Gastbeitrag,  Interview,  Spenderkinder

“Ich hatte schon als Kind das Gefühl, falsch zu sein” Interview: Spenderkind Claire

“Ich hätte ein Königreich für ein Bild gegeben.”

Nachdenklich wirkt sie. Und ein bisschen traurig, als sie diese Worte sagt.

Claire (Name geändert) ist anders als andere Frauen, auch wenn man es ihr auf den ersten Blick nicht ansieht. Nicht mal auf den zweiten oder dritten.

Wie sollte auch jemand aussehen, der jahrzehntelang mit einer falschen Wahrheit aufgewachsen ist?!

Hört man Claire zu, merkt man sofort, dass sie eine intelligente Frau ist, die ihre Gedanken mit Bedacht äußert. Ihre persönliche Geschichte wird dadurch nicht weniger emotional und authentisch, sondern bringt einen zum Nachdenken. Und zeigt auf, welche (inneren) Konflikte jemanden beschäftigen können, der eines Tages erfährt, dass er “Kind zweiter Wahl” ist.

Claire und ihre falsche Identität

Mir ist wichtig, in meinem Blog auch die Seite derjenigen zu beleuchten, die bei ihrer Entstehungsgeschichte kein Mitspracherecht haben: Spenderkinder.

Gerade weil mein Sohn das Kind eines Samenspenders ist, möchte ich so früh wie möglich verstehen, welche Auswirkungen es auf ihn haben könnte, dass er nicht auf herkömmliche Art gezeugt wurde. Welche Schwierigkeiten kann es mit sich bringen und sollte man sich das Ganze vielleicht doch nochmal überlegen?!

Ich freue mich, dass ich Claire für ein Interview gewinnen konnte, die mir ihre Geschichte erzählt und Einblicke in ihr Leben und ihre Gefühle als Spenderkind gibt.

Wie würdest du dich in drei Sätzen beschreiben?

Mein Name ist Claire, ich bin 39 Jahre alt, verheiratet und berufstätig. Mein Mann und ich haben drei gemeinsame Kinder.

2013 habe ich erfahren, dass ich durch eine Samenspende gezeugt wurde oder anders formuliert: dass ich das Kind eines Samenspenders bin.

Oh, wow! Also da warst du tatsächlich schon 34 Jahre, als du diese Hammernachricht bekommen hast.
Schon immer anders als andere? Claire fühlt sich bereits als Kind irgendwie falsch
Schon immer anders als andere. Claire fühlt sich bereits als Kind irgendwie falsch
(Foto: Kha Ruxury/NegativeSpace)

Das hat mich in meinem Identitätsgefühl ziemlich irritiert. Viele Wochen hatte ich den Eindruck, mein Spiegelbild wäre „falsch” – eine Art von „Orientierungsachse” hatte sich merklich verschoben.

Gleichzeitig war ich froh, die Wahrheit zu kennen, da ich bereits als Kind oft das Gefühl hatte, „falsch zu sein”. Dieses Falschsein hat mich Zeit meines Lebens begleitet und wohl auch viele meiner Entscheidungen und Wege, die ich genommen habe, beeinflusst.

Ich habe mich dann auf die Suche nach meinem biologischen Vater gemacht und ihn am Ende (nach wohl weit über 1.000 Stunden Recherchearbeit) gefunden. Heute bin ich emotional „angekommen” im Sinne von „verortet”. Ich habe die Antworten, die ich so lange gesucht habe, gefunden und gleichzeitig auch meine Mitte. Man könnte sagen, die verschobene Achse wurde rekalibriert. Dafür sind einige neue Fragen entstanden, aber das ist eine andere Geschichte.

Hast du Geschwister, die ebenfalls Spenderkinder sind?
Claire und ihr jüngerer Bruder stammen beide vom selben Samenspender
Claire und ihr jüngerer Bruder stammen beide vom selben Samenspender
(Foto: Andrew Branch/NegativeSpace)

Ich bin mit einem jüngeren Bruder aufgewachsen, der denselben biologischen Vater hat. Meine Eltern dachten, wir wären Halbgeschwister, aber tatsächlich hat uns ein DNA-Test offenbart, dass wir Vollgeschwister sind.

Darüber bin ich ziemlich froh, auch wenn ich nicht sagen kann, warum genau.

Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass der Arzt meine Mutter so lange hingehalten hat, bis der Spender wieder zur Verfügung stand. Ihm war es wohl wichtig, Vollgeschwister zu zeugen. Gleichzeitig hat er meine Eltern darüber in Unkenntnis gelassen.

Geheimnisse auf allen Seiten.
Und irgendwann konnten deine Eltern ihre Heimlichtuerei nicht mehr für sich behalten?

Meine Eltern hatten – wohl auch bedingt durch Sitzungen mit Psychotherapeuten – die Idee, meinem Bruder und mir die Wahrheit zu sagen. Man muss vielleicht erwähnen, dass das Verhältnis zwischen uns Kindern und den Eltern eher distanziert ist. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig und komplex und liegen nicht (allein) in der Tatsache begründet, dass unser sozialer Vater nicht unser biologischer ist oder dass uns die Wahrheit Jahrzehnte vorenthalten wurde.

Ich hatte den Eindruck, dass unsere Mutter die Hoffnung hatte, dass sich durch dieses Geständnis (aus ihrer Sicht ein Geschenk an uns) unser Verhältnis bessern würde oder zumindest enger werden würde. Nachdem dies nicht der Fall war, hat sie sehr schnell bereut, es uns gesagt zu haben. Sie hat auch einmal explizit geäußert, dass sie dies heute nicht mehr tun würde und dass sie es bereut.

Ich glaube, die Geheimniskrämerei hat sich auch sehr negativ auf die Ehe unserer Eltern ausgewirkt.

Klar, man verbirgt ja immer einen Teil von sich vor anderen.
Warum haben dich deine Eltern denn nicht schon früher ins Boot geholt?

Tja… Das kann ich selbst nur teilweise nachvollziehen. Ich möchte nicht in der Lage sein, jahrzehntelang ein Geheimnis hüten zu müssen. Ich glaube, das belastet einen sehr.

Auch meine Eltern müssen ein paar Mal unter Druck geraten sein, als ich nach ihren Blutgruppen fragte, als ich in der Oberstufe Vererbung in Biologie hatte.

Was die Gründe meiner Eltern betrifft, muss ich mit den Worten meiner Eltern antworten:

„Es waren andere Zeiten damals.”

„Die Sache” war verpönt.”

„Es war unsere einzige Möglichkeit, ein „richtiges” Kind zu haben.”

„Was hätten die Leute geredet.”

Meine Mutter sagte auch einmal, „solche Kinder” wie wir wären doch von der Gesellschaft diskriminiert worden, sie hätte uns nur schützen wollen. Und unseren Vater ebenso, von dessen Zeugungsunfähigkeit keiner wissen soll (aus denselben Gründen).

Ich glaube, sie unterstellt der Gesellschaft, dass es für sie eine Art von Zweitklassigkeit ist, ein Spenderkind zu sein. Und im Grunde genommen sind wir ja auch die zweite Wahl. Die erste wäre das eigene gemeinsame Kind und nicht das mit dem fremden unbekannten Dritten gewesen.

“Unsere Mutter hätte es am liebsten nie gesagt”

Ich selbst unterstelle der Gesellschaft nichts. Aber das mag daran liegen, dass wir heute 2018 schreiben. Vieles ist heute leichter und toleranter.

Ich erinnere mich an meine Unterstufenzeit, da gab es ein Mädchen, das ungefähr so alt war wie ich und das ohne Vater aufwuchs. Im Dorf ging das Gerücht um, dass ihre Mutter sie von der Samenbank „gekauft” hätte. Da wurde schon getuschelt.

Unser Vater hätte es uns gerne früher gesagt. Ihm schien durchaus klar zu sein, dass wir Kinder davon profitiert hätten bzw. dass es uns helfen würde (was es ja auch getan hat). Unsere Mutter dagegen hätte es am liebsten nie gesagt.

Kannst du dich erinnern, wie die erste Zeit nach dem Geständnis für dich war?
Claires Vater hätte ihr und ihrem Bruder am liebsten schon früher gesagt, dass beide Spenderkinder sind
(Foto: Matt Cannon/Unsplash)

Ja natürlich. Zu Beginn war mir die Tragweite für mich selbst gar nicht bewusst. Ich habe ziemlich lange darüber gescherzt und Witze gemacht.

Ich dachte, die Bürde läge hauptsächlich bei meinem Vater und dass ich dafür verantwortlich wäre, ihm sie so gut es mir möglich ist, abzunehmen.

Unbewusst habe ich etwas gemacht, was ich bereits meine ganze Kindheit und Jugend gemacht hatte: Ich habe seinen Platz in der Familie freigeräumt und bewacht und mich verantwortlich für sein Lebensglück gefühlt.

Auch dachte ich, dass es einem Verrat gleichkäme, würde ich nach meinem biologischen Vater suchen.

Damit habe ich wohl etwas gemacht, was viele Spenderkinder machen: Sie überschätzen die Bedeutung ihrer Haltung und machen sich verantwortlich für das Lebensglück ihrer Eltern. Häufig entsteht eine Parentifizierung [eine Umkehrung der sozialen Rollen zwischen Eltern und ihren Kindern].

Hat dein Bruder die selben Verarbeitungs-Mechanismen entwickelt wie du?

Interessanterweise ging mein Bruder ganz anders damit um. Ich hatte einen wahnsinnig großen Redebedarf, er dagegen nur zu Beginn.

Erschwerend kam hinzu, dass unsere Eltern sich wünsch(t)en, dass wir mit diesem Thema diskret umgehen.

Mein Bruder hat darauf wenig Rücksicht genommen und es einigen Leuten erzählt. Noch nicht mal einem besonders ausgewählten Personenkreis; einfach Leuten , die gerade da waren, als es ihm danach war zu reden.

Allerdings glaube ich, dass all diese Leute keinen Bezug haben zu unserem Dorf oder unseren Eltern und die Information dort auch direkt verebbt sind.

Wir haben unterschiedliche Wege gefunden, damit umzugehen, aber das Ur-Thema (die Frage wer wir sind und woher wir kommen) wurde dadurch nicht gelöst.

Gar nicht cool: Rechtfertigung und Unsicherheit

Ich habe den Eindruck, dass meinen Eltern der Umgang mit dem Thema schwerer fällt als mir. Man spürt deutlich, dass es um eine heikle Angelegenheit geht.

Eigentlich sollte man denken, dass man nach solch einer Mitteilung noch einige Male darüber reden wird. Aber wir haben das nicht getan. Ich habe immer mal wieder nach Details gefragt, aber man spürt, dass sie bei dem Thema nicht cool sind.

Meine Mutter fällt permanent in Rechtfertigungsmuster, mein Vater wird unsicher.

Kannst du dich auf deine Eltern heute wieder voll verlassen, Stichwort: Ur-Vertrauen?

Eine gute Frage. Tatsächlich würde ich sagen, dass dieses „Ur-Vertrauen” bei mir gar nie ausgeprägt vorhanden war. Bereits als Kind hatte ich Zweifel, glaubte adoptiert oder vertauscht zu sein.

Für mich ist „Ur-Vertrauen” ein Ort oder ein Zustand, an dem ich nie war. Ich habe mich nie verortet gefühlt oder gedacht „hier gehöre ich hin”.

Unabhängig von der Tatsache, dass ich ein Spenderkind bin. Insofern würde ich sagen, dass nichts zerstört wurde.

Hat der Vertrauensmissbrauch deiner Eltern Einfluss auf bestimmte Lebensbereiche und Beziehungen?
Spenderkind Claire konnte nur schwer Wurzeln schlagen
Claire konnte nur schwer Wurzeln schlagen, hat sich nie richtig verortet gefühlt
(Foto: Daria Shevtsova/Negative Space)

Der Vertrauensmissbrauch existiert ja nicht erst seit 2013, sondern latent im Grunde seit es mich gibt.

Ich hatte immer schon ein Gefühl der Dissonanz. Ein Gefühl des Falschseins. Dieses Gefühl hat sich sicher auf andere Bereiche ausgewirkt.

Egal, wo ich war, dachte ich, dass ich dort nicht hingehöre. Ich konnte schlecht Wurzeln schlagen und habe mir weniger zugetraut, als ich imstande gewesen wäre.

Ich würde sagen, ich habe mein Potential nicht voll ausgeschöpft. Wenn man sich nicht richtig verortet fühlt, dann ist es immer ein bisschen als säße man an der Bushaltestelle oder am Bahnhof und wartet und man fragt sich, ob sich dieses oder jenes Unterfangen überhaupt lohnt.

“Die Zeit war mein Gegenspieler”

Aber ich möchte nicht missverstanden werden: Dafür gebe ich weder meinen Eltern die Schuld noch eine Art von Verantwortung. Ich möchte auch keine Kausalkette daraus stricken, da man ja auch nie weiß, was gewesen wäre, wenn…

Ich denke, viele Zusammenhänge in soziokultureller, genetischer oder pädagogischer Hinsicht sind sehr komplex, der Mensch ist kein Produkt monokausaler Prozesse.

Vielleicht hätte ich mich unter anderen Umständen genauso oder ähnlich entwickelt. Man kann das leider nicht genau sagen. Am Ende sind wir vielleicht die Summe unendlich vieler Einflüsse.

Glaubst du, es wäre anders gelaufen, wenn deine Eltern dir bereits als Kleinkind von deiner Entstehung erzählt hätten?
Alle Patientenunterlagen aus der Praxis, in der Claire gezeugt wurde, wurden vernichtet. Es dauert dadurch viel länger, ihren biologischen Vater ausfindig zu machen
(Foto: Dương Trần Quốc/Unsplash)

Das ist eine gute Frage. Ich denke, ich hätte es besser gefunden, ganz klar. Ob es einen Unterschied gemacht hätte?

Nun, ich hätte sicher mehr Zeit gehabt für meine Suche. Die Zeit war ja mein Gegenspieler. Mein biologischer Vater ist heute Mitte 70. Wie lange hätte meine Suche noch dauern dürfen?

Außerdem wurden zwischenzeitlich alle Patientenunterlagen in der Praxis, in der ich gezeugt wurde, vernichtet und der Arzt, der mich gezeugt hat, lebt nicht mehr. Meine Möglichkeiten waren nach der langen Zeit sehr eingeschränkt.

Also rein technisch: ja. Hätte ich eher davon gewusst, hätte ich „einfach” den Arzt verklagt.

Unter dem psychologischen Gesichtspunkt, würde ich auch mit JA antworten, allerdings hätten sich andere Herausforderungen eingestellt.

Als Kind würde man auch etwas über den biologischen Vater erfahren wollen.

Wäre dieser dann präsenter gewesen und hätte die „Ehe zu dritt”, die man gewissermaßen gegründet hat, offensiver ins Bewusstsein gerufen?

Wie wäre das für den sozialen Vater gewesen?

Und dann bleibt da noch der Hauptaspekt: Wie geht man als Kind oder Jugendlicher damit um, dass der biologische Vater nicht an einem interessiert ist? Das ist meines Erachtens eine ganz zentrale Frage für viele Spenderkinder.

Dieses unbestimmte Gefühl, “da stimmt etwas nicht” und “irgendetwas ist seltsam oder falsch”, kennt ja vermutlich jeder noch aus seiner Teenagerzeit. Diese Findungsphase hattest du schon deutlich früher in deinem Leben?

Oh ja, natürlich. Bereits als Kind. Aber mit jedem zusätzlichen Entwicklungsschritt immer mehr. Irritierend.

Spenderkind Claire und ihre beiden Töchter (Symbolbild)
Claires Töchter sehen ihrer leiblichen Oma ziemlich ähnlich
(Foto: Steven Robert Green/Reshot)

Als Mutter weiß ich, wie es ist, wenn sich das eigene Kind mit zunehmendem Alter plötzlich entwickelt, heranreift und dann optisch oder charakterlich immer mehr einem Familienmitglied gleichen. Ich kann mir noch nicht mal im Ansatz vorstellen, wie das für unsere Eltern gewesen sein muss.

Ich selbst habe deutlich Ähnlichkeit mit meiner Großmutter mütterlicherseits. Mein Bruder dagegen gar nicht. Der ist optisch eher aus der Rolle gefallen.

Solch irritierende Gefühle führt man dann halt auf die allgemein als schwierig geltenden Teenagerjahre zurück. Oder irgendwelche Umstände. Außerdem gibt es auch jede Menge leibliche Kinder, die sich in ihren Familien falsch fühlen, obwohl sie genetisch verwandt sind.

Es ist schwierig, solche Gefühle eindeutig darauf zurückzuführen. Aber ich weiß, dass es vielen meiner Freundinnen nicht so ging. Sie hatten diese Gedanken und Gefühle nicht, obwohl sie durchaus auch „Teenager-Trouble” mit den Eltern hatten.

Würdest du sagen, dir fehlt etwas, um ein vollständiges Identitätsgefühl zu haben?

Bis zu dem Tag, an dem ich meinen biologischen Vater gefunden habe, hätte ich diese Frage mit einem eindeutigen JA beanwortet. Heute nicht mehr.

Ich bin jetzt bei mir angekommen würde ich sagen; fühle mich vollständig.

Das ist schön zu hören.
Du hast deinen leiblichen Vater persönlich kennengelernt. Neben viel Recherche gehörte dazu sicherlich auch eine ordentliche Portion Glück.

Oh ja. Ich hatte wirklich sehr, sehr viel Glück.

Erstens habe ich meinen biologischen Vater gefunden, was nicht sehr wahrscheinlich war.

Zweitens ist er noch am Leben.

Und drittens hat er mir geantwortet; war sogar bereit, sich mit mir zu treffen und von sich und seiner Familie zu erzählen.

Spenderkind Claire hat ihren leiblichen Vater inzwischen getroffen
Claire ist froh, dass sie ihren leiblichen Vater gefunden hat. Auch wenn er lieber nicht möchte, dass seine “echte” Familie davon erfährt, dass es Claire und ihren Bruder gibt (Foto: Jeff Sheldon/Unsplash)

Ich durfte ihn so gut kennenlernen, dass ich mir einigermaßen ein Bild (sicher ein sehr unvollständiges) von ihm machen konnte.

Er hat auch (eheliche) Kinder. D.h. ich habe auch Halbgeschwister. Aber ich habe das Gefühl, dass es nicht sein Wunsch ist, dass seine „richtige” Familie von mir erfährt.

Wie meine Eltern vertritt auch er die Meinung, dass Gene keine Bedeutung haben.

Wahrscheinlich muss man diese Einstellung haben, sonst wäre man nicht in der Lage, Samen zu spenden bzw. sich mit Spendersamen befruchten zu lassen.

Meine Töchter sehen übrigens seiner Mutter, also meiner Großmutter väterlicherseits, sehr ähnlich. Dabei dachte ich immer, meine Töchter hätten optisch wenig von mir. Das ist wirklich witzig und auch ein bisschen spannend.

Kann ich mir vorstellen.
Du bist im ehrenamtlich arbeitenden Verein Spenderkinder aktiv. Hilft dir der Austausch mit anderen Spenderkindern?

Ja, durchaus. Manchmal ist es so, dass ein anderer Worte für ein Gefühl findet, das man auch selbst empfindet.

Logo Spenderkinder Ehrenamtlicher Verein
Im ehrenamtlich arbeitenden Verein “Spenderkinder” gibt es um die 100 Mitglieder, die alle durch eine Samenspende gezeugt wurden. Geschätzt gibt es in Deutschland über 100.000 dieser “Kinder”, von denen die meisten nichts über ihre Entstehung wissen. Mehr kannst du auf der Website von Spendenkinder nachlesen

Man leidet oder freut sich auch mit den anderen mit. Es ist immer schön, wenn sich Halbgeschwister finden und treffen. Ich weiß nicht, warum vielen von uns Menschen das so wichtig ist, dass man seine genetische Verwandtschaft findet…

Vielleicht sucht man sich selbst im jeweils anderen?

Außerdem gibt es in der Gesellschaft nicht gerade eine Lobby für uns Spenderkinder. Wir müssen selbst für unsere Rechte einstehen. Ein bisschen erinnert mich unser Engagement immer an die Bewegung der Adoptees in den USA, die zu Beginn sehr hart dafür gekämpft haben, zu erfahren, wer ihre biologischen Eltern sind.

Kannst du da näher drauf eingehen?

Sowohl die Behörden als auch die Gesellschaft dachte damals, dass die Wahrheit nur Schaden anrichten würde und es wurde alles daran gesetzt, Kindern den Zugang zu Information zu versperren oder ihnen falsche Informationen zu geben.

Man unterstellte den Adoptees damals auch Undankbarkeit gegenüber ihren Adoptivfamilien.

Ähnlich geht es uns: Viele Leute denken, wir wären undankbar und unzufrieden. Sie sagen, wir sollen doch froh sein, dass es uns überhaupt gibt und dass wir Wunschkinder wären, was wolle man denn mehr.

“Ich kann mir nichts davon kaufen, dass ich ein Wunschkind bin”

Die anderen Spenderkinder verstehen die Kehrseite der Medaille daher eher als Menschen, die nie in dieser Situation waren.

Dass nicht die Intensität des Wunsches nach einem Kind dafür ausschlaggebend ist, dass das Kind gut gedeihen kann, ist vielen nicht klar. Der Wunsch allein ist für das Objekt der Begierde eben selten von Bedeutung.

Ich kann mir nichts davon kaufen, dass ich ein Wunschkind bin. Lieber wäre mir gewesen, man hätte mir die Wahrheit nicht vorenthalten und mich nicht als Wunschprodukt oder Projektionsfläche betrachtet.

Wir im Spenderkinderverein sind dort alle ehrenamtlich engagiert und ich glaube, die Arbeit ist sehr wichtig.

Es gibt sehr viele kommerzielle Organisationen, die von dem Geschäft mit Wunscheltern leben und natürlich häufig sehr einseitig eine ihnen nützliche Meinung präsentieren, die zwar scheinbar dialektisch aufgebaut ist, aber im Fazit immer positiv. Meistens ist alles technisch machbar, den Eltern wird ein einfacher Weg suggeriert. Am Ende geht es eben ums Geschäft.

Kritik an kommerzialisierter Form der Samenspende
Im Zuge des neuen Samenspenderregistergesetzes (siehe unten) hat die Erlanger Samenbank eine Werbekampagne gestartet, die einige Mitglieder des Vereins “Spenderkinder” wütend macht. Hierzu kannst du ein Interview von Leonard F. nachlesen – ebenfalls Mitglied des Vereins -, der das Thema kommerzialisierte Samenspende kritisch beleuchtet.

Dann werden vermeintlich „unabhängige” psychosoziale Fachkräfte als Sprachrohr dieser Organisationen präsentiert, die ein Bild von Spenderkindern gestalten, das zeigt, dass Spenderkinder ebenso gut gedeihen wie alle anderen und es weder technisch, noch medizinisch oder sozial größere Verwerfungen gäbe, wenn man nur einigen Dingen Beachtung schenken würde.

Somit scheint das Unterfangen eine gut planbare Sache zu sein. Anekdotisch gibts dann noch ein Interview mit einem sehr glücklichen Spenderkind, das sich nie gefragt hat, von wem es abstammt, weil es in einer sehr glücklichen Familie großgezogen wurde. D.h. es wird suggeriert, dass ein glückliches Umfeld dazu führt, dass die Frage nach dem Vater für das Spenderkind keine Bedeutung mehr hat.

Das ist aber ein Trugschluss. Ein gutes Elternhaus und eine gute Bindung zu den sozialen Eltern oder der leiblichen Mutter ist keine Kompensation für den fehlenden oder unbekannten Vater.

“Vater-Mutter-Kind-Ehe-Steuerklasse-3-5-katholisch strebt nicht jeder an”

Leider sind die vielen Geschichten unserer Mitglieder oft nicht ganz so rosarot wie die anekdotischen Hochglanz-Geschichten von den Kinderwunsch-Webseiten und Info-Magazinen.

Ich glaube, der Spenderkinderverein ist zu einem wichtigen Sprachrohr geworden. Und wir sind glaubwürdig, weil wir weder Geld damit verdienen noch in vielen Fällen selbst davon profitieren. Wahrscheinlich werden es die nach uns geborenen Kinder sein, die von unserer Arbeit profitieren.

Oder Eltern, die nach der Beratung in der Kinderwunschklinik noch eine zweite Sicht wünschen.

Einige Spenderkinder-Mitglieder möchten der Reproduktion mithilfe von Samen- und Eizellspenden am liebsten einen Riegel vorschieben. Wie ist deine Haltung dazu?

Einerseits verstehe ich, dass viele Lebensentwürfe heute von der heteronormativen, klassischen Familie abweichen und finde das auch gut so. Nicht jeder will oder kann eine Familie anstreben mit Vater-Mutter-Kind-Ehe-Steuerklasse-3-5-katholisch.

Ob wir eines Tages bei Elefanten aufwachsen? (Foto: sasint/Pixabay)

Außerdem glaube ich, dass es evolutionsbiologisch betrachtet nicht nur genetisch sondern auch kulturell immer schon ein trial and error – ein stetiges Probieren – für Zusammenleben, Fortpflanzung und Aufzucht von Kindern gegeben hat.

Im Moment sind die meisten Eltern eben heterosexuell, verheiratet und bekommen 1,x Kinder im Schnitt. Aber vielleicht ändert sich das eines Tages und Kinder werden wie bei Löwen oder Elefanten in der Gruppe großgezogen?

Was ist schon richtig oder normal? Immer das, was wir als solches definieren.

Das stimmt. Familienformen sind im Wandel, auch wenn das nicht jeder mit Freudensprüngen kommentiert.

Ich kenne auch genug Singles (überwiegend Frauen), die sich ein Kind wünschen, aber keinen passenden Mann dazu finden und die finanziell so autark sind, dass sie für sich und ihr Kind sorgen können. Natürlich tickt irgendwann auch die biologische Uhr.

Und will man sich deshalb auf irgendeinen Kerl einlassen?

Noch dazu höre ich häufig, dass viele Männer heute keine Kinder möchten oder erst sehr spät. Ich kann schon nachvollziehen, dass der Wunsch nach einem Kind groß sein kann und man nicht bereit ist, das Risiko einzugehen, nie Eltern zu werden.

Aber ich muss zugeben, dass ich schon auch darüber nachdenke, ob es richtig ist, dass der Staat so viele Jahre ein System des institutionalisierten Samenhandels legitimiert hat, das dem Kind bewusst seine Rechte (hier: Recht auf Kenntnis der Abstammung) vorenthalten hat und hier eine Möglichkeit der beziehungslosen Vaterschaft gefördert hat und es weiterhin fördert.

Wenn Männer sonst Kinder zeugen, z.B. unwissentlich durch einen One-Night-Stand und dann kein Interesse daran haben, ist das doch schon traurig genug.

“Viele Ehen scheitern, trotz bester Vorsätze”

Unsere Eltern und der Arzt haben vertraglich vereinbart, dass der Spender anonym bleibt. D.h. sie haben die Rechte Dritter, also meine, ausgeschlossen. Das deckt sich nicht mit meinem Rechtsempfinden und tatsächlich war es auch damals rechtlich überhaupt nicht zulässig.

Seit diesem Jahr ist das anders geregelt. Die Kinder haben ein Recht zu erfahren, wer ihr Vater ist. Allerdings sind sie weder erb- noch unterhaltsberechtigt.

Im Falle des exemplarischen One-Night-Standes im Urlaub ist das anders. Könnte der Vater ausfindig gemacht werden, hätte das Kind Ansprüche.

Das ist das neue Samenspenderregistergesetz
Seit dem 1. Juli 2018 gibt es in Deutschland das zentrale Samenspenderregister. Dort wird jedes Paar bzw. jede Frau registriert, die sich einer Kinderwunschbehandlung mit Samen eines Spenders unterzieht. Außerdem werden die Samenspender dort gemeldet. Das führt dazu, dass jedes Spenderkind mit spätestens 16 Jahren Auskunft über seinen biologischen Vater erhalten kann. Dieser wiederum hat keinerlei finanzielle Konsequenzen mehr zu befürchten, da das Kind weder Unterhalt einfordern kann, noch Anspruch auf eine Erbschaft hat. 

Und es geht mir hier nicht mal nur primär um monetäre Aspekte. Ich denke auch an das ganz pragmatische Versorgungsrisiko, wenn ein Kind nur einen rechtlichen Elternteil hat. Was ist, wenn dieser schwer krank wird, so dass er sich nicht mehr um das Kind kümmern kann oder wenn er sogar stirbt?

Ich weiß, dass heutzutage viele Ehen scheitern und es Kinder gibt, die trotz bester Vorsätze, am Ende in Patchwork-Familien aufwachsen oder bei alleinerziehenden Eltern. Aber häufig haben sie in diesen Konstellationen dennoch eine Art von Beziehung zum anderen Elternteil bzw. ist immer die Möglichkeit da, den Kontakt wieder aufzunehmen.

Mann und Frau heiraten und küssen sich | www.solomamapluseins.de
So glücklich eine Ehe auch beginnt, eine Garantie, dass sie für immer hält, gibt es nicht (Foto: Joe Tobiason/Reshot)

Viele Väter haben nach einer Trennung weiterhin Interesse an ihren Kindern, pflegen eine persönliche Beziehung zu ihnen.

Ein wesentlicher Unterschied ist außerdem der, dass es sich dabei um eine traurige Entwicklung handelt, die aber wohl von den wenigsten Paaren, die Kinder zeugen, so geplant war.

In unserem Fall wird das Interesse des biologischen Vaters von vornherein aktiv ausgeschlossen und ist so gewollt.

Das und meine eigenen Erfahrungen sind der Grund, weshalb ich sowohl Eizell- als auch Samenspenden kategorisch ablehne. Wohlgemerkt: die kommerzielle Form davon. Man kann natürlich niemanden daran hindern, sich nach einer anderen Person umzusehen, die sich nur für die Zeugung eines Kindes zur Verfügung stellt. Aber das zahlenmäßige Verhältnis dieser Spenden ist wahrscheinlich sehr gering.

Ich möchte betonen, dass wir im Spenderkinderverein zu diesem Thema sehr unterschiedliche Meinungen haben.

Gibt es etwas, das dich besonders wütend macht oder enttäuscht, wenn von Spenderkindern die Rede ist?

Wie bereits erwähnt, finde ich es schon einigermaßen unsensibel, wenn man uns sagt, wir sollten doch einfach froh sein, dass es uns gibt und uns häufig unterstellt wird, dass es dem sozialen Vater gegenüber undankbar sei, wenn man sich auf die Suche nach dem biologischen Elternteil mache.

Viele sagen, Eltern sei, wer nachts am Bett sitze, wenn das Kind krank ist oder nicht durchschläft. Das klingt erstmal gut, ist aber eine Plattitüde.

Erstens obliegt allen Eltern die Pflicht, sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern und zweitens erwächst daraus kein lebenslanger Anspruch auf Dankbarkeit oder Loyalität.

Und der starke Kinderwunsch der Eltern kompensiert in keinster Weise den Verzicht des Kindes darauf, den eigenen Vater zu kennen oder die Probleme, die man daraus resultierend vielleicht mit der eigenen Identität hat.

Du bist selber Dreifachmama. Und alles mit dem selben Mann, Glückwunsch erstmal dazu! Ist ja heutzutage fast schon ein Auslaufmodell diese traditionelle Familienkonstellation.

Vielen Dank! Glück-wunsch passt an dieser Stelle ganz gut, da ich glaube, dass auch eine große Portion Glück dazu gehört.

Nun ist es ja so, dass ich in meinem Blog Singlefrauen mit Kinderwunsch Mut machen möchte, alleine Mama zu werden. Und zwar in erster Linie mit der Hilfe eines Samenspenders. Da rollen sich dir vermutlich die Zehennägel hoch, wenn du soetwas liest, oder?

Na ja, ich weiß nicht, ob sich mir gleich die Zehennägel hochrollen. Du hast mir ja erzählt, dass Dein Sohn eines Tages zumindest die Möglichkeit haben wird, den Namen und biografische Rahmendaten seines Vaters zu erfahren. Ich glaube, er kann ihn sogar kontaktieren.

All das hatte ich nicht. Ich hätte bereits ein Königreich für ein Bild gegeben.

Was, wenn sich mein Spendervater nie für mich interessiert? | www.solomamapluseins.de
“Auf einer tiefen Ebene kränkt es jedes Kind, wenn der eigene Vater keine intensive Beziehung zu seinem biologischen Kind anstrebt oder aufrichtiges Interesse an ihm hat.” (Foto: Anthony Tran/Unsplash)

Ihm dagegen bleibt die Freiheit, Subjekt zu sein und sich selbst entscheiden zu können, ob er mehr erfahren will. Du hast dafür gesorgt, dass ihm ein bestimmtes Maß an Freiheit und Selbstbestimmung zuteil wird. Das finde ich richtig gut.

Dennoch nehme ich an, dass sein Vater keine intensive Beziehung mit ihm anstrebt oder aufrichtiges Interesse an seiner Person hat.

Ich glaube, auf einer tiefen Ebene kränkt das jedes Kind.

Und auch auch wenn ein Kind eine wirklich tolle Beziehung zu seiner Mutter hat, so bleibt am Ende doch diese Kränkung, dass der andere Elternteil, von dem man 50 % hat, nicht wirklich an einem interessiert ist oder es sogar ablehnt/ignoriert.

Natürlich identifiziere ich mich hier mehr mit der Sicht des Kindes als der Eltern. Daher rollen sich meine Nägel vielleicht so halb hoch.

Ich glaube, jeder Mensch möchte seinen Ursprung kennen. Ganz unabhängig davon, ob es jemals eine Beziehung zu dem unbekannten Elternteil aufbaut oder überhaupt wünscht oder nicht.

Hättest du denn einen Rat für diejenigen, die sich ihren Kinderwunsch mit einer Samenspende erfüllen möchten, weil beispielsweise ein Co-Parenting-Modell nicht in Frage kommt?

Ja.

Überlege es Dir gut. Ist das wirklich Dein Weg?

Lerne den Vater Deines Kindes persönlich kennen.

Rieche ihn.

Rede mit ihm.

Lerne ihn so gut es geht kennen.

Kannst Du ihn ertragen?

Ist er Dir wirklich sympathisch?

Bedenke, dass Dein Kind viel von ihm bekommen könnte; später vielleicht einmal in Teilen so sein oder aussehen könnte wie er.

Auch könnte es Wesenszüge von ihm haben. Nicht nur Du wirst Dich in Deinem Kind reflektieren. Es sind da auch immer die Facetten des ANDEREN, mit dem Du ein Kind bekommen wirst.

Das klingt, als ob deine Mutter und dein Spendervater im echten Leben nicht zueinandergefunden hätten.

Meine biologischen Eltern sind grundverschieden. Ich glaube, hätten sie sich jemals im echten Leben getroffen (ich nehme an, sie sind sich niemals über den Weg gelaufen), sie hätten sich nicht nur keines Blickes gewürdigt, sie hätten sich wahrscheinlich sogar unsympathisch gefunden. Ihre Wertvorstellungen und Lebensentwürfe sind diametral gegenüberliegend.

Für mich war das schon ein komischer Moment, als ich realisiert habe, dass ich das Produkt aus diesen zwei Menschen bin. Und das ich auch Anteile des jeweils anderen in mir trage.

Am liebsten würde ich noch sagen, geht raus und sucht Euch einen Mann, der das Kind mit Euch gemeinsam aufzieht und sich mit der Idee identifiziert und seinem Kind etwas von sich weitergeben möchte. Aber ich weiß, das Leben ist kein Wunschkonzert und die Realität ist weit schwieriger.

Und ein Tipp aus eigener Erfahrung: Verlasse Dich nie auf die Aussagen anderer, denn Menschen lügen. So viele von uns Spenderkindern und unsere Eltern wurden in Bezug auf den Spender angelogen. In Bezug auf die Häufigkeit der Spendenverwendung, der Herkunft, des Alters, des Berufes,….

Nicht nur ein Spenderkind ist z.B. das Produkt des Arztes, der die Mutter behandelte. Übrigens ein Betrug, der rechtlich keine Konsequenzen nach sich zieht. Meinen Eltern z.B. wurde gesagt, der Spender sei ein Medizinstudent Anfang 20. Tatsächlich war er Geisteswissenschaftler Mitte 30.

In manchen Fällen wurden stundenlange Vorgespräche geführt, um den Eltern den Eindruck zu vermitteln, dass man ihnen den Spender mit den perfekt passenden Merkmalen aussucht und dann erkennt man Jahrzehnte später, dass all das eine Farce war, nichts mehr als eine Showeinlage, weil der Arzt selbst gespendet hat.

Was für eine schreckliche Vorstellung.
Denkst du, dass es einen Unterschied macht, ob ein Kind durch eine offene oder eine anonyme Samen- oder Eizellspende entstanden ist?

Ich kenne die Geschichte eines lesbischen Paares, das ein Kind mithilfe des Ex-Freundes der Frau bekommen hat, die das Kind dann ausgetragen hat. Sie haben geplant, dem Kind nie die Wahrheit zu sagen. Ich finde das dem Kind gegenüber nicht gut, aber vielleicht ändern sie ja eines Tages ihre Entscheidung.

Lesbisches Paar mit Blumen | www.solomamapluseins.de
Ein Kind sollte die Wahrheit erfahren, wer sein Vater ist, findet Claire, die ein lesbisches Paar kennt, das ihrem Kind diese Information (zum aktuellen Zeitpunkt) verschweigen möchte. (Foto: Sam Manns/Unsplash)

Aber – und deshalb erwähne ich das Beispiel – beide Mütter kennen den Vater ihres Kindes ausreichend gut und ich glaube, dass es gut ist, wenn man weiß, wer das ist. In dieser Konstellation ist außerdem anzunehmen, dass das Kind früher oder später von alleine fragt, wer denn sein Vater sei.

Ich glaube, bei anonymen Spenden fragt man sich immer wieder, woher das eigene Kind dieses oder jenes hat.

Aber das sind nur Vermutungen. Vielleicht ist es auch anders.

Meiner eigenen Geschichte geschuldet interessiere ich mich zuallererst für das Kindeswohl und alleine deshalb bin ich für ein Verbot von anonymen Spenden, egal ob Eizellen oder Samen, weil es das Recht aller und das Bedürfnis der meisten Spenderkinder – nämlich zu wissen, wer ihre biologischen Elternteile sind – ignoriert.

Wenn du einen Wunsch frei hättest – ja, leider nur einen, ist ‘ne geizige Fee -, und du könntest eine Sache in deinem Leben ändern, egal ob in deiner Vergangenheit, Gegenwart oder sogar in deiner Zukunft, was wäre das?

Für mich selbst habe ich mir jahrelang eine Zeitmaschine gewünscht, damit ich mich zum Tag meiner Zeugung in die Vergangenheit zurückbeamen hätte können, um herauszufinden, wer dort in der Praxis erscheint und mein Vater ist.

Da ich ihn aber trotzdem gefunden habe, brauche ich diesen Wunsch nicht mehr.

Daher würde ich mir von ihr für alle anderen Spenderkinder und Kuckuckskinder oder all jene, die auf Antworten verzichten müssen, wünschen, dass ihnen in der Zukunft dasselbe Glück zuteil wird wie mir und sie Auskunft über ihre Herkunft erhalten und auch die Chance bekommen, den unbekannten Elternteil persönlich kennenzulernen.

Damit wäre die Fee schon beschäftigt.

Danke für die Zeit, die du dir für mich genommen hast, Claire.

Ich danke Dir, liebe Hanna, dass Du Dich so aufrichtig für die Meinung von uns Spenderkindern interessierst und wünsche Dir und Deinem Sohn alles Gute für Eure Zukunft!

Hast du noch Fragen an Claire oder möchtest etwas loswerden?

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