7 Sätze, die du einer freiwillig Alleinerziehenden lieber nicht sagen solltest
Mama sein,  Mama werden,  Vermischtes

7 Sätze, die du einer (künftigen) Solomama lieber nicht sagen solltest Und warum es Alleinerziehende in Deutschland so schwer haben

Absurde Vorurteile über Alleinerziehende
7 Sätze, die du einer freiwillig Alleinerziehenden lieber nicht sagen solltest

Dass Alleinerziehende in Deutschland nicht gerade hofiert werden, ist hinlänglich bekannt. Auch wenn das gesellschaftlich und politisch selten zugegeben wird.

Wir Alleinerziehenden sind Anfang des 21. Jahrhunderts eine historische Massenbewegung, stellen wir doch traditionelle Familienmodelle und Rollenbilder auf den Kopf. Und doch sind wir immer noch keine rundum anerkannte Familienform, wie man an der steuerlichen Benachteiligung und der Stigmatisierung merkt.Alleinerziehende und Stigma – woher kommt das?

Die vielen Vorurteile – von “wanzt sich durchs Sozialsystem”, über “Mann abgehauen” bis hin zu “ist selbst schuld” – werten die soziale Stellung auch nicht gerade auf. Alleinerziehende sind darüberhinaus besonders anfällig für Depressionen, was sie zu einer sehr verletzlichen Familienform macht (siehe auch meine 5 Power-Tipps für Solomamas mit Mini-Statistik zur Gesundheit von Einelternfamilien).

Bis in die 70er Jahre hinein werden alleinerziehende Frauen als ledige Mütter, die Bastarde großziehen, bezeichnet. Dazu 10 historische Fakten zum Gruseln über Alleinerziehende, die den holprigen Weg der Einelternfamilie skizzieren, der bis in die heutige Zeit Bestand hat:

  • Bis 1961 waren ledige Mütter/Alleinerziehende nicht sorgeberechtigt. Sie konnten das Sorgerecht auch nicht beantragen. Das Amt übernahm die Vormundschaft.
  • Das bürgerliche Gesetzbuch von 1900 hält fest, dass weder unverheiratete Eltern noch ledige Mütter eine Familie sind.Vor der NS-Zeit wurde uneheliche Schwangerschaft mit Schwachsinn und sexueller Zügellosigkeit gleichgesetzt. Unter Hitler wurde hingegen jede „arische“ Schwangerschaft begrüßt, solange die Frau sich monogam verhielt.
  • Bestraft für Schwangerschaften wurden immer die Frauen. Sie erhielten Schandstrafen. Männer wurden höchstens zu Geldstrafen herangezogen.
  • Behauptete der Vater, die Frau habe „Mehrverkehr“ gehabt, also mehr als einen Liebhaber, musste er keinen Unterhalt zahlen. Beweisen musste der Kindsvater das nicht. (Und so zahlten 1912 in Berlin 90% der Väter keinen Unterhalt mit Verweis auf „Mehrverkehr“.)
  • Ledige Mütter wurden von bestimmten kirchlichen Ritualen ausgeschlossen (Kommunion, Begräbnis, Patenschaft).
  • Mütter ohne Mann wurden als „gefallene Unschuld“ (bürgerliche Frauen) oder als „liederliche Frauenzimmer“ (wenn sie aus niederen Schichten stammten) bezeichnet.
  • Unehelich Schwangere wurden teils sogar ausgespeitscht, ihnen wurden die Haare abgeschnitten, eine bestimmte Kleiderordnung auferlegt (17./18. Jh.)
  • Schwangerschaft war bis 1938 ein fristloser Kündigungsgrund für ledige Frauen.
  • Eine uneheliche Geburt bedeutete weitgehende Rechtslosigkeit für Mutter und Kind.

Charakteristisch für die heutige Lebensform alleinerziehend ist die Alleinverantwortung für mindestens ein Kind unter 18 Jahren, für das man die Mutter- oder Vaterrolle übernimmt.

Warum gibt es so viele Vorurteile über Alleinerziehende?

Weil Menschen auf kausale Zusammenhänge stehen. Damit fällt es leichter, Verhaltensweisen zu erklären, die sonst unerklärlich wären.

Trennung – das ist das Trumpf-Ass aller Küchenpsychologen. Irritiert nimmt man als Mutter eines kreuzfidelen Kindes zur Kenntnis, dass den banalsten Schrullen plötzlich Problemcharakter zuerkannt wird. Gutmenschen toben sich jetzt richtig aus. Das Kind ist pummelig? Frustessen, dem Armen fehlt der Vater. Dünn? Magersüchtig, der Vater fehlt. Exakt normalgewichtig, es passt sich übermäßig an, denn … Genau.«wir eltern»

Schuld an solchen Thesen tragen einerseits Unwissenheit – andererseits Angst. Angst davor, selbst in eine solche Situation zu geraten, plötzlich ohne Partner dazustehen und mit dem gemeinsamen Kind alleine gelassen zu werden. Solch eine Vorstellung kann so erschreckend sein, dass manche Menschen alles Mögliche probieren, um eine größtmöglich Distanz dazu aufzubauen. So kommen neunmalkluge Ratschläge, Abwertungen und widersprüchliche Vorurteile wie diese hier zustande:

Haben Alleinerziehende keinen Job und gehen auch sonst nicht aus, ist das typisch für diese Lebensform. Die Kinder werden durch das Nichtstun des Elternteils traumatisiert.

Gehen sie arbeiten oder organisieren sich ab und zu mal einen Babysitter, vernachlässigen sie ihre Kinder.

Benötigen Alleinerziehende Sozialhilfe, gelten sie als Schnorrer und Schmarotzer.

Verzichten sie darauf, etwa, weil sie selbst genau diesem Vorurteil entgehen möchten, führen sie ein sorgloses, finanziell abgesichertes Leben. Vermutlich gesponsert durch den zu bedauernden Ex-Partner, der massig Unterhalt zahlen muss.

Die Grenze zwischen scherzhaft-harmlosen Bemerkungen und kränkenden Vorurteilen ist fließend, und zwar aus einem primitiven Grund: Der Mensch versucht, mit so wenig Denkarbeit wie möglich durchs Leben zu kommen. Dafür teilt er die Welt in simple Kategorien ein und kann die Flut an Informationen in leicht verdauliche Happen filtern.

So kultiviert jeder Mensch seinen eigenen Jahrmarkt an Vorurteilen. Nichts und niemand bleibt von ihnen verschont. Vom lichtscheuen Informatiker bis zum rücksichtslosen Audi-Fahrer. Dabei klammern wir uns an jeden noch so dünnen Strohhalm. Schon mit der kleinsten Information über einen Menschen suchen wir die passende Schublade für ihn.Warum wir Vorurteile nicht loswerden können

Nur allzu häufig ist in öffentlichen Diskussionen von den Alleinerziehenden die Rede. Diese Entindividualisierung verleitet zu Verallgemeinerungen und Stereotypen, die stark emotional geprägt sind und zu negativen Vorurteilen führen.

Das wissen auch die Betroffenen, denen Abwertungen und Verachtung entgegengebracht werden. Die mögliche Folge: eine lähmende Angst, genau diese Vorurteile zu bestätigen.

“Moment mal, sagtest du freiwillig alleinerziehend?”

Das angeschlagene Bild von Alleinerziehenden führt dazu, dass sich einige verwundert die Augen reiben, wenn sie von einer Singlefrau erfahren, dass sie diese Familienform ganz freiwillig wählt und (erstmal) keinen Mann an ihrer Seite braucht und möchte.

  • Meint sie das wirklich ernst?
  • Vielleicht findet sie keinen Mann, weil ihr keiner gut genug ist.

Verwunderung ist die eine Seite. Verurteilung eine andere.

Es spricht vieles dafür, dass in einem leeren Kopf die Vorurteile besonders blühen. Sir Peter Ustinov

Viele meiner Leserinnen haben ein tolles Umfeld. Da wird zur Entscheidung beglückwünscht, mit alkoholfreiem Prosecco zugeprostet und lebenslange Unterstützung angeboten.

Allerdings hat nicht jede das große Los gezogen. Einige Verwandte, Freunde und vollkommen Unbekannte reagieren auf die Entscheidung, alleine ein Kind aufzuziehen, mit großen Sorgenfalten. Und ungefragtem Geblubber.

Die Singlefrau, die sich dafür entscheidet, ein Kind alleine zu bekommen, darf sich nicht nur mit ihren eigenen Vorurteilen auseinandersetzen, sondern auch mit antiquierten Ansichten der Gesellschaft, die sich ebenfalls einmischt.

7 dieser nervigen Sätze nehme ich mal genauer unter die Lupe.

7 Sätze, die du einer freiwillig Alleinerziehenden lieber nicht sagen solltest

1. “Ganz schön egoistisch!”

Egoismus hat einen mordsmäßig schlechten Ruf. Wird jemand als egoistisch bezeichnet, kann man erstmal davon ausgehen, dass das nicht als Kompliment gemeint ist.

Nur warum sollte man nicht auch mal egoistisch sein dürfen?

Und ich meine nicht den Egoismus des Jugendlichen, der der Omma im Bus den Platz wegnimmt.

Der ist doof. Den mag ich auch nicht.

Ich spreche von gesunden Egoismus, den Schmuseeinheiten fürs Ego, der mir selbst zugutekommt, ohne dabei die Interessen des anderen mit Füßen zu treten.

Mal angenommen, ich würde mich ausschließlich darum kümmern, wie es anderen geht. Dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden.

Der Opa findet es widernatürlich, ein Kind per Samenspende zu zeugen, denn “Damals, da hätte es das nicht gegeben”. Alles klar, ich lass’ das also, weil es mir wichtiger ist, dass mein Opi ein ordentliches Bild von mir hat.

Die beste Freundin findet, dass ich als Alleinerziehende mein Kind nicht in die Kita geben sollte, weil es dort komplett den Bezug zu mir verliert, was sie äußerst kritisch sieht. Ich gehe zwar auf dem Zahnfleisch und fände sozialen Input gut für mein Kleines, aber ich möchte auch nicht, dass sich meine Freundin Sorgen machen muss. Also doch keine Kita.

Da gibt’s einiges für mich zu tun bei diesen ganzen Bedürfnissen der anderen. Während jeder nach der Erfüllung in sein eigenes Leben zurückkehrt, bleibe ich alleine zurück. Immerhin mit dem guten Gefühl, andere glücklich gemacht zu haben.

Nur wer kümmert sich jetzt um mich? Eben!

Im Grunde ist es doch so: (Fast) jeder handelt in seinem eigenen Interesse, und es gibt ziemlich wenige Menschen, die ihr Leben ausschließlich anderen widmen. Das ist auch gut so, denn wer hat etwas davon, wenn du dich selbst vernachlässigst und deine eigenen Grundbedürfnisse außer Acht lässt?! Nur dann, wenn du genügend auf dich aufpasst, kann es dir auch gut gehen.

Warum also ist der Egoismus einer Singlefrau, die sich ihren Kinderwunsch erfüllen möchte, um so vieles schlimmer, als der Kinderwunsch eines Paares, das denselben Wunsch hat?

Für diejenigen, die rechnen können: Da sind es sogar zwei Parteien (Mann und Frau / Frau und Frau / Mann und Mann), die aus rein egoistischen Motiven ein Kind bekommen wollen. Das Kind bekommt also die doppelte Ego-Ladung ab. Kann ja nicht gesund sein.

Oder sind diese Wunschkinder am Ende womöglich doch noch glücklich?

Jeder hat andere moralische Einstellungen und Werte, die er für sich definiert. Während es für den einen egoistisch ist, dass sich eine Frau dafür entscheidet, alleine ein Kind zu bekommen, empfindet eine andere Person diese Entscheidung von der selben Frau als mutig. Das Urteil über den anderen basiert also ausschließlich auf den eigenen Vorstellungen und Sichtweisen. Hat aber nichts mit der Person zu tun, über die ein Urteil gefällt wird.

Ja, vielleicht hat es etwas Selbstbezogenes an sich, ein Kind zu bekommen, ob alleine oder als Paar.

Aber vielleicht ist es auch ein Zeichen dafür, dass es noch immer Menschen gibt, die an das Gute glauben, das Leben lieben und für wundervoll halten. Und dass genau dieses eine Leben, das man hat, dafür genutzt werden kann, ein Kind zu bekommen und ihm zu zeigen “Schau, wie schön diese Welt ist. Lass’ uns gemeinsam ein wenig Zeit auf ihr verbringen.”

2. “Das hast du gar nicht nötig!”

  • Weil du ganz hübsch bist.
  • Weil dich sicher noch ein Mann nehmen würde.
  • Weil du gar nicht so verzweifelt wirkst.

Frei übersetzt heißt dieser Satz: Irgendetwas stimmt nicht mit dir. Nach außen hin wirkst du wie eine ganz normale, sympathische Frau, aber die anderen wissen offenbar etwas, das ich nicht weiß. Warum sonst hast du keinen Kerl abbekommen, der mit dir eine Familie gründen will?!

Der Kommentar mag tröstend gemeint sein, ordnet das Gegenüber aber gleichzeitig der Kategorie zu: schwache Frau, die es nicht gebacken bekommt, einen Mann für die Familiengründung klarzumachen.

Achtung, ich lüfte ein Geheimnis! Frauen sind nicht so bedürftig, dass sie zu jedem Mann ja sagen, nur weil er zufällig auch Kinder will. Manche Frauen brauchen eben etwas mehr.

Du findest sie zu anspruchsvoll? Ich finde, auch an Männer darf man ruhig Ansprüche haben, denn umgekehrt ist es ganz genauso. Außerdem muss ja jeder mit seiner Partnerwahl klarkommen, gerade wenn es längerfristig und für eine Familiengründung reichen soll.

3. “Hast du wirklich gut darüber nachgedacht?”

Was wäre denn, wenn die Antwort darauf “Nein” lauten würde?!

Du kannst Dinge auch zerdenken. Schließlich weißt du nicht, was dich in der Praxis erwartet, nur weil du etwas in der Theorie diverse Male durchgekaut hast.

Geht es nach Kritikern des Modells der Single Mom by Choice kann man es ohnehin nicht richtig machen:

  • Wartet man mit dem Kinderkriegen bis nach dem 40sten Lebensjahr, hat man zu lange darüber nachgedacht.
  • Wird man in seinen Dreißigern Mama, hätte man lieber noch auf Mister Right gewartet, der irgendwo da draußen wartet. Solange könnte man die Wissenschaft nutzen, Stichwort: Social Freezing

Viele der Frauen, mit denen ich mich ausgetauscht habe, haben eines gemeinsam: Sie alle fanden, dass sie zu lange darüber nachgedacht haben, ob sie tatsächlich ein Kind alleine bekommen wollen. Dabei ging wertvolle Zeit ins Land, die sie beispielsweise für die Planung eines Geschwisterkindes hätten nutzen können.

Der Großteil der freiwilligen Alleinerziehenden hat also lange und intensiv darüber nachgedacht, Solomama zu werden. Sie haben in der Mehrheit der Fälle außerdem andere Personen in den Prozess involviert, die eigene Familie, Freunde oder Psychologen, die dabei geholfen haben, eine Entscheidung zu treffen, die sich gut anfühlt.

Also, pack’ das sorgenvolle Gesicht wieder ein und traue deiner Tochter, deiner besten Freundin, deiner Kollegin zu, dass sie genug Verstand hat, um eine wohldurchdachte Entscheidung zu treffen.

4. “Du weißt nicht, worauf du dich einlässt.”

Absolut richtig!

Ich wage etwas Neues, ohne zu wissen, worauf ich mich einlasse und was als nächstes kommt. Für den Traum, Mama zu werden, nehme ich das Risiko in Kauf, dass es doch alles anders werden könnte, als ich es mir vorgestellt habe, dass ich danach doch nicht zufriedener bin oder mich überfordert fühle. Und trotzdem lasse ich es darauf ankommen. Denn es gibt etwas Wunderbares zu gewinnen: das Leben, das ich mir wünsche.

Das größte Risiko im Leben ist, überhaupt keins einzugehen.Horst Reiner Menzel (*1938, Aphoristiker)

Es kann auch nicht im Sinne der Evolution sein, dass ich bei allen Dingen, die unvorhersehbar sind, einen auf Vogel Straß mache.

Da geht es mir ganz genauso, wie jeder anderen Erstmama, die keinen Schimmer davon hat, wie es mit Baby sein wird. Und selbst bei denen, die bereits Kinder haben, läuft beim nächsten auch nicht immer alles nach Schema F. Trotzdem bekommen sie noch eins, zwei oder drei weitere von der Sorte.

Unwissenheit scheint also keinen sicheren Abschreckungseffekt zu haben, (wieder und wieder) Mama zu werden.

Dabei gehöre ich zu den Menschen, die äußerst ungerne überrascht werden. Ich mag es, in meiner Komfort-Zone zu pendeln und bloß nicht zu viele Risiken einzugehen oder meine persönliche Situation zu verändern.

Deswegen verstehe ich auch die besorgten Leute, die skeptisch sind, ob es richtig ist, wenn du alleine ein Kind bekommst. Wahrscheinlich sind auch sie Sicherheitsdenker und haben Angst vor dem Ungewissen – und dem Neuen. Neophobie nennt man das; bloß nichts ändern, den Status Quo bis zum Ende aufrechterhalten, auch wenn’s wehtut.

Gut möglich, dass sie selbst in einer Lebenssituation verharren, die ihnen nicht (mehr) guttut, nur weil es für sie die sicherere Variante bedeutet. Wie viele Menschen gibt es, die sich im Job oder in der Beziehung mit dem Bewährten arrangieren, obwohl es ihnen viel besser gehen könnte, wenn sie das Risiko eingehen, ihre Situation zu verändern?!

Solomamas (in spe) sind das Risiko eingegangen, etwas zu verändern. Sie wählen einen unbequemen Weg, auch wenn sie dafür von anderen verurteilt oder abgelehnt werden und sich angreifbar machen. Weil sie sich und ihre Bedürfnisse wichtig und ernst nehmen. Und dabei können sie nur gewinnen!

5. “Hättest du das Geld nicht lieber für etwas Sinnvolles ausgeben können?”

Sich einen sehnlichen Kinderwunsch zu erfüllen kostet. Das ist nicht nur bei Singles der Fall, die sich in einer Kinderwunschklinik behandeln lassen. Es betrifft genauso Kinderwunsch-Paare, die Schwierigkeiten haben, ein eigenes Baby zu bekommen und sich deswegen von einer Hormontherapie zur nächsten schleppen.

Da von Paaren gesellschaftlich häufig erwartet wird, dass sie fleißig Kinder zeugen, werden Kinderwunschbehandlungen nicht nur toleriert, sondern auch von Krankenkassen gefördert und bezuschusst. Bedeutet: Würden die Krankenkassen keinen Nutzen darin sehen, wenn sich (verheiratete) Paare fortpflanzen, würden sie hier ganz sicher keine Finanzspritze geben. Die Rechnung der Kassen könnte in etwa so lauten:

  • Mann + Frau = unerfüllter Kinderwunsch = psychische Erkrankungen = Medikamente, Therapien = höhere Ausgaben
  • Mann + Frau = erfüllter Kinderwunsch = Glück, Zufriedenheit, ausgeglichenes Familienleben = geringere Anfälligkeit für Krankheiten = niedrigere Ausgaben

Bei Alleinstehenden wird dieser Mehrwert offenbar nicht gesehen. Deswegen muss sich jede Singlefrau ihre Kinderwunschbehandlungen, inklusive aller Untersuchungen und Medikamente selbst zusammenhamstern.

Bei einigen Frauen ist das noch verhältnismäßig günstig, wenn es ganz schnell klappt, schwanger zu werden. Andere allerdings geben mehrere (zig-)tausend Euro aus, um sich ihren Wunsch vom eigenen Kind zu erfüllen, ganz zu schweigen von dem emotionalen Einsatz.

Die reproduktionsmedizinische Therapie kann organisatorisch und finanziell belastend sein, häufig auch emotional, hierbei insbesondere für die Frau. Sie nimmt in der Kinderwunschtherapie das Meiste auf sich, von der invasiven Diagnostik einer Bauchspiegelung über das zum Teil tägliche Spritzen von Hormonen bis zum Transfer befruchteter Eizellen in die Gebärmutter und das anschließende bange Warten auf den Erfolg (oder Misserfolg) der Behandlung.Die Psyche beim unerfüllten Kinderwunsch

Lässt sich eine Frau auf kostspielige Fertilitätsbehandlungen ein und gibt ihr Geld nicht für neue Kleidung und Beautysalons aus, setzt sie Prioritäten, die ihr wichtig sind, weil sie ein globales Ziel vor Augen hat: mehr Glück und Zufriedenheit.

Etwas Sinnvolleres gibt es kaum!

6. “Das schaffst du nicht ohne Mann!”

Frauen sind nur dann starke Mütter, wenn sie einen echten Kerl an ihrer Seite haben, der neben Holzhacken und Sportwagen reparieren, dem Kind auch gleich noch beibringen kann, den Nachbar unter den Tisch zu bechern.

Unter der Woche darf sich die Mama darum kümmern, dass das Kleine fein aussieht und die Zähne geputzt sind. Damit der Event-Papa die coolen Momente mit seinem Nachwuchs verbringen kann.

Überspitzt dargestellt.

Unsere Gesellschaft entwickelt sich schneller als unsere Einstellung zu ihr. War es bei früheren Generationen das einzig richtige, nur innerhalb der Ehe Kinder zu bekommen und mit dem Ehegatten bis zum Tode zusammenzubleiben, haben sich heute so viele Familienformen entwickelt, dass die gesellschaftliche Akzeptanz nicht hinterherkommt.

Neben Regenbogen- und Patchworkfamilien gibt es inzwischen freiwillige Einelternfamilien.

“Auch das noch!”

Da spricht die Stimme eines engagierten Familienvaters, dem es schwerfällt zu akzeptieren, dass eine Familie ohne Papa eine echte Familie ist. Nachvollziehbar, wenn er das Gefühl hat, dass seine eigene Rolle und Bedeutung dadurch abgewertet wird. Wenn eine Mama-Kind-Familie eine attraktive Alternative zur bisherigen Kernfamilie bietet, wofür braucht frau dann noch einen Mann? Wird er als Vater am Ende komplett abgeschafft?

Solche Überlegungen tun nicht jedem männlichen Ego gut.

Dabei ist es nicht so, dass Solomamas ihr Leben lang auf einen Partner verzichten wollen oder ein grundsätzliches Problem mit Männern haben. Nur im Moment ist kein Mann im Anmarsch, und da heißt es: improvisieren.

7. “Jetzt findest du nie wieder einen Partner.”

Dicht gefolgt vom prophetischen “Du wirst ewig Single bleiben!”

Ich finde es immer hilfreich, einen Hellseher im Bekanntenkreis zu haben. Dank dessen Hinweisen kann man schonmal Pläne aufgeben, bevor man sie umsetzt, damit es gar nicht erst zu Enttäuschungen kommt.

O-Ton Orakel: “Wenn du alleine ein Kind bekommst, interessiert sich nie wieder ein Mann für dich!”

Ach ja, ich habe vergessen, dass ich einen Mann brauche, um endlich glücklich zu sein. Mein Kind ist im Grunde nur ein Ersatz für den Partner, den ich nicht habe. Nur gut, dass mich das Kind nicht verlassen kann. Zumindest nicht die ersten 18 Jahre.

In einigen Köpfen ist noch 50er-Jahre-Kino angesagt, als die Frau Accessoire und Untergebene des Ehegatten war. Vielleicht nicht schön, nach Feierabend von ihm geschlagen zu werden. Aber immerhin hatte sie einen Mann.

Umso überraschender, dass sich einige Frauen aufgemacht haben, um dafür zu kämpfen, endlich unabhängig zu werden. Fand wohl doch nicht jede so toll diese jahrhundertelange Diskriminierung.

Trotzdem steckt noch immer die Vorstellung in vielen Köpfen: ohne Mann ist Frau einsam, fühlt sich bedeutungslos. Und zwar so sehr, dass sie keine andere Möglichkeit sieht, als sich ein Kind zuzulegen, um zumindest kurzzeitig die emotionale Lücke zuzuschütten, die das Leben ohne Partner so mit sich bringt.

Männer ohne Partnerin gelten als einsame Wölfe, es umgibt sie dieser Hauch von Verwegenheit, und sie werden gleichermaßen von ihren Geschlechtsgenossen wie von Frauen bewundert. […] Die Wahrnehmung der Singlefrau ist eine komplett andere. Deren Freiheit und Unabhängigkeit werden nicht als selbst gewählt betrachtet. Single-Frauen gelten als eine Art Opfer, als unvollkommen, als Mangelexemplar. Es fehlt ihnen etwas, nämlich ein Mann, der Schlüssel zum Glück. Es schwingt Mitleid mit, wenn man über sie redet, erst recht, wenn die Frauen ohne Partner über 35 sind.Besser dran ohne die bessere Hälfte

Dabei hat keine einzige der (künftigen) Solomamas, die ich kennengelernt habe, als Grund angegeben, dass sie deswegen Mama werden möchte, damit sie nicht alleine bleibt. Zumal es auch keinesfalls eine Garantie dafür gibt, dass man mit Partner weniger alleine ist. Ich kenne Paar-Phasen von mir, in denen ich mich sogar ziemlich einsam an der Seite des anderen gefühlt habe. Obwohl er da war.

Für mich sind es deswegen auch zwei verschiedene Ebenen, die da miteinander verglichen werden. Eine betrifft die Rolle als Mama, die andere die als Partnerin, und in jeder dieser Rollen habe ich andere Bedürfnisse und Wünsche.

Im übrigen zeigt die Existenz von Patchworkfamilien, dass Alleinerziehende sehr wohl eines Tages wieder jemandem begegnen können, für den ihr Herz schlägt. Und der sie um ihrer selbst Willen liebt. Auch für potentielle Partner kann es eine Entlastung sein, wenn die Frau bereits ein (Spender-)Kind hat: Denn wenn sich eine Solomama auf einen neuen Mann einlässt, kann der davon ausgehen, dass sie sich wirklich für ihn interessiert und ihn nicht nur als künftigen Vater im Auge hat.

An den Kritiker: Ist deine Sorge ernst gemeint?

Machst du dir wirklich Sorgen darüber,  ob die (künftige) Solomama es ohne Partner an ihrer Seite schafft, ein Kind großzuziehen?

Wie wäre es mit der folgenden Variante: Biete Unterstützung an, ermutige sie in ihrer Entscheidung. Denn ändern kannst und solltest du daran nichts. So viele kleine Sätze können bereits helfen, dass sich die (baldige) Alleinerziehende wertgeschätzt und gestärkt fühlt.

Wichtig, wenn du deine Hilfe anbietest: Dieses Angebot sollte ernst gemeint sein. Wenn du weißt, dass du die Unterstützung nicht leisten kannst oder willst ist das völlig in Ordnung. Aber es hilft niemandem, wenn du betonst, dass du jederzeit bereit bist, einzukaufen, das Kind spazierenzufahren oder für die Mama zu kochen, wenn du eigentlich hoffst, dass diese Unterstützung nie in Anspruch genommen wird.

Für diesen Fall gibt es eine ganz einfache Möglichkeit: einfach mal pssssssst!

Kennst du noch weitere nervige Kommentare von Außenstehenden?

Bist du (bald) Solomama? Dann wird es bestimmt immer mal Menschen geben, die ungefragt dein Leben kommentieren. Sicherlich geschieht das in den seltensten Fällen aus Boshaftigkeit. Wahrscheinlicher ist es, dass jemand verunsichert ist, wie er darauf reagieren soll, dass du ein in Deutschland noch unübliches Lebensmodell lebst oder zumindest in Betracht ziehst. Diese Sorgen sagen also mehr über den anderen aus, als über dich, was natürlich nicht heißt, dass sie dich nicht treffen können. Aber du solltest andere Meinungen und Einstellungen nicht wichtiger nehmen, als deine eigene.

Hast du dir vielleicht schon andere nervige Sätze anhören müssen?

Ich freue mich, wenn du sie mir sie in die Kommentaren schreibst oder mir über mein Kontaktformular schickst.

Ein Kommentar

  • Barbara

    Super Post! Habe genau aus diesen Gründen mit kaum jemandem über meine Solomama-Pläne gesprochen. Nur mit ganz wenigen ausgewählten Freunden. Der Rest der Welt wurde vor vollendete Tatsachen gestellt (auch die Oma und der Opa meines Kindes) und hatte dann – oder hätte dann gehabt – Zeit genug für überflüssige Kommentare. Damals konnte ich das ganz gut durchziehen. Jetzt ist mein Kind 4 Jahre alt und ich befinde mich in einer anderen Phase und merke, dass es mir da schwerer fällt, meine eigenen Entscheidungen zu treffen. Wo sollen wir wohnen? Wie organisiere ich meinen Alltag? Wie erziehe ich? Viele reden mit und leider fühle ich mich in diesen Dingen viel unsicherer als bei der Entscheidung, ob ich alleine ein Kind bekommen kann.

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