Mama werden,  Schwanger werden

Knack’ den Code der Samenbanken Eine kleine Spenderkunde für Einsteiger

Wenn du in einer Beziehung ein Baby haben möchtest, ist das erstmal recht einfach.

Vielleicht nicht das Schwangerwerden an sich.

Aber du weißt immerhin schon, welche Gene bei der Gemeinschafts-Produktion eine Rolle spielen. Du kennst deinen Partner, seine Hobbys und Schwächen, weißt wie er morgens nach dem Aufstehen aussieht, und dass er manchmal etwas zu viel Aftershave auflegt.

Alles zusammengemischt mit deinem Pool aus Eigenarten und Optik, und es entsteht irgendwann – im besten Fall – ein kleines Wesen.

Wenn du dich allerdings für einen Spender von einer Samenbank entscheidest, wird es fast zu einer Wissenschaft, sich für den “richtigen” Mann zu entscheiden. Zumal du auch noch einiges an Abkürzungs-Kauderwelsch verstehen musst.

Während du es bei deutschen Samenbanken ausschließlich mit offenen Spendern zu tun hast – sogenannte Yes-Spender – deren Profil mehr oder weniger ausführlich ist, bist du bei dänischen Samenbanken mit der vollen Bandbreite von anonymen, halb-offenen und offenen Spendern konfrontiert.

Damit keine Langeweile aufkommt, kannst du auch noch zwischen Basisprofilen und erweiterten Profilen wählen.

Es folgt eine kleine Spenderkunde, damit du weißt, worauf du achten solltest, wenn du einen Spender von einer Samenbank wählst.

Ich verstehe nur Yes und No. Welche Spendertypen gibt es eigentlich?

Was für mich mindestens genauso lange gedauert hat, wie mich für eine Samenbank zu entscheiden, war es zu verstehen, welche Spendertypen es gibt und was sie voneinander unterscheidet.

Sobald ein Bewerber von der Samenbank als Spender akzeptiert wird, hat er – je nach Land – die Wahl, ob er ein anonymer, also nicht kontaktierbarer, oder offener Spender werden möchte. Regelungen in verschiedenen Ländern zur Anonymität von Spendern kannst du bei den Spenderkindern nachlesen.

 

  • Anonymer Spender (auch: No-Spender / No-ID-Freigabe / No-ID-Release)

Der nicht kontaktierbare Spender bleibt dir und deinem Kind für alle Zeiten unbekannt. Die Identität eines anonymen Spenders darf von der Samenbank niemals herausgegeben werden. Auch verpflichtet sich die Samenempfängerin dazu, den Spender nie selbst zu kontaktieren. Dasselbe gilt für das aus der Spende entstandene Kind, das seinen Erzeuger zu keinem Zeitpunkt kennenlernen kann.

Andererseits darf auch der Spender selbst keinerlei Informationen zu dir und dem durch seine Samenspende gezeugten Spenderkind erhalten. Dadurch hat der Samenspender keinerlei väterlichen Rechte und keine Verantwortung gegenüber diesem biologischen Kind.

Wichtig für dich zu wissen: Lässt du dich in Deutschland behandeln darfst du keinen anonymen Spender nutzen. Bei einer Behandlung in Spanien hingegen werden ausschließlich anonyme Spender verwendet. In Dänemark darfst du sowohl einen anonymen als auch einen offenen Spender nutzen.

 

  • Nicht-anonymer oder offener Spender (auch: Yes-Spender / ID-Spender)

Ein offener Spender erklärt sich bereit, dass sein Spenderkind mit 16 bzw. 18 Jahren – je nach Land – Kontakt zu ihm aufnehmen kann. Das Kind kann die Identität seines biologischen Vaters später in Erfahrung bringen und mehr über seine eigene Herkunft erfahren.

Auf welchem Weg dieser Kontakt zustande kommt – z.B. persönlich, telefonisch, per E-Mail -, kann je nach Samenbank verschieden geregelt sein und hängt später auch vom Spender selbst ab.

Bei SellmerDiers gibt es noch eine Variante des offenen Spenders, den – wie ich ihn nenne – halb-offenen Spender (“ID-release, donor’s decision in 18 years”). Bei dieser Variante kann sich der Spender zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob seine Identität dem Spenderkind gegenüber preisgegeben werden darf. Nur wenn sich der Samenspender dafür entscheidet, ist es für das biologisches Kind möglich, Kontakt zum Spender aufzunehmen.

Rechtlich ist der biologische Spendervater fein raus aus der Sache – seit dem Inkrafttreten des Samenspenderregistergesetzes (“Gesetz zur Regelung des Rechts auf Kenntnis der Abstammung bei heterologer Verwendung von Samen”) zum 01.07.2018 auch in Deutschland.

 

  • Exklusivspender

Bei einigen Samenbanken hast du die Möglichkeit, einen Exklusivspender zu bekommen, also einen, der ausschließlich für dich zur Verfügung steht. Das kann allerdings satte Zusatzkosten verursachen und macht es erforderlich, dass der Spender noch nie zuvor gespendet hat bzw. sein Sperma noch nicht verkauft wurde.

Mehr über Exklusivspender bei Cryos und der ESB.

Spender mit Profil

Je nach Samenbank werden mehr oder weniger ausführliche Infos über die Spender herausgegeben. Während es beispielsweise bei Cryos und SellmerDiers sowohl Spender mit nur grundlegenden als auch mit umfangreichen Profilen gibt, stellt die European Sperm Bank (ESB) für jeden Spendertyp ein erweitertes Profil zur Verfügung, egal ob er ein nicht kontaktierbarer oder ein offener Spender ist.

 

  • Basisprofil

Dieses Profil beinhaltet grundsätzliche Angaben zum Aussehen wie Haar- und Augenfarbe, Größe, Gewicht. Auch erfährst du meistens die Blutgruppe, Hautfarbe, ethnische Zugehörigkeit und ggf. noch den Beruf oder den letzten Bildungsabschluss.

In einigen Samenbanken steht dir nur ein solches Spenderprofil zur Verfügung.

 

  • Erweitertes Profil

Dieses Profil bietet dir zahlreiche persönliche Angaben zum Spender. Hierzu gehören – neben seinem Aussehen – Informationen zum familiären Hintergrund und zur Krankheitsgeschichte auch ein ausgefüllter Fragebogen zu Hobbys, bereisten Ländern, sonstigen Interessen.

Ebenfalls kannst du im erweiterten Profil Mitarbeitereinschätzungen zur Persönlichkeit und zum Charakter des Spenders, eine Tonaufnahme, ein Kinderbild, eine handschriftliche Nachricht an die künftige Mama und ggf. einen optischen “Doppelgänger-Vergleich“ zu einem Prominenten finden.

Meistens sind die dänischen Spenderprofile detaillierter als die von deutschen Samenbanken.

Bevor die Behandlung startet: gewaschenes oder ungewaschenes Sperma?

Neben der Recherche nach dem passenden Spender – diesem Part werde ich einen kompletten Blogeintrag widmen -, hast du noch die Qual der Wahl, in welchem “Zustand“ und mit welcher Beweglichkeit du das Sperma orderst:

 

  • ICI-unwashed (auch: Native Frozen (NF); ICI-nicht aufbereitet)

Die ungewaschenen bzw. noch nicht aufbereiteten ICI-Einheiten sind für die Intrazervikale Insemination gedacht, also für die Anwendung im Gebärmutterhalskanal bzw. in der Vagina. Da die Spermien roh, also ungewaschen sind, enthalten sie noch Bakterien und Prostaglandine, die nicht in die Gebärmutter gelangen dürfen. Ansonsten kann es zu Krämpfen und Infektionen kommen.

Das ICI-Sperma kann problemlos für eine Heiminsemination genutzt werden, aber nicht für eine IUI oder IVF.

 

  • IUI-ready (auch: Ready-To-Use (RTU), IUI-aufbereitet)

Diese gewaschenen Sameneinheiten sind für eine Intrauterine Insemination (IUI) oder eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) in der Klinik geeignet, also für die Befruchtung direkt in der Gebärmutterhöhle. Der Samen muss von der Klinik nicht mehr extra aufbereitet werden.

Für die Heiminsemination kannst du auch den IUI-ready-Samen nutzen, aber da er mehr kostet ist das überhaupt nicht notwendig.

 

  • MOT

Diese Bezeichnung steht für die totale Motilität (“Motile Total“), also die Anzahl der sich vorwärts bewegenden, der “motilen“ Samenzellen pro Milliliter.
Bei Sperma mit MOT10 befinden sich nach dem Auftauen mindestens 10 Millionen bewegliche Samenzellen pro Milliliter im Röhrchen. Da für eine Insemination in der Regel 0,5 Milliliter Samen verwendet werden, können bei MOT10 fünf Millionen Samenzellen ihr Glück versuchen.

Mehreren Studien zufolge, sicherst du dir übrigens mit MOT20 bei einer Insemination die besten Erfolgschancen auf eine Schwangerschaft.

Darauf solltest du achten, BEVOR du dich für einen Spender entscheidest

Damit du bei dem aufregenden Prozess, dich für einen Spender zu entscheiden, nicht durcheinanderkommst, kannst du dich nach dem folgenden Ablauf richten:

  1. Kläre zunächst, in welcher Klinik oder Praxis du dich behandeln lassen möchtest, denn nicht jede arbeitet mit allen bekannten Samenbanken zusammen. Bestelle also erst dann deinen Wunschspender, wenn du das Go für deine Behandlung bekommen hast.
  2. Bevor du deine Spermabestellung abschickst, schließe dich mit deinem behandelnden Gynäkologen bzw. deiner Klinik kurz, welche Behandlung bei dir geplant ist (IUI, IVF, ICSI) und welchen Samentyp du nehmen solltest (ICI-unwashed oder IUI-ready).
  3. Ob du einen auch einen anonymen Spender nutzen darfst oder dich für einen offenen Spender entscheiden musst, steht spätestens zu dem Zeitpunkt fest. Zur Erinnerung: Lässt du dich in Deutschland behandeln, musst du einen kontaktierbaren, also offenen Spender verwenden.
  4. Je nach Samenbank kannst du dich noch für eine MOT des Spenders entscheiden. Während die ESB und SellmerDiers ausschließlich Spendersamen ab MOT 20 anbieten, startet Cryos mit einer Motilität von 5 Millionen.
  5. Da es nicht immer gleich beim ersten Versuch klappt, schwanger zu werden, ist es sinnvoll, mehrere Halme Sperma auf einmal zu bestellen. Das stellt sicher, dass der Spender nicht unerwartet ausverkauft ist. Außerdem sparst du (mitunter sehr hohe) Versandkosten pro Lieferung. Auch hier empfiehlt es sich, die Anzahl im Vorfeld mit dem dich behandelnden Arzt abzuklären. Mit 3 bis 4 Einheiten machst du aber sicher nichts verkehrt, auch für den Fall, dass du später noch ein Geschwisterchen auf diesem Wege planst.

Abschließend zeigt dir die folgenden Grafik, wie du in 6 einfachen Schritten zur Auswahl deines Spenders kommst.

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