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Kinderwunschkliniken,  Samenbanken,  Schwanger werden

Kinderwunschbehandlungen für alle. Wunschtraum oder reale Zukunft?

“Ma­king Fer­ti­lity Ac­ces­sible”. Fruchtbarkeitsbehandlungen sowie deren Finanzierung sollte ausnahmslos für alle zugänglich werden.

Das finde ich erstmal gut! Wenn es auch längst überfällig ist.

Deswegen kam der Fertility Think Tank von Fertilly am 29. November gerade recht. Neben 150 weiteren Teilnehmer*innen durfte auch ich dort zu Gast sein.

Am Round­table klärten die folgenden Speaker auf:

  • Dr. An­dreas Tandler-Schneider (Vor­stand des Deut­schen IVF-Re­gis­ters, Ge­schäfts­führer des Fer­ti­lity Cen­ters Berlin)
  • Dr. Ste­fanie Lüns­mann-Schmidt (Bun­des­vor­ständin Lesben- und Schwu­len­ver­band Deutsch­land)
  • Dr. Petra Thorn (Vor­sit­zende Be­ra­tungs­netz­werk Kin­der­wunsch Deutsch­land e.V., Mit­glied der Ethik­kom­mis­sion sowie der Aka­demie der Wis­sen­schaften in Kin­der­wun­sch­fragen)
  • Katrin Hel­ling-Plahr (Bun­des­tags­ab­ge­ord­nete FDP; um­fas­sendes En­ga­ge­ment u.a. für die Mo­der­ni­sie­rung der Re­pro­duk­ti­ons­me­dizin)
  • Dr. Sarah Plack (Ärztin und In­flu­en­cerin, Grün­derin Ba­by­bauch­blog, In­itia­torin der Pe­ti­tion #Ki­W­u­FürAlle)
  • Anna Ada­myan (In­flu­en­cerin und Au­torin der Bü­cher: “In der Regel bin ich stark” und “Na, wann ist es denn so­weit?”, In­itia­torin der Pe­ti­tion #Ki­W­u­FürAlle)
  • Matthias Wernicke (Geschäftsführer der Merck Serono GmbH)

Es folgen einige Ausschnitte der Diskussion, die ich insbesondere für alleinstehende Frauen mit Kinderwunsch interessant fand und deswegen die „uns“ betreffenden Aspekte herausgegriffen habe – die meisten davon betreffen aber auch un-klassische Paare wie Unverheiratete oder lesbische Paare.

Katrin Helling-Plahr: „Wenn es einen gesetzlichen Rahmen dazu gäbe, könnte unsere Reproduktionsmedizin moderner sein.“

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Für Katrin Helling-Plahr, rechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, die außerdem im Gesundheitsausschuss zuständig ist für medizinisch ethische Fragen und für die Reproduktionsmedizin, sind sowohl die bessere finanzielle Förderung als auch modernere gesetzliche Rahmenbedingungen ein großes Anliegen.

Sie sagt ganz klar, dass es in Deutschland die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht gibt, die uns hierzulande eine vollumfänglich moderne Reproduktionsmedizin ermöglichen. Zwar seien Kinderwunschbehandlungen möglich, aber beispielsweise Eizellspende, die fast komplett im europäischen Ausland legal ist, sei in Deutschland nicht erlaubt.

Außerdem lassen es die Rahmenbedingungen in Deutschland aktuell nicht zu, dass die Nutzung eines Single-Embryo-Transfers gefördert wird. Hier macht es beispielsweise die Dreierregel des Embryonenschutzgesetzes (siehe Infobox) problematisch.

DAS IST DIE DREIERREGEL
Die sogenannte „Dreierregel“ besagt, dass in einem Behandlungszyklus mithilfe der IVF (In-Vitro-Fertilisation) oder ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion) nicht mehr als drei Eizellen befruchtet werden würfen, während gleichzeitig keine dieser Eizellen verworfen werden darf. Jeder, der versucht, mehr „Embryonen herzustellen, als der Frau innerhalb eines Zyklus übertragen werden sollen“, macht sich strafbar. (Quelle: FAZ)
Ein großes Problem dieser Dreierregel ist die verhältnismäßig hohe Anzahl an Schwangerschaften, „bei denen drei oder mehr Kinder im Bauch der Mutter heranwachsen. Auch die Zwillingsrate nach IVF oder ICSI ist in Deutschland deutlich höher als in Ländern mit vergleichbarem medizinischem Standard. Mehrlingsschwangerschaften gehen mit gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kinder einher, insbesondere mit der Gefahr einer zu frühen Geburt.“ (Quelle: Tagesspiegel)

Weiterhin gibt’s eine schwierige Situation bei Fragen der Embyronenspende, weil wir in Deutschland eine Grauzone haben, wenn sich diese noch im Vorkernstadium befinden.

Ein weiteres Thema von Katrin Helling-Plahr, das beim Fertility Think Tank auch aufgrund des zeitlichen Umfangs nicht näher thematisiert werden konnte, das ich aber für erwähnenswert halte, ist die altruistische Leihmutterschaft. Auch diese ermöglich das deutsche Embryonenschutzgesetz nicht.

„Wir hätten vielleicht eine vollumfänglich modernere Reproduktionsmedizin, wenn es den gesetzlichen Rahmen dazu gäbe.“

Katrin Helling-Pahrs

Kosten einer Kinderwunschbehandlung

Kommen wir mal zu der Kostenfrage von Kinderwunschbehandlungen, ein Punkt, der alleinstehende Frauen und lesbische Paare gleichermaßen betrifft und beschäftigt.

Aktuell sieht’s in Deutschland so aus: Neben der 50%igen Förderung von Kinderwunschbehandlungen durch die gesetzliche Krankenkasse gibt es zwar derzeit eine bis zu 25%ige Förderung über das Familienministerium, die bundeslandabhängig ist. Hierfür müssen aber ganz spezielle Kriterien erfüllt sein.

Am 15. Dezember 2022 habe ich gemeinsam mit Jennifer Sutholt vom Verein Solomütter Deutschland e.V. mit Katrin Helling-Plahr zum aktuellen Stand der Kostenübernahme von 25% für die Kinderwunschbehandlung von Singlefrauen gesprochen. Das Live findest du auf meinem Instagram-Kanal und hier:

Unter anderem in Berlin wird zwar eine Kinderwunschbehandlung bei lesbischen Paare bereits finanziell unterstützt, allerdings erst ab dem zweiten Zyklus.

Laut Tandler-Schneider sieht die Hälfte der lesbischen Paare im Berliner Fertility Center – vermutlich gilt das auch in anderen Berliner Kliniken – dass sie anfangs bei ihrer Kinderwunschbehandlung überhaupt nicht finanziell unterstützt werden, was dazu führt, dass sie „nach dem ersten Kryozyklus entweder schwanger sind – oder weg“.

„Das heißt: Dieser Topf, den es durch diese Länder-Bund-Geschichte gibt, der wird überhaupt nicht ausgenutzt.“

Dr. Andreas Tandler-Schneider (Vorstand Deutsches IVF-Register)

Deswegen ist das der Plan der aktuellen Bundesregierung:

„Step 1: Wir wollen die Bundeslandabhängigkeit aufheben. 25% soll bundesweit erstmal jeder bekommen. Und im zweiten Schritt wollen wir auf 100% gehen, weil eine Kinderwunschbehandlung nicht vom Geldbeutel abhängen darf. Und wir wollen diskriminierungsfrei werden.“

Katrin Helling-Pahrs

Laut Katrin Helling-Plahr wurde in der vergangenen Haushaltsverhandlung November 2022 die Diskriminierungsfreiheit verankert, was sich auf das nächste Haushaltsjahr auswirken soll.

„Für Paare, die eine Samenspende brauchen, für Solomütter, lesbische Paare und unverheiratete Paare ist der Konsens, dass diese Gruppen im nächsten Jahr 2023 durch Haushaltsmittel unterstützt werden. Ich glaube, ob man es am Ende über die gesetzlichen Krankenversicherungen oder die Richtlinien löst, völlig egal ist: Hauptsache das Geld kommt an und die Lösung über die Richtlinie ist für uns zugänglich.“

Katrin Helling-Pahrs

„Es gibt teilweise Ärztekammern in Deutschland, z.B. Nordrhein, die sehr konservativ sind, und die es alleinstehenden Frauen sehr schwer machen, in eine Kinderwunschklinik zu gehen. Die es ihren Zentren auch kaum erlauben, Singles zu behandeln.“

Dr. Andreas Tandler-Schneider (Vorstand Deutsches IVF-Register)

Auch wenn es bei einer Kinderwunschbehandlung zunächst „nur“ 25% Kostenübernahme wäre, wäre das schon deutlich mehr als aktuell.

Klar, da ist es ja gar nichts für uns Singles. Aber auch für heterosexuelle Paare, die bezuschusst werden ist die Kostenfrage brandaktuell.

„Der Eigenanteil bei einer ICSI für ein versichertes heterosexuelles Paar, die 50% erstattet bekommen, kann immer noch bei zwei- bis dreitausend Euro liegen. Das ist tatsächlich ein Nettoeinkommen, also für die Leute alles andere als wenig. Und das zählt ja auch nur für einen Versuch.“

Christoph Müller-Guntrum (Geschäftsführer Fertilly GmbH)

Eine ganz ähnliche Ansicht vertritt Anna Adamyan:

„Ich finde es schwierig, dass der Kinderwunsch so materialisiert wird. Es wird so getan, als würde ich mir ein Luxusauto kaufen wollen. Aber der Kinderwunsch ist so ein großer Wunsch, er ist so wesentlich. Damit geht so viel mehr einher.“

Anna Adamyan

Dr. Sarah Plack: „Ich darf meiner Schwester eine Niere spenden, aber keine Eizellen. Das ist doch absurd!“

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Dr. Sarah Plack, Ärztin, Bloggerin und Betroffene, startete 2020 mit der Umsetzung ihres Kinderwunsches und hat gleichzeitig ihren Babybauchblog ins Leben gerufen, um anhand von guten Informationen zu zeigen, wie man schnell schwanger wird.

Das Ziel ist die Schaffung einer modernen Reproduktionsmedizin in Deutschland. Von medizinischer Seite existiert diese Reproduktionsmedizin bereits. Aber von der Gesetzgebung her sind wir noch meilenweit davon entfernt, weil das aktuelle Gesetz heterosexuelle verheiratete Paare zwischen 25 und 40 als Grundlage dafür vorsieht, dass diese eine Familie gründen dürfen und deswegen unterstützt werden können.

„Das ist schön für mich und meinen Mann, dass wir in diese Kategorie reingefallen sind. Aber Familie ist so vielfältig. Wir haben 2022!“

Dr. Sarah Plack (Babybauchblog)

Inzwischen sind Sarah und ihr Mann Eltern ihrer Tochter Luisa. Gemeinsam mit Anna Adamyan hat sie die Petition #KiwuFürAlle – für eine faire Kostenübernahme von Kinderwunschbehandlungen gestartet, denn: In Deutschland muss sich dahingehend etwas bewegen. Ein wichtiges Ziel: Eine moderne Reproduktionsmedizin schaffen. Außerdem muss eine Bereitschaft und Wissen in der Bevölkerung zum Thema Kinderwunsch und Kinderwunschbehandlungen geschaffen werden.

„Der Wunsch nach einem Kind wird von den Frauen meistens mehr vorangetrieben als bei Männern. Gleichzeitig suchen die Ursache für Kinderlosigkeit bei sich, und alles rauf und runter machen: ihren Zyklus tracken, zehn verschiedene Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Häufig wird auch der Partner passiv mitgeschleift, bis dann irgendwann die Frau sagt: ‚Du machst jetzt mal ein Spermiogramm.‘ Es ist alles eine Aufklärungsfrage. Frauen reden auch untereinander mehr über solche Themen. Wenn jedem bewusst wäre, dass es ungefähr zu einem Drittel bei der Frau liegt, zum Drittel beim Mann und zum Drittel bei beiden, dann könnten auch Paare offener darüber diskutieren und klarer sagen: Lass uns uns doch beide abchecken, lass uns doch beide den Lebensstil optimieren und beide das ein oder andere Vitamin nehmen.“

Dr. Sarah Plack

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Dr. Sarah Placks Forderung lautet ganz klar: „Ich wünsche mir, dass jedes Paar oder Person, die einen Kinderwunsch hat, den auch erfüllt bekommt, unabhängig von allen gesetzlichen und politischen Vorgaben.“

Dem kann auch Anna Adamyan zustimmen. Die Content-Creatorin klärt seit dreieinhalb Jahren über das Thema „unerfüllter Kinderwunsch“ auf, weil sie selbst Betroffene ist. Sie leidet an Endometriose und hat bereits mehrere Kinderwunschbehandlungen hinter sich.

„Frauen müssen sich rechtfertigen, wenn sie kein Kind wollen, Frauen müssen sich aber auch rechtfertigen, wenn sie ein Kind wollen und dafür in die Klinik gehen. Das fängt ja schon beim Familiendinner oder beim Bewerbungsgespräch an, wenn man Fragen gestellt bekommt, die man nicht gestellt bekommen möchte.“

ANNA A.

Einen Tag vor Nikolaus, am 05. Dezember 2022, lässt Anna ihre Follower auf Instagram an ihrem positiven Schwangerschaftstest teilhaben. Ich wünsche ihr so sehr, dass alles gut wird.

Matthias Wernicke: „Wir müssen vor allem auch die männliche Fruchtbarkeit (Male Fertility) mehr ins Visier nehmen.“

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Auch beim Fertility Tank zu Gast ist Matthias Wernicke, Geschäftsführer der Merck Serono GmbH, einer Firma, die seit Jahrzehnten im Bereich Fruchtbarkeitsbehandlungen aktiv ist und auch dazu forscht.

Vor allem ist Merck im Bereich der hormonellen Stimulation tätig. Gut zu wissen: Was durch diese Medikamente geleistet wird ist im Wesentlichen etwas Natürliches, auch wenn man es aufgrund des Begriffs „künstliche Befruchtung“ nicht vermutet wird.

Für viele Menschen ist es schwer zu verstehen, dass das was Merck nachbildet, auch nur das ist, was ein Stückweit die Natur bietet – was allerdings in manchen Situationen nicht immer stattfindet. Matthias Wernicke spricht davon, im Bereich der Male Fertility, also der männlichen Fruchtbarkeit, viel mehr zu machen, mehr daran zu arbeiten, dass die männliche (Un-)Fruchtbarkeit ins Visier genommen wird.

Denn noch oft genug wird der Frau die Schuld in die Schuhe geschoben, wenn es nicht klappt mit der Erfüllung des Kinderwunsches.

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„75% der Leute glauben, dass Fruchtbarkeit primär ein Frauenproblem ist.“

Christoph Müller-Guntrum über ein Ergebnis der Fertilly-Umfrage

„Wie bekommt man die Paare dazu, frühzeitig darüber nachzudenken: Was können wir tun, wenn es nicht klappt mit der Erfüllung des Kinderwunsches? In Westeuropa ist jedes sechste Paar ungewollt kinderlos. Das ist ne ganze Menge, dafür dass wir so wenig darüber reden, dass so viele das erfahren und dieses Stigma erleben. Diese Furcht, darüber zu reden, diese Sprachlosigkeit.“

Matthias Wernicke

„Diese Idee, dass das mit dem Kinderkriegen etwas ganz Romantisches ist, dass das bei einem Paar, das sich liebt, eigentlich von selbst funktioniert, die ist ja – wenn wir uns in Berlin so umschauen –, ist das ein Stückweit vom Tisch. Da wird vielmehr drüber geredet: ‚Ach, ich will ja sowieso kein Kind.‘ Oder: ‚Vielleicht adoptiere ich.‘ Eine gute Basis ist es, die Romantik mal aus dem Spiel zu nehmen, die auch so ein bisschen traumzänzerisch ist, und stattdessen zu sagen: Lass uns doch mal über die Fakten reden. Und diese Fakten sind: Wenn du mit dreißig den Partner nicht hast, mit dem du dann das kind nicht haben willst, dann hast du mit 35 auch bestimmt kein Kind. Dass man diese ‚harten Zahlen‘ auch ein Stückweit kommuniziert.“

Matthias Wernicke (Merck Healthcare Germany)

„Auch Fruchtbarkeitsbehandlungen vollbringen keine Wunder. Ich glaube, wir können medizinischen Fortschritt haben so viel wir wollen: Am Ende sind es die Biologie und Natur, wenn wir nicht alle ganz radikal denken und sagen, wir frieren jetzt mit Mitte 20 alle unsere Eizellen ein und lagern die für 20 Jahre auf Vorrat ein.“

Matthias Wernicke (Merck Healthcare Germany)

„Wie vielen Paaren bleibt der Zugang zur Reproduktionsmedizin verwehrt aufgrund von finanziellen Hürden?“ fragt Christoph Müller-Guntrum

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Eine Einschätzung zu dieser Frage gibt Dr. Andreas Tandler-Schneider.

Er arbeitet im Berliner Fertility Center und ist gleichzeitig Vorstand des Deutschen IVF-Registers, das die Daten von allen 140 Kinderwunschzentren, die es in Deutschland gibt, verarbeitet, darstellt und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt.

„Mindestens 60% bis 70% können sich eine Kinderwunschbehandlung nicht leisten. Mehr als zwei Drittel der Menschen, die nicht verheiratet sind. Wenn man auch noch die lesbischen Paare berücksichtigt, heterosexuelle Paare, die eine Samenspende brauchen, Frauen, die unter 25 Jahre sind…“

Dr. Andreas Tandler-Schneider (Vorstand Deutsches IVF-Register)

In Europa gibt es kein einziges Land, das Tandler-Schneider bekannt ist, in dem es die Kostenübernahme nur für Verheiratete gibt. Nur Deutschland stellt hier die unrühmliche Ausnahme dar: „Das ist im Grunde nur eine Kostensenkungsmaßnahme Seitens der Politik gewesen,“ vermutet Tandler-Schneider.

Ein kurzer Ausflug in die Kostenübernahme-Historie: Bis 2003 wurden, zumindest bei den Verheirateten, bis zu vier Zyklen komplett von der Krankenkasse finanziert. Durch die Gesundheitsreform von 2003 kam es ab 2004 zu einem totalen Zusammenbruch der Kinderwunschbehandlungen, weil seitdem nur noch maximal drei Zyklen zur Hälfte bezahlt wurden. Mehr dazu kannst du hier nachlesen.

„Warum sollen Frauen unter 25 Jahren die Reproduktionsmedizin nicht bezahlt bekommen, wenn sie mit 22 bereits verheiratet sind? Das ist einfach nicht nachvollziehbar. Da muss die Politik ran! Und ich glaube, sie geht da auch ran.“

Dr. Andreas Tandler-Schneider (Vorstand Deutsches IVF-Register)

Im Koalitionsvertrag steht ganz konkret, dass der Zugang zur Reproduktionsmedizin diskriminierungsfrei werden soll. Unabhängig von sexueller Orientierung, vom Familienstand und von medizinischer Indikation, also dass auch lesbische Paare und Singlefrauen die Reproduktionsmedizin nutzen können.

Dr. Stefanie Lünsmann-Schmidt: „Kostenübernahme? Katastrophe, kann ich sagen!“

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Dr. Stefanie Lünsmann-Schmidt, Bundesvorständlerin im Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in Deutschland. Der Verein macht in erster Linie Rechtspolitik, so auch mit dem erfolgreichen Projekt „Ehe für alle“. Das nächste Projekt des Vereins soll das Abstammungsgesetz sein. Das hat in der Lesben- und Schwulen-Community sehr, sehr viel auch mit Reproduktionsmedizin zu tun, wo rechtlich noch einiges passieren muss.

„Wir erleben es in der Community, dass die Leute die Idee der Reproduktionsmedizin systematisch im Vorfeld für sich ausschließen. Das ist alles sehr teuer. Vor allem, wenn es nach dem zweiten, dritten Versuch nicht klappt, geht’s richtig ins Geld. Bei der Kostenübernahme [für lesbische Paare], da sind wir raus. Ich weiß nicht warum, keine Ahnung.“

Dr. Stefanie Lünsmann-Schmidt (Mitglied im Bundesvorstand des LSVD)

„Der klassische Fortpflanzungsweg der üblichen Lesbe ist der Becher des schwulen besten Freundes; hat natürlich jetzt nicht jede. Und will auch nicht jede. Bei uns landen Menschen in der Rechtsberatung, die fragen Dinge wie das: ‚Wir sind jetzt schwanger geworden von jemandem, den kannten wir nicht. Den haben wir auf dem Rastplatz getroffen. Was machen wir denn jetzt?!‘ Ich kann es mir nicht vorstellen, dass ein lesbisches Paar freiwillig bei einem vernünftigen Zugang zur Reproduktionsmedizin mit einem Becher auf dem Rastplatz steht und da Fortpflanzung betreibt. Wir brauchen einen vernünftigen Zugang [zur Reproduktionsmedizin]! Und das sind keine seltenen Fälle. Das wird nicht die Mehrheit der lesbischen Paare sein, aber das sind keine Einzelfälle.“

Dr. Stefanie Lünsmann-Schmidt (Mitglied im Bundesvorstand des LSVD)

„Alleinstehende Frauen müssen nicht in die Zwangs-Rechtsberatung gesteckt werden.“

Dr. Stefanie Lünsmann-Schmidt (Mitglied im Bundesvorstand des LSVD)

Liebe Stefanie Lünsmann-Schmidt, ich bin hunderprozentig auf deiner Seite.

Mehr Eindrücke, Zitate und hübsche Bilder vom Fertility Think Tank findest du auf den folgenden Seiten:


(Letztes Update 15. Dezember 2022)

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