Privatspender Chris: Mein Bauchgefühl hat mich bisher nicht enttäuscht | www.solomamapluseins.de
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“Mein Bauchgefühl hat mich bisher noch nicht getäuscht.” Interview mit Privatspender Chris

Auch wenn es immer mehr Singles mit Kinderwunsch und Solomütter gibt, die sich in die Öffentlichkeit wagen – neben mir ist auch Katrin von Solomamaherz, mit der ich die gemeinsame Plattform Solomamawege gegründet habe, aktiv dabei, unser Familienmodell als normal zu promoten –, kann man den Anteil der Samenspender, die sich offen zu ihrer Spende bekennen, an einer Hand abzählen. Viele möchten damit auch nicht hausieren gehen, sondern einfach Frauen bzw. Paaren helfen, wenn das Kinderkriegen auf anderem Wege nicht klappt.

Dabei kann der Schritt in die Öffentlichkeit anderen dabei helfen, das Thema Samenspende nicht mehr als etwas Unangenehmes oder Schambehaftetes zu betrachten. Gerade wenn eine Frau oder ein Paar darüber nachdenkt, ob diese Option der Zeugung in Frage kommt, ist es hilfreich, positive Vorbilder zu haben und von ganz normalen Menschen zu erfahren, die den Weg genauso eingeschlagen haben.

Deswegen bin ich super happy, dass sich Chris bei mir gemeldet hat, der als Privatspender, also als privater Samenspender, bereits einigen Frauen zu ihrem Wunschkind verholfen hat. Ich habe gefragt und er hat mir viele Antworten gegeben.

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Wie bist du überhaupt dazu gekommen, privater Samenspender zu werden?

Über eine gute Doku zum Thema. Ich hatte schon immer das Bedürfnis anderen zu helfen und etwas von mir weiterzugeben. Je mehr ich mich dann mit dem Gedanken an das Spenden beschäftigte, desto größer wurde der Wunsch.

Wie wichtig ist dir der finanzielle Aspekt bei einer Samenspende?

Tatsächlich gar nicht, ich spende kostenlos, freue mich aber natürlich zum Beispiel über eine Einladung zum “Kennenlernkaffee”.

Hast du darüber nachgedacht, Spender über eine Samenbank zu werden?

Ja, spürte aber ganz schnell, dass ich einfach wissen möchte, wem ich da etwas so Persönliches weitergebe.

Was ist dir wichtig, damit du sagst, dass du bereit bist, der Frau bzw. dem (lesbischen) Paar mit deiner Samenspende hilfst?

Den festen Eindruck, dieses Kind wird geliebt werden, ein gutes Bauchgefühl und Sympathie auf beiden Seiten.

Hast du schon jemanden abgelehnt, weil es nicht gepasst hat? Was waren die Gründe?

Das ist leider häufiger der Fall als ich es mir wünsche. Meist fehlt die besagte Sympathie oder die Vorstellungen gehen einfach zu weit auseinander.

Und hat sich auch schon mal jemand gegen dich entschieden? Wenn ja, warum?

Ja, das gab es auch schon. Dem Wunsch nach einem intensiven späteren Kontakt mit dem Kind hätte ich leider nicht nachkommen können.

Gibt es eine “typische” Frau, die eine private Samenspende in Anspruch nimmt?

Das Gegenteil erlebe ich. Bisher waren alle Frauen, mit denen ich Kontakt hatte, in ganz verschiedenen Lebenssituationen – spannend, wenn auch nicht immer einfach.

Hast du bereits für Paare gespendet?

Ja, bei zwei Paaren durfte ich als männlicher Ersatzspieler einspringen – Respekt für diese Selbstlosigkeit.

Wie viele Spenderkinder hast du bereits? Und wie geht es dir damit?

Es sind nun vier kleine Wunder, die mich, offen gesagt, ziemlich stolz machen. 😊

Welche Kontaktmöglichkeiten wünscht bzw. hast du zu deinen Spenderkindern? Und wie funktioniert das mit der Mutter?

Manche Mütter wünschen sich gar keinen Kontakt, vor allem die in Beziehung mit einem Mann. Den meisten Frauen ist aber die Möglichkeit eines späteren Kennenlerntreffens mit dem Kind wichtig, worüber ich mich immer freue.

Wie sehr möchtest du im Leben der Kinder involviert sein? Wie stellst du dir den Kontakt zum Kind vor? Persönlich, eher distanziert, einmalig, regelmäßig oder machst du es von (den Wunscheltern bzw.) der „Chemie” zwischen dir und dem Kind abhängig?

Mir ist zunächst wichtig zu wissen, meinen Part so gut es geht erfüllt zu haben: Das Entstehen und die Geburt eines gesunden Kindes. Alles, was danach kommt, ist allein Entscheidung der Familie.

Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass du Vatergefühle für eines deiner Kinder entwickelst und stark involviert sein möchtest?

Für mich ist klar: selbst wenn es einmal so wäre, könnte und würde ich dem nicht nachgehen können.

Wie nennst du deine Kinder? Spenderkinder? Sohn, Tochter? Oder gibt es da einen passenderen Begriff?

Meine Biokids, aber bitte nicht weitersagen. 😊

Hast du deine potentiellen Spenderkinder im Bewusstsein bzw. interessierst du dich für deine Nachkommen? Interessiert dich, ob es ihnen gut geht, ob sie in einer glücklichen Familie aufwachsen?

Ich wünsche den Kindern und Familien von Herzen das Allerbeste für ihr Leben. Wenn ich etwas darüber erfahre, freut mich das riesig. Dabei muss ich aber auch darauf achten, den für mich nötigen inneren Abstand zu wahren.

Siehst du deine künftigen Spenderkinder als Teil von dir an?

Als Menschen, mit denen ich etwas auf einer sehr grundlegenden Ebene teile, ja.

Hast du Angst vor Unterhaltsforderungen?

Weniger, mein Bauchgefühl hat mich bisher nicht getäuscht und dank gelegentlicher, süßer Bestechungen wird dies hoffentlich auch so bleiben. 😅

Wissen deine Familie und Freunde davon, dass du deinen Samen spendest? Wenn ja, wie hast du es ihnen gesagt und wie haben sie reagiert?

Bisher konnte ich mich noch nicht dazu durchringen, mein Umfeld einzuweihen. Die Sorge, auf Unverständnis und Ablehnung zu stoßen ist riesig.

Falls du eine Freundin hast: Wie steht sie dazu, falls sie davon weiß?

Die Frau an meiner Seite weiß davon, möchte aber in keiner Weise damit in Berührung kommen, was für mich natürlich vollkommen in Ordnung ist.

Was denkst du, hält die künftige Mutter deiner Kinder davon, dass du bereits Spenderkinder hast?

Sie weiß, dass unsere gemeinsamen Kinder die erste Rolle in unserem Leben spielen werden.

Hast du auch einen eigenen Kinderwunsch bzw. planst du (in Zukunft) auch sozialer Vater eines Kindes zu sein?

Auf jeden Fall, Zwei sollen es schon werden – und das sage nicht nur ich. 😉

Kennst du andere Samenspender in deinem Umfeld? Falls ja: Tauscht ihr euch in irgendeiner Form aus?

Über das Netz hatte ich schon mit einigen anderen Spendern Kontakt. Wichtigste Erkenntnis hieraus: Im Grunde ergeht es uns allen recht ähnlich.

Falls du auch Samenspender bist oder einen kennst und deine bisherigen Erfahrungen mitteilen möchtest, schreib mir gerne oder kommentiere diesen Beitrag.

Das nächste Interview mit einem Samenspender steht auch schon in den Startlöchern. Zu Wort kommt dann der Spender von einer Samenbank. Was sich bei diesem vom Privatspender unterscheidet, erfährst du im nächsten Interview.

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