstehungsgeschichte umgehen kann.

Ich will die Gelegenheit nutzen, um in diesem Gespräch Raum zu geben für mögliche Ängste, für die typischen Fragen, die sich Frauen in dieser Situation stellen und auch dafür den Frauen Mut zu machen. Ich kann persönlich wirklich sehr gut verstehen, wie groß der Wunsch für eine Frau sein kann, ein Kind ins Leben begleiten zu dürfen – finde ich es doch selber das größte Geschenk und Wunder im Leben.

Sie selbst sind ja auch dank künstlicher Befruchtung Mama geworden. Dadurch haben Sie Erfahrungen aus erster Hand und können sich bestimmt sehr gut in Frauen (bzw. Paare) hineinversetzen, die ein Kind mittels einer Donogenen Kinderwunschbehandlung bekommen haben oder es noch planen. Auch wenn es mal länger dauert und dadurch ein psychisch großer Druck auf einem lastet.
Was würden Sie sagen sind die wichtigsten Überlegungen, die jede Frau im Vorfeld treffen sollte, bevor sie sich für diesen Weg entscheidet?

Tatsächlich war ich selber sehr, sehr lange in Kinderwunschbehandlung und musste unzählige Inseminationen, und dann auch sehr viele künstliche Befruchtungen machen, bevor ich meine Kinder in den Händen halten durfte.

Allerdings sind diese nicht durch eine Samenspende entstanden – sondern mit meinem Mann. Aber ich kann sehr gut aus eigener Erfahrung nachvollziehen, was es bedeutet sich von ganzem Herzen ein Kind zu wünschen. Und dass man dafür manchmal auch sehr weit geht und ungewöhnliche Wege beschreitet. Und so macht meine eigene Geschichte manchen Frauen auch Mut, dass sich Durchhalten lohnen kann.

Schließlich muss man ganz klar sagen, dass nur, weil man sich für eine medizinisch unterstützen Behandlung entscheidet, man ja noch lange nicht schwanger ist. Und da viele Singlefrauen schon eher um die 40 sind, ist die Wahrscheinlichkeit sofort schwanger zu werden ja nicht sehr hoch. Es kann also oft länger dauern, bis man tatsächlich schwanger ist und sein Kind in den Händen halten darf.

Und diese Zeit der Ungewissheit, ob es wirklich klappen wird, ist meist sehr belastend. Die Ohnmacht, alles zu tun und einfach nicht schwanger zu werden, ist sehr schwer zu ertragen. Und hier können psychologische Anteilnahme und auch meine eigenen Geschichte manchmal einfach neuen Mut machen und ein wenig entlasten auf diesem oft mühsamen Weg zum Wunschkind.

Im psychosozialen Beratungsgespräch beraten Sie auch Singlefrauen hinsichtlich Ihres Kinderwunsches und der Donogenen Insemination: Welche Themen, Ängste, Sorgen werden in den Gesprächen am häufigsten thematisiert?

Natürlich haben alle Singlefrauen Respekt vor diesem Schritt, wie ja eigentlich auch jede andere Frau, die Mutter werden will. Und für fast alle Singlefrauen, mit denen ich spreche, ist es nicht ihr Plan A eine Familie alleine zu gründen, sondern ihr Plan B.

Manche tun sich auch wirklich sehr schwer damit, den Plan A loslassen zu müssen; andere sind schon sehr entschlossen in ihrer Entscheidung. Manche Frauen haben ja sogar einen Partner, der jedoch den großen Herzenswunsch einfach nicht teilt, und dann müssen diese Frauen auch noch ganz wesentliche Entscheidungen ihre Partnerschaft betreffend treffen.

Die Sorge der meisten Singlefrauen ist eigentlich die Sorge um das Kind – ob es beispielsweise egoistisch ist, ein Kind ohne Vater in die Welt zu setzen. Natürlich spielen auch Sorgen eine Rolle, wie man das alles alleine schaffen will, wobei die meisten ein sehr gutes Netzwerk haben.

Oft sind sie mit ihren eigenen Eltern sehr eng verbunden, manchmal wohnen sogar alle gemeinsam in einem Haus oder zumindest sehr nah beieinander. Häufig sind die Eltern auch schon in Rente und bereit sie bei ihrem Herzenswunsch tatkräftig zu unterstützen. Oft sind es auch Geschwister, die unterstützend an der Seite stehen oder Freunde und Freundinnen.

“Ich versuche, jeder Frau den Rücken zu stärken”

Sehr unterschiedlich erlebe ich die Frauen bezüglich ihren Überlegungen zum Samenspender. Wobei die meisten Singles, mit denen ich spreche, den Spender gar nicht als so bedeutsam für die gesunde und glückliche Entwicklung ihres Kindes halten und sich deshalb gar nicht so viele Gedanken über ihn machen. Sie wollen einfach nur ein gutes Gefühl bei der Spenderauswahl haben.

Andere hingegen machen sich sehr viel Gedanken über den Spender, ihnen fällt es einfach sehr schwer loszulassen und ihn nicht als Menschen kennenlernen zu können. Meist sind dies Frauen, die generell gerne alles unter Kontrolle haben, weil nur dies ihnen ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Und da ist es nachvollziehbar, dass die Vorstellung eines anonymen Spenders sie verunsichert – egal ob sie viel oder wenig Informationen über den Spender erhalten. Diese Frauen interessieren sich deshalb auch manchmal mehr für das Konzept Co-Parenting.

Wichtig für Singlefrauen ist die Frage, wie man es dem Kind eines Tages sagen will bzw. wie man bereits zuvor mit seinem Umfeld umgeht. Auch hier versuche ich, den Einzelfall und die ganz persönliche Situation der Frau zu berücksichtigen und ihr den Rücken zu stärken. Schließlich ist sie nicht jedem Rechenschaft über ihre Art der Familiengründung schuldig.

Deshalb ermutige ich auch zur frühzeitigen Abgrenzung von zu neugierigen oder nervenden Arbeitskollegen etc. Schließlich gibt es einfach Dinge, die privat sind und die man lieber mit den Menschen bespricht, die einem nahestehen.

“Meistens sind Spenderkinder deutlich entspannter als ihre Mamis”

Außerdem wächst man als Solo-Mama ja auch einfach in viele Situationen rein – so wie jede andere Mami auch. Und man kann nicht schon vorab alle Eventualitäten durchplanen. So ergeben sich manche Themen z.B. im Kindergarten, wenn das Kind mit anderen, größeren Kindern konfrontiert ist, welche oft glauben, jeder hätte einen Papa. Aber auch hier wächst Mama rein und findet Lösungen. Und meine Erfahrung zeigt: die Kinder sind durch ihren familiären Rückhalt in solchen Situationen meist deutlich entspannter als ihre Mamis.

Natürlich geht es in den Beratungen auch darum, wie sich die Kinder von Solo-Mamas entwickeln und welche Erfahrungen es hierzu gibt.

Wie wichtig ist eine männliche Bezugsperson für ein Kind?

Wie kann das Kind später an Informationen über den Spender kommen bzw. ihn kennenlernen?

Und wie finden Spender es eigentlich, dass die Kinder sie später kennenlernen können?

Diese Fragen gibt es – und doch zeigt die Erfahrung, dass im Erstgespräch die Fragen doch meist allgemeiner sind. Deshalb kommen die ganz konkreten Fragen zum Umgang mit dem Kind oft erst dann, wenn die Frauen tatsächlich ihr Kind haben. Im Erstgespräch interessiert dann eher noch, ob eine Insemination weh tut, wie eine ICSI abläuft, wie die Hormone vertragen werden oder was passiert, wenn es trotz vieler Versuche einfach nicht klappen will.

Kam es auch schon vor, dass sich eine Frau bzw. ein lesbisches Paar nach der Beratung gegen eine Behandlung mit Fremdsperma entschieden hat?

Natürlich kommt auch so etwas vor. Nicht alle Frauen, die ich berate, sind ja schon entschlossen diesen Weg so auch tatsächlich zu gehen. Manche hoffen noch, dass sie doch noch Mr. Right treffen, andere schauen sich doch lieber nach einem Mann zum Co-Parenting um.

Einen Exklusivspender – so nennen wir Männer, die eben ganz speziell für ein Paar oder eine Frau spenden, oft Freunde oder Bekannte – gibt es natürlich auch. Wobei dies meist eher bei lesbischen Paaren vorkommt.

Wie erleben Sie Singlefrauen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen?

Ich erlebe diese Frauen meist als sehr überlegt, oft auch sehr gut informiert. Natürlich ist es ein großer Schritt allein ein Kind großziehen zu wollen und eben auch für die wenigsten Frauen ihr Plan A.

Aber ganz viele Singlefrauen haben sehr große Unterstützung – besonders familiär! Das fällt mir auf – ihre intensive familiäre Verbundenheit und ihr gutes Netzwerk.

Öfters kommen Frauen auch zum Beratungsgespräch mit ihren Eltern, Geschwistern oder guten Freund(inn)en, die dann häufig auch als Garantieperson zur Verfügung stehen. Selbstverständlich ist das Thema Solo-Mama ein sehr emotionales und auch eines, das Unwägbarkeiten mit sich bringt. Aber welche Frau, die sich von Herzen ein Kind wünscht, kann schon erahnen wie es ist Mutter zu sein, bevor sie es wirklich ist.

“Ich spüre bei vielen Wunschmüttern eine tiefe Traurigkeit”

Tatsächlich erlebe ich viele Wunschmütter auch als sehr emotional, und teilweise auch traurig. So fließen schon auch immer mal wieder Tränen, wenn sie mir von ihrem schon so lange währenden Kinderwunsch berichten und von ihrer Traurigkeit, dass sich dieser sehnlichste Wunsch noch immer nicht erfüllt hat.

Traurige Augen einer Frau
“Es fließen immer mal wieder Tränen, wenn mir Frauen von ihrem schon so lange währenden Kinderwunsch berichten.” (Foto: Nick Demou/StockSnap)

Aber hier spüre ich eher eine tiefe Traurigkeit, keine Verzweiflung. Wobei ich aber natürlich auch sagen muss, dass die Frauen, mit denen ich spreche, ja meist nicht am Anfang ihrer Überlegungen stehen, sondern sich durchaus oft sogar schon intensiv mit dem Thema Solo-Mama beschäftigt haben. Die teilweise verzweifelten Momente haben diese Frauen vermutlich schon hinter sich, da sie ja jetzt bereits eine Hoffnung haben, dass sich ihr Herzenswunsch doch noch endlich erfüllt.

Manchmal sind Singlefrauen sehr kompliziert und auch fordernder, als Paare. Dieser Eindruck verstärkt sich über die Zeit. Woran das liegen mag, darüber kann man nur spekulieren. Die meisten sind aber vor allem auch einfach sehr dankbar und lassen einen dies auch spüren.

Ganz selten spreche ich auch mit Frauen, die tatsächlich gar keinen Partner wollen und die einem das Gefühl vermitteln, dass sie mal eben den besten, schönsten und schlausten Spender „shoppen“ wollen, um ein ideales Kind zu bekommen. Dies befremdet mich dann doch ein wenig, ist aber zum Glück die absolute Ausnahme.

Welche Kosten kommen denn auf mich als Singlefrau bzw. lesbisches Paar zu?

Generell gelten unsere Kosten für alle, egal ob Single oder Lesben oder Heteropaar. Denn einige Samenbanken machen hier Unterschiede und verlangen bei Singlefrauen mehr Geld.

Unsere Preislisten kann man auf unsere Website finden. Aber generell kosten die beiden Erstgespräche (mit Samenbank und der uns angeschlossenen Praxis) je nach Dauer ca. 120-170 Euro.

Die einmalige Verwaltungsgebühr der Samenbank kostet brutto 952 Euro.

Spenderspema für eine Behandlung kostet 499,80 Euro.

Das Ovulationsmonitoring und die Inseminationsbehandlung in der Praxis Dr. Lorch kosten zusammen ca. 200-300 Euro.

Aber die Behandlungskosten erhebt natürlich jedes Kinderwunschzentrum selber, da kenne ich die Preise der anderen Zentren leider nicht.

Können Singlefrauen mit Kinderwunsch und lesbische Paare von den Krankenkassen unterstützt werden?

Für die Behandlung benötigt man dann auch noch einige Blutwerte. Hormonwerte können hier manchmal auch über die Krankenkassen abgerechnet werden, die vom Gesetz vorgeschriebenen Infektionsparameter jedoch nicht. Die kosten so ca. 150 Euro.

Meines Erachtens werden Singlefrauen nicht finanziell unterstützt, da die Donogene Kinderwunschbehandlung auch bei Heteropaaren, trotz der Unfruchtbarkeit des Mannes, eine Selbstzahlerleistung ist.

Hat sich mit dem Samenspenderregistergesetz vom 01.07.2018 etwas in Bezug auf Samenspenden oder Behandlungen geändert?

Es gibt mehr rechtliche Sicherheit für den Spender, da er nicht mehr als rechtlicher Vater des Kindes festgestellt werden kann. Und so sind ein wenig mehr Spender verfügbar. Außerdem sind tatsächlich auch ein paar mehr Samenbanken und Ärzte bereit, Singlefrauen zu behandeln. Das freut uns sehr.

Und zum Schluss noch ein bisschen Statistik: Wie hoch ist die Chance, mittels Donogener Intrauteriner Insemination (IUI) bzw. IVF/ISCI schwanger zu werden?

Das kann ich so pauschal leider nicht sagen, da es vor allem mit dem Alter der Wunschmutter und mit ihrer Eizellqualität zusammenhängt.

Mit 30 kann man statistisch gesehen ungefähr von 3-4 IUI-Versuchen ausgehen, um schwanger zu werden, mit 40 können durchaus auch 8-10 IUIs im normalen Rahmen liegen. Hier muss man einfach realistisch aufklären, auch wenn die Frauen das manchmal nicht hören wollen.

Nicht jede, die diesen Weg geht, wird tatsächlich auch schwanger und bekommt ein Kind.

Wie viele Inseminationen werden in der Regel durchgeführt, bevor man eine andere Methode anwendet bzw. den Spender wechselt?

Auch diese Frage lässt sich nicht ganz so pauschal beantworten.

Manche Frauen können sich eine IVF/ICSI nicht vorstellen, wegen der Hormone. Oder sie können es sich auch einfach finanziell nicht leisten. Diese Frauen machen dann auch über 10 Inseminationen. Und andere Frauen bevorzugen gleich eine ICSI, damit sie nicht weiter Zeit verlieren. Den Spender wechseln wir in aller Regel nach ca. 5-6 erfolglosen Versuchen, aber auch hier gibt es manchmal Frauen, die einfach aus emotionalen Gründen einen Wechsel zu einem früheren oder auch späteren Zeitpunkt wünschen.

Manche Frauen machen auch eine Behandlung nach der anderen, obwohl es aus medizinischen Gründen nicht mehr wirklich sinnvoll ist und der Arzt ihnen dies auch sagt. Aber sie wollen sich einfach nicht damit beschäftigen, dass es einfach nicht klappen wird mit einem leiblichen Kind.

Und andere machen nur zwei oder drei Versuche, da allein die Tatsache, es zumindest versucht zu haben, es ihnen leichter Macht mit dem Thema Kind abzuschließen.

Herzlichen Dank, Constanze Bleichrodt, für dieses sympathische und informative Interview!

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