Mich verunsichert der Gedanke, nichts wirklich über den Spender zu wissen. Man muss also mit den Genen leben. Hat dir das nie Angst gemacht?

Dieser Gedanke kann etwas Angst machen, das stimmt. Bei mir war es aber so, dass ich ein deutlich besseres Gefühl dabei hatte, mir einen intensiv geprüften (psychisch, körperlich, gesundheitlich) Spender aus einer Samenbank zu wählen, als mich dem nächstbesten One-Night-Stand hinzugeben und darauf zu hoffen, dass er kein Psychopath mit einer ansteckenden Krankheit ist.

Da ich mit dem biologischen Vater keinen Kontakt haben werde, war mir das Aussehen nicht wichtig. Zumal du nie sicher sein kannst, dass dein Kind später so aussieht, wie der biologische Vater – egal ob du nur ein Kinderbild oder, wie bei Cryos, ein Erwachsenenbild von ihm hast. Mir hilft es sogar, nicht zu wissen, wie der Vater meines Sohnes aussieht, weil ich mir vermutlich öfter mal einbilden würde, dass dieser oder jener Mann auf der Straße der Spender sein könnte (was statistisch gesehen natürlich völliger Humbug ist).

Wenn das Aussehen als Erwachsener ein wichtiger Punkt für dich ist, dann könnte es sich lohnen, entweder nur Spender mit Erwachsenenbildern in Betracht zu ziehen oder deinen Spender von einer deutschen Samenbank zu beziehen, wo die Spender für dich ausgewählt werden (können). Du kannst in diesem Fall ein Aussehen vorgeben, z.B. in dem du ein Foto (deines Ex-Partners, eine Promis…) vorlegst. Dann wird geschaut, welcher Spender dem am nächsten kommt.

Eine weitere Möglichkeit ist es, einen Mann aus deinem Bekanntenkreis zu fragen, ob er spenden würde. Hierzu solltet ihr euch dann allerdings darüber einig sein, welche Form von Vater er sein möchte, damit es keine unangenehmen Überraschungen gibt.

Und zur Persönlichkeit des Spenders: Bei den großen Samenbanken hast du ja sehr intensive psychologische Profile der Spender über circa 15 Seiten (die kannst du dir bei den dänischen Samenbanken auch völlig kostenlos anschauen). Hinzu kommt immer noch die Einschätzung des Teams zum Spender, weil er mehrere menschliche Stationen durchläuft. Dann erkennst du an dem mehrseitigen Fragebogen, dem Stimmprofil und der Handschriftenprobe schon ziemlich viel über den Spender. Ich kann für mich zumindest sagen, dass ich mehr über den Spender meines Sohnes weiß, als über einige meiner langjährigen Partner. Da hat sich teilweise auch erst nach einer Weile herausgestellt, dass er vom Charakter doch nicht so passte, wie gedacht. Aber wenn man verliebt ist, sieht man so einige Dinge nicht.

Was man zur Auswahl des Spenders auch noch sagen kann: Gene sind nicht alles. Natürlich bestimmen sie über bestimmte Eigenschaften und ein bestimmtes Aussehen. Aber viel entscheidender ist es, wie du dein Kind aufziehst, was du ihm mitgibst. Ich habe mich zum Beispiel bewusst für einen Spender entschieden, der in sich ruht und eine positive, optimistische Einstellung hat, weil ich eher zum Gegenteil neige. Mein Sohn kommt dahingehend tatsächlich nach seinem biologischen Vater, auch wenn er ebenfalls schüchterne Momente hat. Dennoch finde ich diesen Mix sehr spannend, und solche Punkte beachtet man ja meistens nicht, wenn man einen Partner hat. Dann denkst du vielleicht darüber nach, wie ihr das gemeinsame Kind erziehen wollt, aber auf die Persönlichkeit und das Aussehen des eigenen Partners hat man keinerlei Einfluss. Da kann das gemeinsame Kind auch manchmal Merkmale haben, die eher unbeliebt am anderen sind.

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