Gastbeitrag: Polly Freytag | Ich will Solomama werden www.solomamapluseins.de
Gastbeitrag,  Solomamas

„Die Frage ist nicht mehr, ob ich Solomama werde. Sondern wann!” Gastbeitrag: Polly Freytag

“Ich will Solomama werden.”

So selbstbewusst stellt sich polly.freytag auf ihrem Instagram-Account vor. Ich durfte sie persönlich kennenlernen, und bin mir sicher, dass sich so mancher wundert, warum eine so tolle Frau alleine Mama werden möchte.

Sie sieht gut aus, ist intelligent, unterhaltsam und äußerst liebenswert. Sie könnte einige Männer haben.

Aber darum geht es ihr nicht.

Pollys Geschichte ist eine von denen, die Singlefrauen mit Kinderwunsch miteinander verbindet. Ein passender Mann ist nicht in Sichtweite, der Wunsch nach einem Baby aber schon.

Deswegen freue ich mich sehr, dass sie ihre Überlegungen aufgeschrieben hat, die sie auf dem Weg zur Solomama begleiten. Denn dadurch macht sie anderen Singlefrauen mit Kinderwunsch Mut.

Liebe Polly, los geht’s.

Und dann das Happy Ending?

„Verliebt, verlobt, verheiratet – geschieden. Wie viel’ Kinder willst du kriegen?“

Diesen Zählreim habe ich in der Grundschule beim Seilspringen kennengelernt. Jedes Mal, wenn wir auf dem Pausenhof Seil gesprungen sind, habe ich darüber gegrübelt, wer seine Kinder nach der Scheidung bekommt.

Vor der Heirat, vor der Scheidung? (Foto: Foto Pettine/Unsplash)

Denn selbst wenn man geschieden ist, geht doch das Spiel erst wieder von vorne los: verlieben, verloben, heiraten. Dann Kinder bekommen. Und wenn es ganz dumm läuft, dann halt noch eine Scheidung.

Sorry. Da hat der Erwachsenen-Zynismus eingesetzt. Nochmal: Dann Kinder bekommen. Und dann das Happy Ending.

Ich bin Polly Freytag und der Zählreim, den ich früher so komisch fand, beschreibt meine aktuelle Situation ziemlich genau. Ich habe mich vor ein paar Jahren von meinem Mann scheiden lassen, bevor wir Kinder bekommen haben.

Der Mann, mit dem ich danach zusammen war, passte viel besser zu mir, wollte aber leider keine Kinder.

Und nun?

“Pragmatisch gesehen tut es ein One-Night-Stand auch”

Ich habe eine Dating-App. Und ich war auf ein paar Dates. Ich habe aber jedes Mal das Gefühl, die Männer gleich auf ihre Vatertauglichkeit prüfen zu müssen und das tötet schnell jegliche Romantik.

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Ein One-Night-Stand? Nicht Pollys Ding! (Foto: Sweet Ice Cream/Unsplash)

Außerdem gefällt mir mein Solo-Status ganz gut. Meistens zumindest. Vor einem halben Jahr habe ich mich deshalb das erste Mal gefragt, ob ich unbedingt erst wieder einen Mann finden muss, um Kinder zu haben. Ganz pragmatisch gesehen tut es ja auch ein One-Night-Stand.

Ich bin allerdings selten pragmatisch. Ich informiere mich vor größeren Entscheidungen, wäge ab. Und hier geht es definitiv um eine ganz große Entscheidung!

Co-Parenting kommt für mich auch nicht in Frage. Vielleicht verstehe ich das Prinzip einfach nicht richtig. Wenn ich schon nach jemandem suche, der ein potentieller Vater für mein Kind sein könnte und dessen Vorstellungen von Erziehung sich möglichst mit meinen decken, warum dann nicht gleich einen Mann, der auch zu mir passt?

“Mein privates Glück hat Vorrang vor der beruflichen Erfüllung

Wie auch immer – suchen kostet Zeit. Biologisch gesehen habe ich vielleicht auch noch fünf bis zehn Jahre. Aber ich fühle mich so bereit für ein Kind, wie nie zuvor in meinem Leben.

Samenspende für Single-Frauen kannte ich bisher nur aus den USA. Die Vorstellung einer möglicherweise mehrwöchigen, exorbitant teuren Reise hat mich entmutigt und ich habe diese Möglichkeit vorerst wieder in der Schublade „Dinge, die ich mit einem großen Lottogewinn bezahle“ geparkt.

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“Es geht ganz schön rund in meiner Birne.” (Foto: Jordan Sanchez/Unsplash)

Dann machte mich der Ex-ohne-Kinderwunsch vor zwei Monaten auf Hannas Blog aufmerksam. Ich kann euch sagen, seitdem geht es in meiner Birne ganz schön rund! Ihre Fragestellungen und Recherchen haben mich ein ganzes Stück nach vorne katapultiert.

Ich habe mich getraut und mit den ersten Freundinnen über das Solo-Mama-Sein gesprochen. Neben ermutigenden Worten hatten sie aber auch viele Fragen – genauso wie ich.

Was passiert mit meiner Karriere? Meine Chefs möchten mich auf eine Führungsposition vorbereiten. Ich will den Job und ich freue mich, wenn es klappt. Es gibt aber noch keine offene Position, ich habe dazu nichts Konkretes in der Hand.

Außerdem bin ich mir sicher, dass ich es bereuen werde, wenn ich das Mutterwerden auf die lange Bank schiebe. Mein privates Glück hat jetzt Vorrang vor der beruflichen Erfüllung.

“Der kleine Revoluzzer in mir ist noch nicht mutig genug”

An einem Punkt bin ich aber doch hin- und hergerissen: Meine Erfahrung und die aller Freundinnen, Bekannten, Cousinen und Schwägerinnen sagt: Mund halten, so tun als wäre nichts, Job dingfest machen, schwanger werden. Da gibt es aber noch so eine kleine revolutionäre Stimme in mir, die mich dazu drängt, mit offenen Karten zu spielen. Die dieses Klischee überwinden will.

Ich arbeite in einem großen, konservativen Unternehmen. Meine Chefs regeln einige Belange im Rahmen ihrer Möglichkeiten aber relativ unkonventionell, sodass in mir die Hoffnung keimt, dass ich in dieser heißen Phase sagen könnte: “Ich will die Position haben. Ich plane aber auch, in ein bis zwei Jahren ein Kind zu bekommen. Und ich habe folgende Ideen und Vorschläge, wie wir das alles unter einen Hut bekommen können.“

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“Das schlimmste, was passieren kann: Ich bleibe in dem Job, den ich habe.” (Foto: Rawpixel/Pexels)

Das schlimmste, das passieren kann: Ich bleibe in dem Job, den ich schon habe. Der kleine Revoluzzer in mir ist aber noch nicht mutig genug.

Einige wichtige Fragen stelle ich mir natürlich zu meinen Finanzen. Am Anfang meiner Überlegungen dachte ich, dass die Samenspende mich viel mehr Geld kosten wird.

Allerdings habe ich da auch mit einer Reise in die USA und mit einem längeren Aufenthalt dort gerechnet. Ein Versuch hier in Europa, vielleicht sogar in Deutschland, ist definitiv drin. Ein zweiter wahrscheinlich auch noch.

Und dann? Wünsche ich mir den dritten zum Geburtstag? Wie würde ich diesen Wunsch wohl auf der Partyeinladung formulieren?

Mit meinem Einkommen komme ich bisher ganz gut aus. Ich habe kein Auto, dass plötzlich unerwartete Reparaturen braucht. Ich zahle keine Kredite oder Darlehen ab und ich bilde kontinuierlich Rücklagen.

Wie sieht es aber aus, wenn das Kind da ist?

Wie viel Elterngeld bekomme ich?

Wie viel Stress macht es mir, dass mich kein Partner mit einem zweiten Einkommen unterstützt?

Kann ich es mir leisten, ein ganzes Jahr gar nicht zu arbeiten?

Und was mache ich, wenn ich feststelle, dass ich lieber noch viel länger bei meinem Kind zu Hause bleiben möchte?

“Es wird eine Lösung geben, bei der wir nicht am Hungertuch nagen müssen”

An dieser Stelle musste ich beim Schreiben eine Pause machen, um mich mal kurz am eigenen Kragen aus dem panischen Strudel zu ziehen und um mich selbst zu beruhigen.

Mein Arbeitgeber ist einer der familienfreundlichsten in Deutschland und bietet Eltern viele Möglichkeiten, beginnend bei flexiblen Arbeitszeiten bis hin zum Home Office. Es wird eine gute Lösung geben, bei der mein Kind und ich nicht am Hungertuch nagen müssen und trotzdem genug Zeit miteinander verbringen können.

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“Ich fühle mich sauwohl in meinem Zuhause. Muss ich trotzdem umziehen?” (Foto: Terje Sollie/Pexels)

Muss ich noch mal umziehen?

Meine Wohnung ist klein und ein bisschen teuer, aber ich fühle mich sauwohl in meinem Zuhause. Über Privatsphäre mache ich mir keine Illusionen – die ersten 12 bis 24 Monate wird das Mini-Me sowieso an meinen Schatten getackert sein. Klein ist also erstmal kein Problem. Teuer könnte vielleicht mittelfristig hart am Portemonnaie-Boden kratzen.

Andererseits wäre das nur temporär, irgendwann steigt das Einkommen ja wieder. Selbst wenn ich jetzt den Sechser im Wohnungsmarkt-Lotto ziehen würde: Ein Umzug würde mich ordentlich Geld kosten. Zack! Loch in der Samenspenderkasse. Also bleibe ich erst mal, wo ich bin.

Ich habe noch viele, viele weitere Fragen, die sich auf die Zeit beziehen, wenn ich dann mal solo-schwanger oder Solo-Mama bin.

Wem erzähle ich, wie ich wirklich schwanger geworden bin?

Wer begleitet mich zu wichtigen Untersuchungen und am Ende auch zur Geburt?

Möchte ich das überhaupt teilen?

Wer unterstützt mich in den ersten Wochen nach der Geburt?

Wer hält mich bei hormonbedingtem Emotionschaos im Arm?

Bei einigen dieser Fragen werde ich mir Rat und Empfehlung holen können, auf andere werde ich die Antwort erst finden, wenn ich schon mitten im Abenteuer bin. Wahrscheinlich werde ich auch mal eine neue Antwort auf ein längst beantwortet geglaubte Frage finden müssen. Und wieder andere Fragen erledigen sich vielleicht mit der Zeit ganz ohne großes Grübeln.

Als Hanna mich fragte, ob ich einen Gastbeitrag für Ihren Blog schreiben möchte, dachte ich, dass ich darüber schreibe, wie ich mich der Entscheidung für das Solo-Mama sein nähere.

Während ich diese letzten Zeilen schreibe, habe ich das Gefühl, dass meine Entscheidung gefallen ist: Die Frage ist nicht mehr, ob ich Solo-Mama werde, sondern wann.

Ich bin Polly Freytag. Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden. Ein, zwei Kinder will ich kriegen.

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Falls du mit Polly Kontakt aufnehmen möchtest, kannst du sie über ihren Instagram-Account polly.freytag erreichen. Auch hat sie extra eine E-Mail-Adresse zum Austausch bereitgestellt: polly.freytag@icloud.com

Also keine Scheu, tipp einfach drauf los, wenn du etwas wissen möchtest oder du den Kontakt zu einer Gleichgesinnten suchst. Polly freut sich schon.

Ein Kommentar

  • Antonia

    So ging es einer Freundin von mir auch. Sie hatte sogar einen Freund, der auch Vater werden wollte, gefunden. Sie haben sich von einem Anwalt für Familienrecht beraten lassen, bevor es los ging. Es hatte gleich mit der Schwangerschaft geklappt. Sie haben sich dann tatsächlich doch ineinander verliebt. Nun ist das Kind da, es läuft wohl so la la. Gut, dass sie vorher schon alles geklärt haben. So gibt es weniger Enttäuschungen.

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