Baby Mädchen im orangefarbenen Kleid

Mama sein

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uf dieser Seite findest du alle Beiträge rund um das Thema „Mama sein“.

Egal, ob es sich um den Alltag mit Kind, Unterstützung als Mama oder das Thema Job und Vereinbarkeit handelt. Die Seite wird regelmäßig befüllt, sobald ein neuer Artikel online ist.

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privater samenspender richtiges bauchgefuehl

„Mein Bauchgefühl hat mich bisher noch nicht getäuscht.“

Auch wenn es immer mehr Singles mit Kinderwunsch und Solomütter gibt, die sich in die Öffentlichkeit wagen – neben mir ist auch Katrin von Solomamaherz, mit der ich die gemeinsame Plattform Solomamawege gegründet habe, aktiv dabei, unser Familienmodell als normal zu promoten –, kann man den Anteil der Samenspender, die sich offen zu ihrer Spende bekennen, an einer Hand abzählen. Viele möchten damit auch nicht hausieren gehen, sondern einfach Frauen bzw. Paaren helfen, wenn das Kinderkriegen auf anderem Wege nicht klappt. Dabei kann der Schritt in die Öffentlichkeit anderen dabei helfen, das Thema Samenspende nicht mehr als etwas Unangenehmes oder Schambehaftetes zu betrachten. Gerade wenn eine Frau oder ein Paar darüber nachdenkt, ob diese Option der Zeugung in Frage kommt, ist es hilfreich, positive Vorbilder zu haben und von ganz normalen Menschen zu erfahren, die den Weg genauso eingeschlagen haben. Deswegen bin ich super happy, dass sich Chris bei mir gemeldet hat, der als Privatspender, also als privater Samenspender, bereits einigen Frauen zu ihrem Wunschkind verholfen hat. Ich habe gefragt und er hat mir viele Antworten gegeben. Wie bist du überhaupt dazu gekommen, privater Samenspender zu werden? Über eine gute Doku zum Thema. Ich hatte schon immer das Bedürfnis anderen zu helfen und etwas von mir weiterzugeben. Je mehr ich mich dann mit dem Gedanken an das Spenden beschäftigte, desto größer wurde der Wunsch. Wie wichtig ist dir der finanzielle Aspekt bei einer Samenspende? Tatsächlich gar nicht, ich spende kostenlos, freue mich aber natürlich zum Beispiel über eine Einladung zum „Kennenlernkaffee“. Hast du darüber nachgedacht, Spender über eine Samenbank zu werden? Ja, spürte aber ganz schnell, dass ich einfach wissen möchte, wem ich da etwas so Persönliches weitergebe. Was ist dir wichtig, damit du sagst, dass du bereit bist, der Frau bzw. dem (lesbischen) Paar mit deiner Samenspende hilfst? Den festen Eindruck, dieses Kind wird geliebt werden, ein gutes Bauchgefühl und Sympathie auf beiden Seiten. Hast du schon jemanden abgelehnt, weil es nicht gepasst hat? Was waren die Gründe? Das ist leider häufiger der Fall als ich es mir wünsche. Meist fehlt die besagte Sympathie oder die Vorstellungen gehen einfach zu weit auseinander. Und hat sich auch schon mal jemand gegen dich entschieden? Wenn ja, warum? Ja, das gab es auch schon. Dem Wunsch nach einem intensiven späteren Kontakt mit dem Kind hätte ich leider nicht nachkommen können. Gibt es eine „typische“ Frau, die eine private Samenspende in Anspruch nimmt? Das Gegenteil erlebe ich. Bisher waren alle Frauen, mit denen ich Kontakt hatte, in ganz verschiedenen Lebenssituationen – spannend, wenn auch nicht immer einfach. Hast du bereits für Paare gespendet? Ja, bei zwei Paaren durfte ich als männlicher Ersatzspieler einspringen – Respekt für diese Selbstlosigkeit. Wie viele Spenderkinder hast du bereits? Und wie geht es dir damit? Es sind nun vier kleine Wunder, die mich, offen gesagt, ziemlich stolz machen. 😊 Welche Kontaktmöglichkeiten wünscht bzw. hast du zu deinen Spenderkindern? Und wie funktioniert das mit der Mutter? Manche Mütter wünschen sich gar keinen Kontakt, vor allem die in Beziehung mit einem Mann. Den meisten Frauen ist aber die Möglichkeit eines späteren Kennenlerntreffens mit dem Kind wichtig, worüber ich mich immer freue. Wie sehr möchtest du im Leben der Kinder involviert sein? Wie stellst du dir den Kontakt zum Kind vor? Persönlich, eher distanziert, einmalig, regelmäßig oder machst du es von (den Wunscheltern bzw.) der „Chemie“ zwischen dir und dem Kind abhängig? Mir ist zunächst wichtig zu wissen, meinen Part so gut es geht erfüllt zu haben: Das Entstehen und die Geburt eines gesunden Kindes. Alles, was danach kommt, ist allein Entscheidung der Familie. Für wie wahrscheinlich hältst du es, dass du Vatergefühle für eines deiner Kinder entwickelst und stark involviert sein möchtest? Für mich ist klar: selbst wenn es einmal so wäre, könnte und würde ich dem nicht nachgehen können. Wie nennst du deine Kinder? Spenderkinder? Sohn, Tochter? Oder gibt es da einen passenderen Begriff? Meine Biokids, aber bitte nicht weitersagen. 😊 Hast du deine potentiellen Spenderkinder im Bewusstsein bzw. interessierst du dich für deine Nachkommen? Interessiert dich, ob es ihnen gut geht, ob sie in einer glücklichen Familie aufwachsen? Ich wünsche den Kindern und Familien von Herzen das Allerbeste für ihr Leben. Wenn ich etwas darüber erfahre, freut mich das riesig. Dabei muss ich aber auch darauf achten, den für mich nötigen inneren Abstand zu wahren. Siehst du deine künftigen Spenderkinder als Teil von dir an? Als Menschen, mit denen ich etwas auf einer sehr grundlegenden Ebene teile, ja. Hast du Angst vor Unterhaltsforderungen? Weniger, mein Bauchgefühl hat mich bisher nicht getäuscht und dank gelegentlicher, süßer Bestechungen wird dies hoffentlich auch so bleiben. 😅 Wissen deine Familie und Freunde davon, dass du deinen Samen spendest? Wenn ja, wie hast du es ihnen gesagt und wie haben sie reagiert? Bisher konnte ich mich noch nicht dazu durchringen, mein Umfeld einzuweihen. Die Sorge, auf Unverständnis und Ablehnung zu stoßen ist riesig. Falls du eine Freundin hast: Wie steht sie dazu, falls sie davon weiß? Die Frau an meiner Seite weiß davon, möchte aber in keiner Weise damit in Berührung kommen, was für mich natürlich vollkommen in Ordnung ist. Was denkst du, hält die künftige Mutter deiner Kinder davon, dass du bereits Spenderkinder hast? Sie weiß, dass unsere gemeinsamen Kinder die erste Rolle in unserem Leben spielen werden. Hast du auch einen eigenen Kinderwunsch bzw. planst du (in Zukunft) auch sozialer Vater eines Kindes zu sein? Auf jeden Fall, Zwei sollen es schon werden – und das sage nicht nur ich. 😉 Kennst du andere Samenspender in deinem Umfeld? Falls ja: Tauscht ihr euch in irgendeiner Form aus? Über das Netz hatte ich schon mit einigen anderen Spendern Kontakt. Wichtigste Erkenntnis hieraus: Im Grunde ergeht es uns allen recht ähnlich. Falls du auch Samenspender bist oder einen kennst und deine bisherigen Erfahrungen mitteilen möchtest, schreib mir gerne oder kommentiere diesen Beitrag. Das nächste Interview mit einem Samenspender steht auch schon in den Startlöchern. Zu Wort kommt dann der Spender von einer Samenbank. Was sich bei diesem vom Privatspender unterscheidet, erfährst du im nächsten Interview. (Letztes Update 27. Juli 2021)

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„Ich empfinde es keineswegs als egoistisch, Solomutter zu werden!“

Weil nicht alle Frauen, die sich ein Kind alleine wünschen, hören oder nur eingeschränkt hören können, werde ich einige Folgen meines Podcasts auch als Artikel aufbereiten. Den Anfang macht die Folge mit Katrin, die als Solomama unter https://solomamaherz.de von ihrem Alltag mit Kind berichtet. Nachhören kannst du das Interview auch auf einem der verschiedenen Podcast-Portale – nachlesen kannst du es hier. Du bist ja auch Single Mom by Choice, Solomutter. Ich habe ehrlicherweise immer ein Problem damit zu sagen ich bin eine Single Mom by Choice. Ja, okay, ich bin Single Mom, das stimmt schon. Aber by Choice? Meine erste Wahl war es nicht. Deswegen variiere ich zwischen alleinerziehend oder Solomama bzw. Solomutter.  Wie nennst du dich und wie nennst du deine Familienform? Ich bin fast auf den Tag genau vor drei Jahren Solomama geworden, hab einen ganz tollen kleinen Sohn. Bin echt überglücklich, dass ich den Mut hatte, mich für diesen Weg zu entscheiden, und das ist vor allem auch geklappt hat. Und ja, ich kann alle nur ermutigen, dich sich mit dem Gedanken tragen, auch Solomutter zu werden. Und damit habe ich auch implizit deine Frage schon beantwortet. Ich sage tatsächlich am ersten Solomama, aber ich füge in 99 Prozent der Fälle eine Erklärung hinzu. Ich sage dann sowas wie: Ich bin Solomama. Das heißt, ich habe mein Kind über Samenspende bekommen. Oder ich sage: Ich bin Solomama, und mein Sohn hat einen Spender-Papa. Das kommt tatsächlich immer so ein bisschen drauf an, mit wem ich rede. Aber ich habe das Gefühl, wenn ich jetzt einfach nur Solomama sagen würde, würde das den meisten Leuten ehrlicherweise gar nicht wirklich viel sagen. Also weder die Begriffe Solomama noch Solomutter noch Single Mom by Choice haben, meiner Meinung nach, in der Bevölkerung – zumindest hier in Deutschland – schon irgendwie so einen Bedeutungshintergrund, dass die Leute beim ersten Hören gleich wissen, was damit gemeint ist. Jedenfalls zumindest die breite Masse nicht und deswegen gibt es bei mir immer so eine Erklärung hinten dran. Den Begriff Single Mom by Choice finde ich ehrlicherweise auch echt ein bisschen unglücklich. Es war auch bei mir nicht die erste Wahl. Ich hätte mir tatsächlich schon eher ein bisschen den klassischen Weg gewünscht. Ja, gut, war halt nicht, musste ich mir halt was anderes überlegen. Aber diese Single Mom by Choice  kommt natürlich auch eher aus dem internationalen Sprachgebrauch, wo dieses Thema Solomutter werden ja sehr viel verbreiteter und auch schon etablierter ist als in Deutschland. Ich hab aber tatsächlich auch die Erfahrung gemacht, wenn ich jetzt irgendjemandem sage,  ich bin Solomama und erkläre das, dann kommt oft so als Reaktion „Ah, ich wusste gar nicht, dass das so heißt“, oder „Ah, das ist damit gemeint.“ Aber wir können ja daran arbeiten, dass es dann halt eher Solomama als Single Mom by Choice wird. Das ist doch mal ein Plan!  Jetzt ist es ja so, dass wir aktuell in einer Ausnahmesituation sind Stichwort Corona. Bei mir war es so: Die ersten 14 Tage mit meinem Sohn alleine im Homeoffice – wenn man davon überhaupt reden kann, das man Homeoffice machen kann – und Kinderbetreuung ging eigentlich ganz gut. Aber in der dritten Woche habe ich schon bei mir gemerkt, da liegen immer mal wieder die Nerven blank, weil ich das Gefühl habe, ich muss so viel noch parallel schaffen, was ich nicht so wirklich hinbekomme.  Wie ist denn das bei dir? Und wenn du, gerade auch im Hinblick auf dieses du bist jetzt komplett alleinerziehend und auch komplett alleinverantwortlich, einmal schaust was sind für dich die Vorteile? Und was sind für dich die Nachteile in dieser Konstellation? Also du und ich, wir sind ja alleinerziehend. Das heißt, wir müssen uns ganz alleine um unser Kind und unser Leben kümmern. Ich finde, alleinerziehend klingt oft so simpel. Das klingt halt so, ja, gut, ich muss arbeiten. Und ja, gut, ich muss irgendwie was fürs Kind kochen. Aber es geht ja nicht nur darum, mal einkaufen zu gehen, mal zu kochen und die Spülmaschine auszuräumen, sondern das betrifft ja alles andere drumherum. Das betrifft die Arbeit. In meinem Fall ist es so, dass ich Vollzeit arbeite. Das betrifft die Finanzen um die man sich kümmern muss. Das betrifft die Altersvorsorge, das betrifft Versicherungen, das betrifft die Gesundheitsvorsorge, Termine, alles, was da irgendwie zu tun hat. Das betrifft auch solche Sachen, wie mal Urlaube planen, recherchieren, buchen, die Wohnung in Schuss halten, mal was renovieren, Möbel zusammenbauen, Regalbretter anbohren. Es betrifft ja wirklich im Prinzip das komplette Leben, das wir als Solomamas irgendwie wuppen müssen. Es gibt auch keinen Ex-Partner, der irgendwie unter die Arme greift, also einen Kindsvater, der sich im Idealfall mal um das Kind kümmert, um dieses ganze Leben auf die Reihe zu kriegen. Für das, was ich gerade genannt habe, muss man sich extrem gut organisieren und auch an einen recht straffen Zeitplan halten. Und das heißt bei mir zum Beispiel, dass ich um 6 Uhr 30 aufstehe und gegen ein Uhr nachts ins Bett gehe und dazwischen auch keine Zeit habe, um mal irgendwie entspannt irgendwas zu machen, was man gemeinhin als Freizeit bezeichnen würde. Also, ich bin die ganze Zeit am Organisieren. Ich halte mich immer noch so einigermaßen über Wasser. Aber die erste Woche Homeoffice war wirklich echt der blanke Horror. Es war alles noch so unübersichtlich. Wir hatten neue Kommunikationstools auf den Rechnern. Das Projekt, was ich zu dem Zeitpunkt noch hatte, war ziemlich zeitkritisch. Ich musste haufenweise Mails schreiben, hatte aber eigentlich die ganze Zeit irgendwie Kinderbeschäftigung und Versorgung zu leisten. Das heißt, ich habe im Prinzip tagsüber irgendwie so mit einem Auge auf die Mails geschielt und halt mal geguckt, Oh, Gott, geht da jetzt irgendwas so richtig den Bach runter? Oder hab dann im Notfall mal irgendwie eine rasche Antwort irgendwo getippt. Also irgendwie beim Kochen oder im Aufzug oder was auch immer, mein Sohn ist dann so um 22 Uhr eingeschlafen. Und dann habe ich angefangen, im Eiltempo irgendwie die ganzen Mails zu beantworten und das dann wirklich bis zwei Uhr nachts. Das dann die ganze Woche, das war wirklich echt der totale Hammer und ich hatte irgendwie das Gefühl, kurz vorm Herzinfarkt zu stehen. Und dann war es zum Glück so, dass dieses Hauptprojekt verschoben wurde. Die zweite Woche war echt entspannter. Aber was hat die aktuelle Situation trotzdem super anstrengend macht? Es sind die fehlenden Sozialkontakte, gerade auch für den Kleinen, der die Kinder aus seiner Kita wieder sehen will. An jedem Spielplatz gibts fast Tränen, weil er nicht drauf darf und natürlich auch keine Kinder. Seine Omi holt ihn normalerweise einmal die Woche ab, was für mich natürlich auch eine super Erleichterung ist. Aber das geht jetzt nicht mehr. Dann hatte er letzte Woche auch noch Geburtstag. Wir haben wochenlang vorher wirklich überlegt, wen er dann alles einladen kann und wie wir feiern. Und jetzt musste er mit mir vorlieb nehmen. Wir haben alleine gefeiert. Es ging alles, haben auch ganz viele Kita-Kinder Glückwunsch-Videos geschickt. Also, alles okay. Aber es ist halt trotzdem nicht so richtig cool. Wir klucken 24 Stunden am Tag aufeinander, und das ist anstrengend. Aus all diesen genannten Gründen hat er eben überhaupt keinen Bock, sich dann auch noch alleine irgendwo hinzusetzen und selbst zu beschäftigen. Nee, ich muss halt permanent irgendwie für Programm oder Ablenkung sorgen, um mal eine ruhige Minute für die Arbeit zu haben. Das ist schon eine echte Herausforderung, und wenn ich mir überlege, dass das jetzt noch zwei Wochen so geht, mindestens. Halleluja! Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch umgekehrt positive Seiten. Ich genieße es schon sehr, dass wir jetzt viel mehr Zeit miteinander verbringen. Gerade bei der getakteten Zeit, die wir sonst so haben, und bei einem Vollzeitjob. An einem normalen Tag unter der Woche sehe ich ihn wirklich gar nicht so viel. Das genieße ich momentan schon total. Es entschleunigt mich auch tatsächlich, dass ich jetzt durch die wegfallenden Wege nicht mehr so einen Zeitdruck habe. Das ist auf jeden Fall besser. Und es sind ja auch viele Projekte verschoben worden, sodass die Arbeitsbelastung an sich auch weniger geworden ist und ich so in Mini-Schritten mal dazu komme, auch zuhause Sachen zu erledigen, die sonst immer liegenbleiben. Und wenn es halt nur die zwei Bilderrahmen sind, die man schon ewig mal irgendwie an nageln wollte. Das sind so Sachen. Ich sage mal zu dieser 24 Stunden, sieben Tage die Woche Bereitschaft, gerade als Mutter, als alleinerziehende, alleinverantwortlich Mutter, ohne die Möglichkeit, das Kind vielleicht auch in die Kita zu geben, da möchte ich gerne einmal den Vorwurf in den Raum werfen, der öfter mal geäußert wird – meistens von Männern. Ein Kind zu bekommen, ganz alleine als Single, ist wahnsinnig egoistisch.  Das ist mir persönlich noch nie begegnet. Aber im Bereich Social Media, in Kommentaren oder so, ist das ein recht typischer Vorwurf. Für mich ist es dann so okay. Ich ignoriere das, weil die Person hat sich nie wirklich mit mir auseinandergesetzt, nicht mit meiner Situation. Die sagt einfach irgendwas.  Aber es kann natürlich trotzdem sein, dass es einen trifft. Und es kann auch sein, dass man sich selber darüber ja auch schon Gedanken gemacht hat.  Wie gehst du mit so einem Vorwurf um? Das ist aber ganz schön egoistisch, allein ein Kind zu bekommen. Ich glaube, dass gerade dieser Punkt Egoismus für ganz, ganz viele Frauen ein Knackpunkt ist, die sich eben mit diesem Thema beschäftigen. Ich habe diese Frage sehr, sehr, sehr intensiv gestellt, vorher – interessanterweise, aber überhaupt nicht mit Blick auf die Gesellschaft, sondern tatsächlich im Hinblick auf mein Kind. Wenn er dann Teenager ist und ganz doll Liebeskummer hat, dann macht er mir vielleicht Vorwürfe und sagt „Nur weil du so egoistisch warst und unbedingt ein Kind haben wollen bin ich jetzt auf der Welt und muss leiden“. Ich habe mir dann eher solche Sachen vorgestellt. Aber ich hoffe einfach mal, dass ich darauf das beste aller Argumente habe, nämlich dass ich mir diesen kleinen und dann natürlich großen, tollen Jungen so sehr von ganzem Herzen gewünscht habe, dass ich dafür diesen Weg auf mich genommen habe und dass ich einfach so viel zu geben habe, so viel Liebe, so viele Werte, dass ich ihm die Welt zeigen und ihm auch ein fantastisches Leben ermöglichen will und wollte. Und dass ich das ehrlicherweise nicht als egoistisch empfinde. Es liegt halt auch in unserer Natur, das zu wollen. Wenn du in einer Beziehung Kinder kriegst, dann wirft dir das hinterher auch keiner vor, dass du so egoistisch warst und Kinderkriegen wolltest. Das heißt, für mich habe ich das auf dieser persönlichen Ebene gelöst. Wenn du sagst, dass solche Phrasen tatsächlich eher von Männern kommen, dann könnte ich jetzt natürlich, wenn ich böse wäre, sagen, die haben vielleicht Angst, dass sie irgendwann abgeschafft werden, in Anführungsstrichen, wenn sich Frauen „nur“ wegen eines Kinderwunsches eben nicht mehr mit einer schlechten Beziehung zufrieden geben, sondern lieber ein gutes Leben als Solomama wählen. Größer gefasst meinen diese Leute vielleicht aber auch, dass diese Entscheidung egoistisch gegenüber der Gesellschaft ist, weil sie meinen, dass man irgendwelche Unterstützung bekommt, die anderen vielleicht auch angeblich nicht zusteht? Oder dass man irgendwie das Sozialsystem ausnutzt oder was auch immer. Aber dazu muss man zum einen sagen, sich für den Weg als Solomama zu entscheiden, ist in allererster Linie ja erstmal die Entscheidung zu einer möglicherweise monatelangen Kinderwunschbehandlung, die sehr teuer werden kann. Und die Kosten dafür werden nicht von der Krankenkasse oder so übernommen. Das ist nur der erste Schritt. Wenn das Kind dann da ist, gibt es ja vom Staat keinerlei Unterstützung. Es ist ja auch nicht so, dass man jetzt sagen könnte, wir nutzen das Sozialsystem aus. Es gibt Kindergeld, klar, das ist aber, wie der Name schon sagt, eine Unterstützung fürs Kind und steht jedem Kind in Deutschland zu, unabhängig davon, wie es entstanden ist. Aber sonst gibt es einfach mal rein gar nichts. Und wenn es noch mal ein bisschen überspitzt sagen darf: Wenn ich mich statt dieses direkten, geradlinigen Wegs über die Samenspende, wenn…

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„Es war nie verboten, alleinstehende Frauen in Deutschland zu behandeln.“

Auch wenn die Berliner Kinderwunschtage am 07. und 08. März 2020 (vermutlich) aufgrund des Corona-Virus’ ziemlich zusammengeschrumpft waren, gab es einige spannende Vorträge anzuhören. Einer davon war Die Samenspendetherapie – vom Erstkontakt zum Baby von der Diplom-Ingenieurin in medizinischer Biotechnologie Ann-Kathrin Klym, die als Laborleiterin bei der Berliner Samenbank arbeitet. Seit dem 1. Juli 2018 dürfen auch Singlefrauen Sperma über diese Samenbank beziehen, was ein guter Grund für mich war, mir den Vortrag anzuhören. Ann-Kathrin Klym beantwortet verschiedene Fragen rund um den Ablauf der Spenderauswahl, erläutert die Kriterien, die ein Samenspender erfüllen muss, um zugelassen zu werden und warum die Kosten für die Proben der Samenspender so hoch sind. Auch erfahre ich, was ein Spender-Burnout ist, warum eventuell bald Homosexuelle als Spender zugelassen werden könnten und wie bzw. wann man seine Kinder aufklären sollte, wenn sie von einem Samenspender abstammen. „Die Berliner Samenbank wurde 1999 gegründet und existiert somit über 20 Jahre. Es gibt deswegen auch schon die ersten volljährigen Spenderkinder, die über Spendersamen der Samenbank gezeugt wurden. Uns ist es ein Anliegen, mit allen Akteuren in Kontakt zu bleiben, natürlich auch mit den Spenderkindern. Deswegen ist uns die Perspektive der Kinder wichtig, die aus dieser Samenspende entstanden sind. Das ist ein ganz wertvoller Beitrag, weil wir so die Perspektive der Betroffenen in unsere Arbeit mit einfließen lassen können. Seit 1999 sind ungefähr 1.000 Kinder entstanden. Das entspricht circa 50 Kindern pro Jahr, wobei diese Tendenz ansteigend ist und das eher exponentiell. In den letzten Jahren haben viel mehr Personengruppen Samenspenden in Anspruch genommen, was auch damit zusammenhängt, dass wir uns auch für alleinstehende Frauen geöffnet haben. Dadurch gibt es immer mehr Kinder, die durch eine Samenspende entstanden sind. Es gibt einige juristische Grundlagen, die wichtig für uns sind. Seit 2007 sind wir nach dem Arzneimittelgesetz zugelassen. Das sind die Paragrafen 20 B und C. Paragraf B regelt die Gewinnung von Gewebe und die Laboruntersuchungen, Paragraf C die Verarbeitung, Lagerung und das Inverkehrbringenden von Gewebe. In gewisser Weise werden Samenzellen wie ein Arzneimittel behandelt. So kann man sicher sein, dass man das “Produkt” bekommt, was die Sicherheit eines Arzneimittels aufweist. Zusätzlich unterliegen wir dem Transplantationsgesetz. Das heißt: Alle unsere Spender sind nach diesem Transplantationsgesetz getestet und zur Spende freigegeben worden. Die TPG-Gewebeverordnung, die Arzneimittel-Wirkstoffeherstellungsverordnung und, seit 2018, auch das Samenspenderregistergesetz (SaRegG). Wir als Samenbank bilden die Schnittstelle zwischen allen Beteiligten. Das sind einerseits die Samenspender, die Kinderwunschzentren, die unterschiedlichen Gruppen an Empfängern, die Spenderkinder und alle möglichen Organisationen, die irgendwie mit dem Thema Samenspende zusammenhängen. Es gibt einmal den Arbeitskreis für Donogene Insemination, der 1996 gegründet wurde, weil es keine staatliche Regulierung gab, die die Arbeit von Samenbanken steuert. Im Arbeitskreis haben sich alle deutschen Samenbanken, die nach dem Arzneimittelgesetz zugelassen sind, zusammengetan, ihre eigenen Richtlinien erstellt und versucht, Qualitätsstandards zu erarbeiten, die auch regelmäßig verbessert werden. Dann gibt es das DI-Netz. Das ist eine Vereinigung von Familien, die durch Samenspende entstanden sind. Dort kann man nachlesen, wie es Familien geht, die durch eine Samenspendenbehandlung entstanden sind. Auch kann man verschiedene Erfahrungsberichte nachlesen. Wenn man Fragen hat, kann man sich ebenfalls dort hinwenden und schauen, ob man dort eine Antwort auf seine Frage bekommt oder aus den Erfahrungen der anderen schöpfen kann. Dann gibt es z.B. das Regenbogenfamilien-Zentrum, die sich speziell auf Regenbogenfamilien spezialisiert haben. Und die alle versuchen wir als Schnittstelle im Auge zu behalten und dahingehend zu vermitteln. Wenn wir sehen, es gibt ein Bedürfnis auf der einen Seite, versuchen wir das an die andere Seite weiterzuleiten und unsere Funktion zu nutzen, dass wir wissen, wer alle Beteiligten sind. Die Empfänger der Spendersamen setzen sich zusammen aus ungefähr 50% lesbischen Paaren, 30% heterosexuellen Paaren und 20% alleinstehende Frauen, die wir seit dem Samenspenderregistergesetz vom 1. Juli 2018 auch behandeln. Der prozentuale Anteil der Alleinstehenden steigt stark an. Eigentlich war es nie verboten, alleinstehende Frauen in Deutschland zu behandeln. Es war allerdings juristisch sehr unsicher, da der Samenspender nicht wirklich vor jeglichen Forderungen geschützt war. Durch das Samenspenderregistergesetz, an dessen Entstehung wir auch beteiligt waren, wurde ein zentrales Register beim BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte) (ehemals beim DIMDI) geschaffen. Dort werden die Spenderdaten für 110 Jahre hinterlegt. Das heißt: Jede auskunftsberechtigte Person, also jedes Kind, das durch eine Samenspende entstanden ist, hat damit potentiell das Recht, mit 16 Jahren auf die Daten des Spenders zuzugreifen. Damit wurde sichergestellt, dass jedes Kind, das durch eine Samenspende entstanden ist, auf seine Abstammungsdaten zugreifen kann. Dabei ist es immer wichtig, das Kind im Auge zu behalten. Wir empfehlen zu 100% einen offenen Umgang, wie das Kind entstanden ist. Aber das Kind soll selber entscheiden können, ob es die Identität des Spenders erfahren möchte oder nicht. Es ist ganz wichtig, dass man sein Kind begleitet und schaut: Was braucht das Kind? Es kommt auch vor, dass ein Kind sagt “Jetzt möchte ich wissen, wer der Spender ist” und sobald die Frage formuliert wurde merkt das Kind “Oh, irgendwie ist das gerade doch eine Nummer zu groß für mich”. Wir hatten beispielsweise mal ein 10-jähriges Kind, das die Anfrage nach seinem Spender gestellt hat. Aber zwei Wochen später kam die Nachricht des Kindes “Ich möchte es gerade doch nicht wissen. Aber es fühlt sich gut an, dass ich es jederzeit erfahren könnte.” Und es ist ganz wichtig, dass man das Ganze aus der Perspektive des Kindes sieht und sich als Eltern zurücknimmt. Von vielen Eltern erfahren wir, dass es ihnen unter den Nägeln brennt, zu wissen: Wer ist dieser Mann? Aber es ist das Kind, das das Tempo vorgibt. Das Samenspenderregistergesetz hat viele Vorteile, allerdings auch einige Nachteile. Und es gibt noch viel Verbesserungsbedarf. So gilt es beispielsweise nur für die ärztlich unterstützte künstliche Befruchtung. Das bedeutet: alle Heiminseminationen können dort nicht gemeldet werden. Alle Kinder, die darüber entstehen, haben nicht die Möglichkeit auf dieses staatliche Register zuzugreifen. Was möglich wäre, aber (noch) nicht vorgesehen ist: Eine freiwillige Meldung von Altfällen. Das heißt, alle Kinder, die durch eine Behandlung vor dem 01.07.2018 entstanden sind, müssen sich an ihre Samenbank wenden. Erst alle Kinder, die nach dem 01.07.2018 entstanden sind, können sich an diese zentrale staatliche Stelle, das BfArM, wenden. Es gibt also in jedem Fall Nachbesserungsbedarf beim Samenspenderregistergesetz. Wichtig ist, dass durch das Samenspenderregistergesetz der Ausschluss der rechtlichen Vaterschaft des Samenspenders gewährleistet ist. Er hat also keine finanziellen oder unterhaltsrechtlichen Ansprüche zu befürchten. Es war sehr wichtig, dem Spender eine Schutzposition zu bieten. Die folgende Grafik stellt den Meldefluss dar: Als Entnahmeeinrichtung gewinnen wir den Samen und versehen diesen mit einer eindeutigen Spendenkennungssequenz. Diese wird mit an das Kinderwunschzentrum gesendet, sodass man eindeutig zuordnen kann, zu welchem Spender die Probe gehört und von welchem Abgabedatum sie ist. Das Kinderwunschzentrum muss die Patientin vor der Verwendung dieser Probe darüber aufklären, dass ihre Daten – im Falle einer Geburt oder wenn man davon ausgeht, dass ein Kind entstanden sein könnte, sich die Frau aber nicht zurückgemeldet hat – ihre Daten an das BfArM übertragen werden. Die Frau ist eigentlich in der Pflicht, dem Kinderwunschzentrum zu melden, wenn ein Kind entstanden ist bzw. wenn sie schwanger oder nicht schwanger geworden ist. Wenn ein Kind geboren wurde oder wenn der Behandlungsausgang unklar ist, werden die Daten der Empfängerin an das BfArM gemeldet. Dort lagern diese für 110 Jahre. Sobald diese Daten beim BfArM eingehen, wendet sich das BfArM an die Samenbank, fragt die Spenderidentität an und diese Spenderidentität wird dann ans BfArM übertragen und dort, zusammen mit den Daten der Empfängerin, für 110 Jahre aufbewahrt. Ab dem Zeitpunkt besteht die Möglichkeit für eine auskunftsberechtigte Person, die Daten zu erfragen. Wenn später eine auskunftsberechtigte Person eine Anfrage stellt, wird der Samenspender informiert, dass seine Daten freigegeben werden. Vier Wochen nach der Anfrage erhält die auskunftsberechtigte Person diese Daten des Spenders, sodass diese Person eindeutig identifiziert werden kann. Es ist wichtig, wie man sein Kind darauf vorbereitet, wie und ob es Kontakt aufnimmt. An sich kann es Kontakt aufnehmen, aber natürlich möchte man den Spender auch nicht schocken, sodass es nicht gut wäre, die Adresse des Mannes ausfindig zu machen und dann dort aufzuschlagen. Stattdessen kann die erste Kontaktaufnahme dezent mit einem Brief erfolgen oder über eine E-Mail, wenn man die Adresse herausfindet, weil der Spender sich in der Zeit auch sein Leben aufbaut, vielleicht seine eigene Familie gegründet hat. Das sollte man bedenken, dass behutsam vorgegangen wird. Wir versenden deutschlandweit an Kinderwunschzentren. Alle Kinderwunschzentren, mit denen wir zusammenarbeiten, haben auch diese Herstellungserlaubnis nach dem Arzneimittelgesetz und nur an diese dürfen wir auch versenden. An normale gynäkologische Praxen ist der Versand leider nicht möglich. Wie der Versand und die Bearbeitung der Proben erfolgt ist in einem Kooperations- und Verantwortungsabgrenzungsvertrag geregelt. Wir versuchen, das Ganze so klimaneutral wie möglich zu machen; deswegen findet innerhalb der Stadt der komplette Transport nur mit Lastenrädern statt, überland dann klimaneutral. Das ist so ein Mini-Beitrag dafür, wenn wir Kindern dabei helfen, zu entstehen und dabei auch viel Labor-Müll produzieren. Sie würden sich als Empfängerin an uns wenden, dann würden wir Ihnen Infomaterial zuschicken und sie bekommen eine Liste, wie alles abläuft. Man braucht auf jeden Fall ein Kinderwunschzentrum und eine Samenbank. Diese Prozesse sollten gleichzeitig ablaufen, damit Sie sich um einen Samenspender kümmern und sich das Kinderwunschzentrum um die medizinischen Belange kümmert. Das Kinderwunschzentrum schaut vielleicht, sind die Eileiter durchgängig, macht eine Hormondiagnostik und so weiter. Das ganze sollte parallel laufen, damit man dann, wenn man im Zyklus starten möchte, bereits einen Spender ausgewählt hat. Wir verfügen über ein Potential von ungefähr 150 Spendern, das schwankt etwas. Die Tendenz derjenigen, die als Spender geeignet sind, ist stark rückläufig. Wer sind die Samenspender überhaupt? Das ist die große Unbekannte. Als ich vor neun Jahren in der Samenbank angefangen habe, zu arbeiten, waren für mich die Fragen: Sind das Leute, die einfach so von der Straße kommen? Kommen die nur ein Mal zum Spenden? Was sind das für Männer? Machen die das nur des Geldes wegen? Das sind Fragen, die sich in den letzten neun Jahren für mich geklärt haben. Es gibt kein wirkliches Gesetz, das vorschreibt, wie die Spender sein müssen. Aber der Arbeitskreis für Donogene Insemination hat sich Empfehlungen zur Spenderauswahl überlegt. Der Spender sollte volljährig und jünger als 40 Jahre alt sein. Wir haben bei der Berliner Samenbank eine Altersspanne von 20 bis 38 Jahre. 18 Jahre als volljährig erscheint uns ein bisschen jung. 20 Jahre ist zwar auch noch sehr jung, aber die 18-Jährigen wollen wir noch nicht gleich involvieren, weil der ganze Prozess der Samenspende mit einem hohen psychischen Aufwand verbunden ist. In England ist das Phänomen Samenspende sehr gut erforscht und da gibt es den wissenschaftlichen Begriff “Spender Burnout”: Wenn also später die Kinderanfragen auf den Spender zukommen, kann der Spender das ganze psychisch und emotional gar nicht händeln. Deswegen ist eine 18-jährige Person vielleicht noch nicht ganz in der Lage abzuschätzen, was das für Konsequenzen haben kann. Wir versuchen dem vorzubeugen, indem wir die Samenspender gut aufklären, indem wir ihnen nahelegen, ein psychologisches Beratungsangebot für sich selbst in Anspruch zu nehmen, weil er dann doch unter ziemlichen Druck geraten kann. Da gibt es einige Männer, die abspringen, wenn wir ihnen sagen, dass es ziemlich stressig werden kann. Sie schieben das vielleicht jetzt von sich weg, aber in 20 Jahren kommen die Kinder, und dann ist der Zeitpunkt da, wo bis zu 15 Kinder hinzukommen können. Damit muss man umgehen können, neben den eigenen Kindern, die man selbst auch noch hat und der Familie. Dann sollte der Spender in guter körperlicher und seelischer Verfassung sein, frei von übertragbaren Erkrankungen – welche das sind, sind in der TPG-Gewebeverordnung festgelegt –, freiwillig und nicht aus Not heraus spenden. Außerdem sollte er keiner Risikogruppe angehören. Das würde, per Definition, Homosexuelle ausschließen. Aber der Arbeitskreis Donogene Insemination überlegt, dieses Kriterium aus den Empfehlungen rauszunehmen, weil sie mittlerweile 25 Jahre alt sind. Statistisch ist es zwar so, dass in Risikogruppen bestimmte Erkrankungen wie HIV und Hepatitis häufiger vorkommen. Aber wir führen bei jeder Spende auch eine Blutuntersuchung durch, und nur die Proben, die 100% infektionsfrei sind, werden auch freigegeben. Das heißt: man müsste die Sicherheit dieser Bluttests…

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„Ich wollte, dass mein Kind in dem Wissen aufwächst, wer sein Vater ist.“

Es muss nicht immer der Gang zur Samenbank und ins Kinderwunschzentrum sein, wenn du ohne Partner schwanger werden möchtest. Immer mehr Frauen entscheiden sich für einen privaten Samenspender, der über ganz verschiedene Wege rekrutiert werden kann. Luisa hat hierfür die Plattform familyship genutzt, auf der sie den biologischen Vater ihrer heute 2,5-jährigen Tochter kennenlernte. Ganz offen spricht sie über den (vermeintlichen) Druck, einen Partner finden zu müssen, über ihren Kinderwunsch und darüber, welche Vorteile ein privater Samenspender und eine erweiterte Familie mit Halbgeschwistern ihrer Tochter haben kann. FAST FACTS Name: Luisa (35) ; du kannst ihr hier auf Instagram folgen Wunschkind: Tochter, 2,5 Jahre Zu Hause in: Berlin Schwanger durch: Heiminsemination mit privatem Spender Geklappt hat es…: nach 2 Heiminseminationen innerhalb eines einzigen Zyklus‘ Ich habe als Kind schon immer gesagt “Ich will mal ein Kind, aber keinen Mann!”. Das war irgendwie immer mein Plan. Soviel zum Thema, ob ich ein traditionelles Familienbild im Kopf hatte … Beim Älterwerden habe ich mir erfolgreich eingeredet, dass ich eigentlich gar keine Kinder haben will; zum einen, weil ich keinen Partner hatte und das auch gar nicht mein Ziel war, zum anderen gab es in meinem Leben so viele Umwege, dass ich dachte, mich als Mama könne man keinem Kind antun. Dieses Partnerthema ist mir tatsächlich auch unangenehm. Ich fühle mich damit immer ein wenig besonders, aber nicht im positiven Sinne. Schließlich ist es das „Normale“, dass man einen Partner möchte und es scheint auch das „Normale, sich für sein Kind eine klassische Familie zu wünschen. Zumindest ist es das, was die meisten Leute anstreben und ich eben so gar nicht. Das ist einfach nicht mein Weg. Tatsächlich war es bei mir noch nie anders. Ich habe noch nie gedacht, ich hätte jetzt supergerne einen Partner. Es gab Zeiten, da habe ich gedacht, ich muss es doch, ich muss das doch auch wollen und ich muss jetzt mal jemanden finden. Aber das war immer nur ein vermeintlicher Druck von außen, den mir an sich keiner aktiv gemacht. Wenn ich mich mit irgendjemandem treffe oder auch in Gruppen, dann kommen meist alle mit Partner. Nicht, dass ich es mir wünschen würde, aber ich würde mir wünschen, dass ich ohne nicht so einen gesonderten Status hätte. Vielleicht empfinden das andere gar nicht so, aber ich habe das Gefühl, dass ich einfach anders, „komisch“ bin, weil ich gar nicht den Wunsch habe, einen Partner zu finden. Lange habe ich in der Einzelfall- und Familienhilfe gearbeitet und dort u.a. ein Kind betreut, das aus der Familie genommen werden musste. Das kleine Mädchen musste dann sehr kurzfristig und sehr intensiv von einem Team betreut werden, zu dem unter anderem auch ich gehörte. Während der Betreuung kam irgendwann der Gedanke: Bäm! Ich will ein Kind. Jetzt. Mir wurde klar, dass ich mir jahrelang nur vorgemacht habe, kein Kind zu wollen und dass ich ohne nie glücklich, nie „komplett“ sein würde. Ich hatte mit meinem besten Freund, der auch keine Freundin hatte, immer schon ein bisschen rumgeblödelt “Wir können das ja zusammen machen”. Der wollte aber eigentlich immer schon ein bisschen mehr von mir, woran das „Projekt“ letztlich auch mit gescheitert ist. Es gab viele Diskussionen, denn wir hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen. Ich wollte z.B. nicht mit ihm schlafen, aber alles andere war für ihn keine Option. Und das war wiederum für mich keine Option. Im Rahmen dieser Entscheidungsfindung ist noch einiges vorgefallen, und dann haben wir uns ziemlich gestritten. Das hat unsere Freundschaft ganz schön auf die Probe gestellt. Auf der Suche nach anderen Möglichkeiten fiel der Begriff Co-Parenting. Ich habe mich da ein bisschen schlau gemacht und bin auf die Plattform familyship gekommen, wo es genau darum geht, den richtigen „Partner“ für das „Projekt Kind“ zu finden. Dort kann man auch angeben, was man möchte, also etwa nur eine Spende ohne weiteren Kontakt, Vater mit Vaterfunktion, Vater mit Onkelfunktion etc. Über diese Plattform habe ich mit ein paar Männern geschrieben, mich dann auch mal mit einem getroffen. Mir war an sich relativ egal, wer es ist, ich wollte nur, dass er gesund ist und dass es kein farbiger Mann ist. Und mir war ganz wichtig, dass alle Rechte bei mir liegen, der Mann umgekehrt keine Pflichten hat, aber dass das Kind Kontakt haben kann, wann immer es möchte. Dass das Kind in dem Wissen aufwächst, wer sein Vater ist. Wenn meine Tochter ihn irgendwann Papa nennen will, ist das ihre Entscheidung. Ich rede über ihn mit seinem Vornamen bzw. sage „dein Vater“. Mit dem ersten Mann, mit dem ich mich ein paar Mal getroffen habe, stimmte letztlich die Chemie einfach nicht. Erst war ich sehr frustriert, weil ich dachte, jetzt geht die Suche wieder von vorne los. Ging sie natürlich auch, aber dann bin ich schnell auf den jetzigen Vater meiner Tochter gestoßen und wir waren uns von Anfang an sehr sympathisch. Wir haben uns zwei oder drei Mal getroffen und er konnte auch total mitgehen damit, wie ich mir das alles vorstelle. Und dann ging es schnell. Im Juli, da war ich 32 Jahre alt, war der starke Wunsch da, jetzt Mama zu werden. Im Oktober habe ich den biologischen Vater meiner Tochter getroffen, dann haben wir es einen Zyklus lang mit zwei Inseminationen zu Hause probiert. Und Ende November war ich bereits schwanger! An meinem 33. Geburtstag, Ende Januar, äußerte die Frauenärztin zum ersten Mal die Vermutung, dass es ein Mädchen wird. Nicht, dass es für mich eine Überraschung war, ich hatte diesen Test in der Hand und wusste, es ist ein Mädchen, aber da war dann sozusagen die Bestätigung. Es gab auf jeden Fall Ängste, Zweifel und Sorgen. Ich habe eine chronische Erkrankung, Multiple Sklerose. Mir geht es gut. Mir geht es seit 12 Jahren gut, die Ärzte sprechen von einem sehr guten Verlauf. Aber trotzdem gibt es keine Garantie, dass das auch so bleibt. Und ich hatte natürlich Angst: Wie wird es sich entwickeln, was passiert mit dem Kind? Schaffe ich das, bin ich überhaupt in der Lage, ein Kind großzuziehen? Diese Verantwortung zu haben: was ist, wenn etwas passiert? Auch finanziell, weil klar war, der Vater wird keinen Unterhalt zahlen. Ich habe mit meiner Familie darüber geredet und habe eigentlich gedacht, die zeigen mir alle den Vogel. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Sie haben einstimmig gesagt, sie finden es toll, und wenn das mein Weg ist, dann ist das mein Weg. Ich muss ihn nicht alleine gehen und es wird immer Unterstützung da sein. Ich habe noch zwei Schwestern, die beide selber einen sehr komplizierten Weg zum Kinderkriegen hatten und wissen, wie sich Kinderwunsch anfühlt und wie es ist, dann ein Kind zu haben. Von daher war von Anfang an sehr viel Unterstützung da. Meine eine Schwester war auch beim Schwangerschaftstest dabei. Eigentlich war sogar der Plan, dass sie mit zur Geburt kommt, das hat dann aber nicht geklappt, weil sie an dem Tag erst aus dem Urlaub kam. Stattdessen war meine Mutter dabei und meine Schwester ist dann abends quasi von der Autobahn in den Kreißsaal gekommen; da war die Kleine gerade geschlüpft, vielleicht eine Minute alt. Ich habe mich übrigens deswegen für einen privaten Spender entschieden, weil ich das mit der Samenbank gar nicht wusste. Ich war noch auf dem Stand, dass das in Deutschland illegal ist und ich für eine Behandlung ins Ausland gehen müsste. Allerdings weiß ich auch nicht, ob ich es anders gemacht hätte, wenn ich es gewusst hätte. Bei privaten Spendern ist es natürlich ein Risiko, was beide Seiten eingehen. Aber mir war es schon wichtig, dass mein Kind Kontakt zum Vater hat, und deswegen ist diese Entscheidung auch heute noch die richtige. Mit dem Spender habe ich mich von Anfang an gut verstanden, da war ganz klar eine Sympathie da. Ich habe gesagt, wie ich es mir vorstelle, was für ihn so alles okay war. Ich hatte das Gefühl, ich kann ihm vertrauen, dass er sich an die Vereinbarung hält und offenbar hat er mir auch vertraut. Was nicht heißt, dass es nicht trotzdem ein Risiko war. Aber es gab eine Basis, auf der wir uns das beide vorstellen konnten. Dieses Risiko besteht natürlich für beide Seiten. Wir haben keinen Vertrag. Dazu habe ich mich anwaltlich auch beraten lassen, es bringt nichts. Als Vater hat er theoretisch Rechte (und Pflichten!), als Kind können Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden etc. Selbst wenn wir heute versichern, wir werden davon keinen Gebrauch machen und einer entscheidet sich übermorgen um, dann hat der Vertrag überhaupt keine Bedeutung. Deswegen gibt es den gar nicht erst. Es gibt nur unser Wort. Ich werde definitiv nie irgendwelche Rechte einfordern, Unterhalt oder ähnliches, auf keinen Fall. Ich werde auch alles daran setzen, dass meine Tochter es nicht tut, werde versuchen, dass sie nicht in eine Situation kommt, in der sie darauf angewiesen ist. Und selbst wenn sie irgendwann sagt, sie möchte aber Geld, werde ich ihr sagen “Überleg mal, was das für ein großes Geschenk war, was er uns gemacht hat”. Ich werde ihr nie dazu raten. Aber letztendlich kann ich nichts dagegen tun, wenn sie eines Tages den Unterhalt einklagen möchte. Das ist das Risiko des Vaters. Meine Tochter ist jetzt 2 Jahre und 5 Monate und wir stehen in gutem Kontakt mit dem Vater. Wir reden ihn beide mit dem Vornamen an. Ich sage ihr zwar “Das ist dein Vater”, aber das ist natürlich noch nichts, das sie versteht. Von “Papa“ rede ich nicht, obwohl  sie mit dem Begriff Papa eher etwas anfangen könnte. Die Kleine mag ihn sehr und braucht überhaupt keine Anlaufzeit, wenn er hier ist. Dann ist sie sofort bei ihm auf dem Arm, er spielt mit ihr und sie ist total glücklich. Ich höre sie dann immer nur gackern. Zwischen ihm und mir ist es sehr freundschaftlich. Der Kontakt ist aber eher sporadisch. Er wohnt nicht mehr in Berlin, kommt aber immer mal her, zumal es hier noch drei andere Kinder gibt. Das ist im Schnitt alle zwei, drei Monate, würde ich schätzen. Dazwischen schreiben wir uns gelegentlich über WhatsApp. Mittlerweile kennen wir auch die anderen Mamas und Kinder. Da gibt es ein kleines Mädchen, die ist 1,5 Jahre jünger. Mit der Mutter war es nett, allerdings denke ich nicht, dass daraus ein großer Kontakt entstehen wird. Es ist aber schön, dass wir uns kennengelernt haben, dass wir wissen, wie wir einander erreichen können. Mit der anderen Familie, das sind zwei Mamas, ist eine richtige Freundschaft entstanden. Wir sehen uns oft, der große Sohn ist zwei Monate älter als meine Tochter und die beiden sind ein richtiges Gespann. Der Kleine ist kurz vor Weihnachten geboren. Ich erkläre meiner Tochter, dass sie und die anderen Kinder den gleichen Vater haben, aber ich spreche nicht von Halbbruder und Halbschwester, sondern sage einfach ihre Namen. Irgendwann, wenn sie etwas älter ist, wird sie darauf schließen, dass es Halbgeschwister sind, das ist auch okay. Mir ist wichtig, sie in keiner Weise anzulügen. Für mich ist es ein bisschen Patchwork 2.0, wobei ich mich nicht als Familie fühle, sondern als wirklich gute Freunde. Ich freue mich so sehr, wie sich alles entwickelt hat und kann klar sagen: Das war und ist mein Weg! (Letztes Update 27. Juli 2021)

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So findest du deine Kinderwunschklinik im Ausland

{Anzeige} Egal, ob du ein Kind ohne Partner bzw. als Solomama eines bekommen möchtest oder als gemeinsames Paar eine IVF-Behandlung oder Eizellspendenbehandlung machst: der Weg zum Wunschkind ist nicht immer ganz einfach. Man braucht viel Unterstützung, Verständnis und – wenn möglich – auch ein paar gute Tipps. Es ist nicht ungewöhnlich, dass viele ihren Kinderwunschweg in IVF-Foren und Facebookgruppen starten. Sie suchen Hilfe und Rat von anderen, die schon Erfahrung mit einer In-Vitro-Fertilisation gemacht haben. Worüber sich die meisten einig sind: man braucht einen Ort im Netz, wo es alle Infos auf einen Schlag gibt: verlässliche Informationen über IVF und Eizellspende Ratschläge und Wegweiser für alle Patientinnen Als ich vor einiger Zeit zum Thema Eizellspende recherchiert habe – wir erinnern uns: diese ist in Deutschland nicht legal – bin ich auf die Seite EggDonationFriends.com gestoßen, die extrem viele und super recherchierte Infos anbietet. Damals noch ausschließlich auf Englisch, wendet sich das Portal inzwischen auch explizit an deutsche Nutzerinnen. Ein guter Grund, mir nochmal genau anzuschauen, was die Seite so alles bietet. EggDonationFriends.com ist eine Online-Plattform für Frauen, die sich für IVF- und Eizellspenden-Behandlungen interessieren. Es gibt dort richtig gut aufbereitete und gebündelte Informationen: Vergleiche von IVF-Behandlungen, Suchmöglichkeiten nach verschiedenen IVF-Kliniken und nach bestimmten Ärzten, verlässliche Klinikempfehlungen und sogar Hinweise auf Kliniken, die man meiden sollte. Das Team von EggDonationFriends spezialisiert sich auf Patientinnen und steht für Transparenz, speziell auf die Erfolgsquoten bezogen. Natürlich auch für andere wichtige Informationen. Du besuchst die IVF-Kliniken persönlich und prüfst, ob die Standards tatsächlich eingehalten werden und die Klinikwerbung den Tatsachen entspricht. EggDonationFriends stellt alle Dienstleistungen kostenlos für alle Patientinnen zur Verfügung. Worauf ich besonders hinweisen möchte ist ein ganz frisches Projekt, das an den Start geht: #IVFWEBINARS. Sprich LIVE mit IVF-Experten und stelle deine Fragen bei #IVFWEBINARS Worum geht’s bei den Webinars von EggDonationFriends? Erstmal wirst du mit medizinischem Wissen versorgt und darüberhinaus in alle Geheimnisse eines IVF-Ablaufs eingeweiht. Wie funktioniert das? Mit den IVF-Webinaren und IVF-Answers. Diese Vorträge sind vollgepackt mit professionellen, vertrauenswürdigen und verlässlichen Inhalten und werden immer von den besten IVF-Spezialisten präsentiert. Aber das ist nicht alles: die Webinare finden wöchentlich statt, das heißt jede Woche gibt es eine weitere Chance die besten Ärzte, Embryologen, Psychologen oder Hebammen kennenzulernen, die echte IVF-Paare und Solomamas betreuen. Menschen mit speziellen Problemen, detaillierte medizinische Probleme, schweren Erfahrungen wie Fehlgeburten oder ethisches Dilemma. Komm zu den #IVFWEBINARS IVF Webinars – online ansehen und Terminkalender prüfen Bei den #IVFWEBINARS wird ein breites Expertenspektrum abgedeckt, so dass man die Chance hat, die besten IVF-Ärzte und Embryologen der Welt kennenzulernen. Diese Experten kennen jedes Detail einer IVF und teilen ihr unbezahlbares Wissen mit dir. Es gibt Informationen über IVF im Ausland, Spendereizellen, Embryoqualität, IVF-Versagen, PGS/PGD und noch viele andere medizinische Themen – unter anderem auch über psychologische Unterstützung. Ein paar der bisherigen Videos von den #IVFWEBINARS:   Mein Tipp, wenn dich das interessiert: abonniere einfach den EggDonationFriends-YouTube-Kanal. Dort sind alle Video-Episoden gespeichert und bringen dich auf den neusten Stand der Dinge. Bisher habe ich keine vergleichbare Seite wie EggDonationFriends gefunden – bin natürlich offen und dankbar für Tipps – die so ausführlich relevante Themen bespricht. Besonders auch in Bezug auf die breitgefächerte Unterstützung, die dort angeboten wird und auf die zahlreichen Expertenthemen. Das Team von EggDonationFriends.com weiß, dass eine positive Ausstrahlung ein großer Teil des Erfolgs ist, deshalb gibt es viele Präsentationen von unterstützenden Spezialisten, die mit der Stressbewältigung helfen, erklären wie man mit schwierigen Situationen umgeht und wissen wie man diesen überwältigenden Prozess anpackt. Das macht EggDonationFriends einzigartig. Du und alle IVF-Patienten sind der Hauptbestandteil und deine Wünsche stehen immer an erster Stelle. Hast du Fragen zu IVF? EggDonationFriends hat die Antwort: #IVFANSWERS Wie bereite ich mich auf den Embryotransfer vor? Was beeinflusst die Embryoqualität? Was ist IMSI und brauche ich das für meine IVF-Behandlung? Vielleicht hast du dir diese oder ähnliche Fragen auch schonmal gestellt, als du dich über IVF und Eizellspende erkundigt hast. Manchmal fällt einem so etwas bei einem Arzttermin ja gar nicht ein, vor Aufregung oder weil man sich erst im Nachgang Gedanken darüber macht. Auch hier kann EggDonationFriends helfen. Stell dir vor, du bekommst die Antworten auf die am häufigsten gestellten IVF Fragen. Einfach so. Mit deinem Laptop oder deinem Smartphone. #IVFANSWERS sind immer kostenlos. Du kannst es zu Hause anschauen oder von unterwegs, im Zug oder im Bus, oder auf dem Weg zur Arbeit. Aber was sind #IVFANSWERS überhaupt? Es sind 2-minütige Podcast-Videos bei dem drei IVF-Experten von verschiedenen IVF-Kliniken die gleiche Frage gestellt bekommen und darauf antworten. So kannst du die Antwort ganz einfach vergleichen. Außerdem ist es doch ganz nett, wenn man die Experten auch mal live sprechen hört und dabei sieht, finde ich zumindest. Ich glaube, die meisten Patientinnen fühlen sich dann gleich besser aufgehoben. Auch super finde ich bei den #IVFANSWERS, dass Patientinnen ihre Fragen einschicken können und die Antwort aufgezeichnet wird. Hierfür stellst du EggDonationFriends entweder über Facebook oder Instagram eine Frage, die noch nicht beantwortet wurde. Interessiert dich eine Frage ganz besonders? Dann schicke sie einfach ein und vielleicht wird sie von drei IVF-Spezialisten aus drei verschiedenen europäischen IVF-Kliniken beantwortet. Besser geht es fast nicht. Willst du noch mehr? Es gibt viel zu lesen, bevor man sich für eine IVF im Ausland entscheidet. Wenn du lieber lesen möchtest und Informationen sowie Ratschläge vor deiner Kinderwunschreise ins Ausland brauchst, dann findest du viele Artikel bei EggDonationFriends. Es gibt Egg Donation Spezialberichte (z. B. IVF-Erfolgsquoten – Mythen & Zahlen aufgedeckt, Was ist eine kumulative Schwangerschafts- oder Lebendgeburtsquote, 7 Fakten die man über Eizellspende-Erfolgsquoten wissen muss – die Wahrheit, die Kliniken verschweigen, oder 9 beliebte Reiseziele – IVF Eizellspende im Ausland) und noch viele andere Artikel in verschiedenen Kategorien: IVF im Ausland IVF Misserfolge IVF Endometriose IVF Emotionen und Unterstützung. Es gibt bestimmt etwas für jede Frau oder jedes Paar, dass sich für IVF entschieden. Alle Artikel kann man jederzeit kostenlos lesen, ohne sich irgendwo eintragen zu müssen. Brauchst du jemand zum Reden? Caroline und Elisabeth sind für dich da Es geht nichts über den Kontakt zu einer echten Person, selbst wenn es nur am Telefon ist. Wenn du jemand zum Reden brauchst, weil du Zweifel hast, deine Pläne nicht klar sind, deine IVF den Bach runter ging, du allein ins Ausland zur IVF reisen musst, oder du jemandem sagen willst, dass du schwanger bist, schnapp dir das Telefon und ruf an. Die Superfrauen Caroline und Elisabeth arbeiten beide für EggDonationFriends in der internationalen Patientenbetreuung und haben immer ein offenes Ohr. Sie sprechen englisch, polnisch und italienisch und rufen sogar zurück oder schreiben dir ein E-Mail. Falls du kein Englisch sprichst, dann schick eine E-Mail in deiner Muttersprache und verlass‘ dich drauf, du bekommst Antwort. Hast du Whatsapp? EggDonationFriends auch. Nutze einfach das Medium deiner Wahl, um in Kontakt zu treten. Außerdem kannst du mit der Hilfe von EggDonationFriends auch mit IVF-Ärzten sprechen: online und kostenlos #IVFCONSULTATION. Es stehen viele Ärzte zur Auswahl und man ist an nichts gebunden. Suchst du nach einer Kinderwunsch- und/oder Eizellspendeklinik im Ausland, dann braucht es seine Zeit und etwas Recherche, bis du die passende Klinik findet. Es geht nicht darum, dass du dich besonders schnell entscheidest, sondern lieber noch ein Mal mehr verschiedene Optionen miteinander vergleichst. Hierfür ist das Portal EggDonationFriends eine super Option. Warum ich doch Werbung mache, obwohl ich es doch eigentlich gar nicht vorhatte, wie du in diesem Beitrag nachlesen kannst? Ich möchte meinen Blog gerne halten. Er ist ein Herzensprojekt und ich erreiche viele Frauen damit, die mir ihre Dankbarkeit ausgedrückt haben, dass es diesen Blog gibt. Allerdings trägt er sich nicht von alleine, und zeitlich ist er auch nicht immer einfach zu managen. Da überlege ich nicht lange, wenn es darum geht unbezahlte Zeit mit meinem Sohn zu verbringen oder unbezahlt einen weiteren Blogpost zu schreiben. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, Kooperationen einzugehen, wenn sie zu meinem Blog passen. Ich habe Angebote abgelehnt, bei denen es um Spieltests für Kinder, um Reisebewertungen, um Bewertungen von Einrichtungsdekos, um Outfit-Checks oder um Kochutensilien- und Rezept-Tests ging, weil diese Themen nicht zu meinem Blog passen, unabhängig von meinen persönlichen Interessen. So wird es auch künftig bleiben. Kommt aber jemand auf mich zu, der meinen Blog gelesen und verstanden hat, worum es mir geht, der ist herzlich willkommen, sich an mich zu wenden. PS: Für alle, die es interessiert, was ich als Unterstützung für diesen Blogpost bekomme: Davon darf ich umgerechnet ein Mal bei Rot über die Ampel fahren, ohne jemanden zu gefährden. Reich werde ich damit also nicht 🙂 (Letztes Update 3. November 2021)

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„Ich halte überhaupt nichts von dem Totschlagargument Alter“

Was habe ich mich gefreut, als das Kinderwunschzentrum an der Oper in München auf mich zukam, weil ihnen mein Blog gefällt. Dass ich daraus ein so spannendes Interview mit dem leitenden Reproduktionsmediziner Dr. Jörg Puchta ergeben hat, finde ich ein wertvolles und wichtiges Signal für Singlefrauen und lesbische Paare. Kein Wunder also, dass sich im Kinderwunschzentrum an der Oper Anfragen von Singlefrauen häufen, die sich künstlich befruchten lassen möchten. Schließlich steht das komplette Ärzte- und Praxisteam völlig hinter dem Konzept. Ganz ohne Drama. Leider läuft das bei den meisten anderen deutschen Kinderwunschkliniken oft anders: Entweder erfährt man durch Zufall ganz nebenbei davon, dass Singles und lesbische Paare behandelt werden, da die Klinik das nicht offen kommuniziert. Oder die Kinderwunschärzte weigern sich von Anfang an, Alleinstehende und/oder gleichgeschlechtliche Paare zu behandeln. Im Gespräch mit Dr. Jörg Puchta geht es nicht nur um Bauchpinselei für Kinderwunschärzte, es werden auch ziemlich kritische Worte gefunden. Es geht um Fehler, um zu viele Versprechungen und um das Gefühl der Selbstverständlichkeit. Natürlich wird es auch ein bisschen medizinisch bei den Themen PCO, Endometriose und vorzeitige Wechseljahre. Am Thema „Alter der Frau“ kommt man ebenfalls in keinem Kinderwunschgespräch vorbei. Hierzu hat Dr. Puchta allerdings eine etwas andere Meinung als so mancher Kollege seines Fachgebiets. Was motiviert Sie besonders, in einem Kinderwunschzentrum zu arbeiten? Ich persönlich war von Anfang an dabei, als die ersten künstlichen Befruchtungen gemacht wurden. Das war, als ich noch Medizinstudent war. Ich hatte das Glück, an einer der ersten Kliniken als Student mitzuarbeiten und war von diesen Möglichkeiten, und dass man zum ersten Mal Paaren, die verzweifelt waren, helfen konnte, so fasziniert, das können Sie sich nicht vorstellen. Das ist heute alles so selbstverständlich geworden. Weil ja alles selbstverständlich ist. Wir fliegen um die Welt, das ist selbstverständlich. Aber wir haben kein Gefühl mehr dafür, wie die Dinge früher waren. Und wie großartig die Dinge geworden sind, auf die wir jeden Tag mit der größten Selbstverständlichkeit zurückgreifen. Das war damals die Erfahrung, die ich gemacht habe. Als junger Student hat mich das total fasziniert, und da habe ich gesagt: Das will ich machen! Sie haben als Kinderwunscharzt hervorragende Bewertungen (z.B. auf jameda). Was sind Ihre größten Stärken als Reproduktionsmediziner und Arzt? Empathie, Akkuratesse, unendliche Geduld. Und Optimismus, das ist eine ganz, ganz wichtige Eigenschaft. Ich bekomme ja nicht nur Beschwerden, sondern auch Dankesbriefe, und da sind das die Eigenschaften, die immer wieder herausgestellt werden. Welches Erlebnis hat Sie in Ihrem Kinderwunschzentrum am meisten bewegt? Es gibt unendlich viele Geschichten von verzweifelten Paaren, wo man mit Ausdauer und Zähigkeit und Glauben, wenn es auch noch so religiös klingt, und wo das Wunder, was sich die Paare erwünscht und erträumt haben, am Ende noch eingetreten ist. Davon gibt es natürlich ganz viele Paare. Es gab eine schöne Szene in meinem Leben, eine Anekdote, zu meiner Zeit, als ich als Reproduktionsmediziner angefangen habe. Einer meiner ersten Transfers, also wo ich Embryos in die Gebärmutter zurückgegeben habe. Da kann ich mich noch sehr gut dran erinnern, weil ich ziemlich aufgeregt war, war noch entfernt von jeder Routine. Konnte es noch gar nicht fassen, dass das alles funktioniert, alles war so mikroskopisch klein. Und ich war mir nicht sicher, wo genau ich diese Embryonen platzieren sollte, also an welcher Stelle der Gebärmutter. Die Frau war auch aufgeregt. Wir waren also beide aufgeregt. Wir haben geredet, um uns die Aufregung zu nehmen, und es stellte sich heraus, dass wir beide große Fans von dem deutschen Dichter Gottfried Benn waren. In einem seiner Gedichte heißt es „Die weiße Perle rollt zurück ins Meer“. In diesem Moment, als wir darüber sprachen, habe ich an diese Gedichtzeile gedacht und der Frau gesagt „Das ist es! Die weiße Perle rollt zurück ins Meer“. Sie kannte das Gedicht auch, und wir waren beide total berührt und begeistert davon. Und tatsächlich wurde diese Frau schwanger. Das ist jetzt weit über 20 Jahre her. Aber seitdem ist es immer noch so, dass ich bei vielen Frauen an diese wunderbare Gedichtzeile denke – und sie manchmal auch sage. Das ist auch superschön symbolisch. Und so passend! Super symbolisch. Super poetisch. Was erwartet Wunscheltern, wenn sie Ihr Kinderwunschzentrum aufsuchen? Erstmal sehr freundliche Mitarbeiter. Fachlich gehen wir sehr analytisch vor, sehr klar strukturiert. Wir nehmen bei jeder Frau als allererstes Blut ab. Und wir haben eine neue Technik, die die Ergebnisse dieser Blutanalysen innerhalb von 30 Minuten fertiggestellt. In der Zeit trinken die meisten bei uns Kaffee. Dann reden wir sozusagen über Fakten. Das heißt, wir reden nicht nur über das, was das Paare möchten, also über ihre Geschichte. Sondern wir reden auch über medizinische Fakten, über das was möglich ist und auch das, was nicht möglich ist. Wir reden immer auch darüber, wie lange eine Frau noch schwanger werden kann. Das ist ein ganz ganz wichtiger Punkt! Wir messen also die ovarielle Reserve, wir gucken, wie gut sind die Eierstöcke noch aufgestellt. Es ist ein Jammer, dass das nicht viel häufiger gemacht wird, weil es schon so viele Frauen Mitte, Ende 20 gibt, die in die vorzeitigen Wechseljahre kommen. Vorzeitige Wechseljahre ist ein Phänomen, das „nur“ 1-2% der Frauen betrifft. Aber das ist trotzdem eine sehr hohe Zahl und für die Frauen extrem bitter. In welchem Alter können die vorzeitigen Wechseljahre schon losgehen? Das kann mit Anfang 20 losgehen. Ich habe so viele tragische Fälle gesehen. Diese Frauen nehmen alle die Pille und merken dadurch gar nicht, dass sie in die Wechseljahre kommen. Das heißt, sie nehmen fleißig weiter die Pille. Und wenn sie die Pille irgendwann absetzen, merken sie, dass es schon zu spät ist. Kann man da mithilfe der Reproduktionsmedizin noch aktiv werden? Nein. Wenn der Ofen aus ist, ist der Ofen aus. Da kann die Reproduktionsmedizin nichts mehr machen. Das ist genetisch und das Thema Kinderbekommen ist dann durch. Das ist wirklich bitter. Findet die erste Blutuntersuchung erst statt, wenn man sich dafür entscheidet, sich bei Ihnen behandeln zu lassen oder bereits mit dem ersten Beratungsgespräch? Das wird bereits im ersten Beratungsgespräch gemacht und gehört für uns zum Service und zu einer guten Beratung dazu. Wir möchten auch niemandem seine Zeit stehlen. Das heißt: Jeder möchte klare Aussagen bekommen. Wenn also jemand zum ersten Mal zu uns kommt, honorieren wir das auch, indem wir diesen Service zur Verfügung stellen. Wie lange muss ich einplanen vom ersten Beratungsgespräch bis zum Behandlungsbeginn? Je nach Behandlungsmethode können wir schon sofort, also am ersten Tag starten. Und andere werden zwei, drei Wochen später gestartet. Das ist ja toll. Ich weiß von einigen, wo es teilweise Monate dauert, bis die Behandlung beginnt. Aber manchmal darf man einfach keine Zeit mehr verlieren. Das ist richtig. Sie arbeiten nach dem One-Doctor-Prinzip: Was bedeutet das genau? Hintergrund hierfür ist, dass Kinderwunschbehandlungen oft ziemlich aufwändig sind, im Sinne von: viele Besuche, viele Untersuchungen. Das kann man auch noch optimieren, das nur am Rande bemerkt. Organisatorisch ist das also eine ziemliche Challenge. Die meisten Kinderwunschzentren handhaben das so, dass in einem Zentrum sieben, acht Ärzte arbeiten. Hierbei wird eine Patientin im Laufe ihrer Behandlung von jedem Arzt mal gesehen. Solche Patientinnen erzählen mir dann „Ich habe es nicht mehr ausgehalten, weil ich bei sieben, acht verschiedenen Ärzten die Hosen runtergelassen habe. Und ich fand es ganz furchtbar!“ Das ist auch furchtbar, da es eine sehr intime Form von Behandlung ist, wozu man ein Vertrauensverhältnis braucht. Und was diese Patienten nicht brauchen ist, dass sie jedes Mal bei jemand anderemi die Hosen runterlassen. Das haben wir früher auch so gemacht, wir kennen das also. Organisatorisch ist das auch deutlich einfacher. Klar, denn der Arzt muss nicht ständig da sein, das ist alles dann irgendwie egal. Und irgendjemand wird’s dann schon machen. Aber was wir festgestellt haben ist, dass die Qualität der Betreuung schlechter ist. Weil es immer besser ist, wenn ein Arzt richtig eingearbeitet ist und die Krankengeschichte einer Patientin richtig kennt, den Patienten richtig kennt. Anders sieht es aus, wenn zehn verschiedene Ärzte da mal provisorisch drübergucken. Je mehr Ärzte im Spiel sind, desto schlechter ist das Ergebnis. Und deswegen ist das One-Doctor-Prinzip ein Qualitätskonzept. Aber auch ein Respekt vor der Patientin, wo wir sagen „Wir respektieren dich und deine Not, in der du bist. Und deswegen kümmern wir uns individuell um dich.“ Ein Arzt ist somit verantwortlich und wird auch zur Verantwortung gezogen. Wenn etwas nicht funktioniert, dann kriegt der natürlich den Druck. Für uns Ärzte ist das Konzept super anstrengend, aber für die Patienten ist es natürlich viel viel besser als das andere Konzept. Das finde ich wirklich gut, dass Sie so patientenfokussiert und -orientiert sind. Ist ja bei Weitem nicht bei jedem Kinderwunschzentrum so. Nein, das ist nicht bei jedem Zentrum der Fall. Aber nochmal: Es ist tatsächlich sehr anstrengend. Was geschieht, wenn ich mich bereits in einer Behandlung bei einem Arzt befinde, dieser aber für längere Zeit ausfällt, etwa weil er sich im Urlaub befindet oder krankheitsbedingt? Dazu muss ich sagen, wir machen nicht so lange Urlaub, auch aufgrund dieses Konzeptes. Das machen unsere Patienten auch gar nicht mit. Wenn wir drei, vier Wochen in Urlaub wären, das würde gar nicht gehen.s Meistens sind wir so eine Woche weg, und diese Zeit kann man ganz gut überbrücken. Das was nicht zu überbrücken ist, da vertreten wir uns natürlich gegenseitig. Aber wir versuchen, das so gering wie möglich zu halten. Welche Nebenwirkungen können bei einer Kinderwunschbehandlung, etwa einer IVF, auftreten? Bleiben wir mal bei der IVF. Das ist ein gutes Beispiel, da das auch immer zitiert wird in den Medien. Bei den anderen Methoden gibt es im Grunde gar keine Nebenwirkungen, weil wir da ausschließlich natürlich behandeln. Wir nutzen hier immer den natürlichen Zyklus einer Frau und geben keine zusätzlichen Hormone. Bei der IVF können Sie in der amerikanischen Ausgabe der Cosmopolitan 2017 nachlesen, wie 12 Frauen ihre eigene IVF empfunden haben. Wir haben uns das drucken lassen und verteilen es auch an unsere Patientinnen. Und ich sag‘ immer: Wer masochistisch ist, der muss das unbedingt lesen! Danach wird einem richtig schlecht. Das ist natürlich aus Sicht der Betroffenen, ganz klar. Aber das was dort drin steht, ist alles richtig. Es zeigt die negative, oder sagen wir, die schwarze Seite der Reproduktionsmedizin, die es natürlich auch gibt. Die Meinungen basieren überwiegend auf veralteten Behandlungen, das sind amerikanische Behandlungsmethoden. In Amerika behandelt man anders, als bei uns. Da werden die Patientinnen ständig medikamentös eingestellt, weil es auch alles Geld bringt. Da geht’s auch viel um Money. In den USA ist die IVF-Behandlung wirklich extrem belastend. Die Frauen spritzen sich wirklich vier Wochen lang jeden Tag irgendwelche Spritzen. Die Wahrheit ist: Seit einigen Jahren haben wir völlig neue Techniken und Behandlungsmethoden. Wir geben für die IVF-Behandlung nur noch eine einzige Injektion. Das ist eine Art künstliche pharmakologische Intelligenz, die man verabreicht. Und diese künstliche Intelligenz wirkt dann und macht den ganzen Job. Das was früher, vier Wochen lang mit zig Spritzen täglich erfolgte. Das ist ja Wahnsinn! Das ist Wahnsinn. Aber auch, weil die meisten das nicht wissen. Im Internet finden Sie darüber so gut wie gar nichts. Das heißt, wenn Sie im Internet recherchieren, werden Sie nur diese ganzen schrecklichen Behandlungen finden. Kann das jedes Kinderwunschzentrum leisten? Das kann eigentlich jedes Kinderwunschzentrum leisten. Aber die meisten haben keine Erfahrung damit. Und natürlich brauchen Sie für jede Technik die Erfahrung, und deshalb machen die meisten immer noch das konservative Modell. Vor ein paar Monaten hatte ich eine amerikanische Patientin, die den ganzen amerikanischen Mist durchgemacht und zehntausende von Dollar dort gelassen hat. Und sie hat sich dann hier behandeln lassen und gesagt, es war für sie wie ein Wunder, eine neue Welt, unglaublich! Diese Nebenwirkungen, die bei der traditionellen IVF-Behandlung auftreten kann, die treten bei der einmaligen Spritze überhaupt nicht mehr auf. Das ist alles Schnee von gestern. Früher hatten wir zum Beispiel auch hohe Raten an Überstimulationen. Mit den neuen Therapien, die wir anwenden, haben wir – und da werden Sie jetzt sagen, ich denke mir das aus oder ich flunkere – 0% Überstimulation! Also absolut keine mehr! Überstimulation ist das alte Phänomen: Sie stimulieren eine Frau nach der…

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„Es ist wichtig klarzustellen, dass man Samenspender ist und kein Vaterersatz.“

In Kopenhagen begann meine Reise. 2016 flog ich von Berlin in Dänemarks hyggelige Hauptstadt, um mir in der Sellmerklinik Spendersamen injizieren zu lassen. Glückstrunken und voller Euphorie war ich sicher: das hat geklappt. Ich bin schwanger. Wer sich sehnlichst ein Kind wünscht, der kann vermutlich nachvollziehen, wie trügerisch einige Anzeichen sein können. Jedes Ziepen, jedes Brustspannen, jeder Traum von Babys nisten sich in die Gefühle und Gedanken ein und wollen dich davon überzeugen: Freu’ dich, in neun Monaten bist du Mama! Als ich nach dieser ersten Insemination meine Periode bekam, wusste mein Herz damit kaum umzugehen. Es schrie, weinte, ließ mich daran zweifeln, dass ich das richtige tat. Soll das wirklich mein Weg sein? Mir alleine ein Kind in einer fremden Stadt von fremden Menschen machen lassen, nur weil die Momente mit Mann an meiner Seite nicht gepasst haben? Ein paar Wochen nahm ich mir Zeit. Ich sog noch einmal die Traurigkeit ein und nahm Abschied von meinem Baby, das noch nicht bereit war für mich. Redete mit lieben Menschen über meinen Verlust – und war knappe zwei Monate später physisch und vor allem emotional bereit für den zweiten Versuch. Was konnte ich ändern? Die Nähe zu meinem Wohnort. Siehe da, in Berlin gab es sogar mindestens eine Kinderwunschklinik, die mich als Single behandelte. Die Unterstützung durch Hormone. Beim ersten Mal ging’s im natürlichen Zyklus ohne Hormone zur Sache, dieses Mal wollte ich mehr Sicherheit durch zusätzliche Medikamente. Eine besseres Samenqualität. Der Spendersamen vom ersten Versuch hatte eine MOT von 10 Millionen. Dabei weisen Studien darauf hin, dass es mit einer MOT 20 viel schneller klappen kann, bei einer IUI schwanger zu werden. Dänemark wollte ich in irgendeiner Form treu bleiben, da ich aus der Klinik viel liebevolle Zuwendung nach der gescheiterten ersten IUI bekommen habe. Und überhaupt: Es ging mir gut dort. Ich genoss die dänische Offenheit, die hübschen Menschen, innen wie außen, wollte dass mein Kind einen Teil von dieser Kultur in sich trägt, zumindest genetisch. Als ich mich bei meiner zweiten Insemination in der Berliner Kinderwunschklinik an der Gedächtniskirche für eine Samenbank entscheiden musste, stand für mich deswegen die dänische European Sperm Bank ganz oben auf meiner Liste. Nicht nur dass die Samenqualität der vielen Spender mindestens MOT 20 betrug. Ich fühlte mich von der Präsentation der Samenbank, den einfachen Erläuterungen, den transparenten Preisen und der Tatsache, dass es keine Grundgebühr gab, sehr angesprochen. Einer der Hauptgründe, dass ich mich darüber hinaus ganz wunderbar betreut gefühlt habe, war Boris Rosenkrantz, Key Account Manager der ESB. Wir hatten noch lange vor dem Start meines Blogs einen langen und persönlichen Austausch per Mail, er half mir durch die Prozesse der Spenderauswahl und Bestellung. Er gratulierte mir schließlich zur Schwangerschaft, als es beim zweiten Versuch geklappt hat. Auch er war immer für mich da, als ich Rückfragen hatte – selbst als mein Sohn bereits geboren war. Durch Zufall trafen wir uns bei den Berliner Kinderwunschtagen 2019  zum ersten Mal live. Dort hielt ich an zwei Tagen einen Vortrag zum Thema „Freiwillige Solomama – Zwischen Hindernissen und Erfüllung“, während die ESB sich an einem Stand um die Ecke vorgestellt hat. Wir fanden uns auf Anhieb sympathisch. Ich hatte bei Boris immer das Gefühl: ich bin willkommen! Seitdem ist die European Sperm Bank für mich ein wichtiger Teil meiner Geschichte geworden – und der Geschichte meines Sohnes. Deswegen war es mir eine wahnsinnig große Ehre, dass ich nach Kopenhagen reisen durfte, um die European Sperm Bank einmal rundherum zu erleben. Gemeinsam mit meiner Blogleserin Polly Freytag, die ebenfalls Spendersamen bei der ESB bestellt hat, gab es eine geführte Tour durch die dänische Samenbank. Wir durften einen Blick hinter die Kulissen des Kundenservices werfen, sehen, wo der Spendersamen gelagert wird und mit welchem Aufwand die Kryokonservierung verbunden ist. Draußen konnte Polly Freytag auf dem Spermbike radeln, was im übrigen gar nicht so einfach ist. Unsere persönlichen Highlights: ein Interview mit Boris Rosenkrantz und CEO und Managing Director Annemette Arndal-Lauritzen. Im ersten Teil erzählt uns Boris, wie er eigentlich auf die Idee kam, bei einer Samenbank zu arbeiten, wie die Samenspender ausgesucht werden, wie der Kontakt zwischen dem Spenderkind und seinem Samenspender etabliert werden kann und welche Auswirkungen das Samenspenderregistergesetz auf die Spendenbereitschaft dänischer Männer für deutsche Frauen hat. Der zweite Teil des Interviews mit Annemette Arndal-Lauritzen, den Polly Freytag geführt hat, folgt demnächst. Jetzt aber erstmal zu Boris und mir. Boris, wie bist du zur European Sperm Bank gekommen? Ich war immer im Verkauf beschäftigt, hab dann aber gemerkt, dass ich nicht den Ansporn habe, die hohen Zahlen zu erreichen. Das befriedigt mich nicht. Mich befriedigt mehr, für ein Produkt zu stehen, was für den Käufer sinnvoll ist und einfach einen Unterschied macht. Und dann habe ich gesehen, dass die European Sperm Bank Mitarbeiter für den deutschsprachigen Markt sucht und das habe ich für mich als perfekte Gelegenheit gesehen, sowohl meine muttersprachlichen Kenntnisse zu nutzen, als auch durch meine Begabung als Verkäufer, einen Unterschied zu machen in meinem täglichen Leben für Familien. Und wie lange arbeitest du schon hier? Seit Ende 2015. Was gefällt dir besonders gut an deinem Job? Ich finde, es ist ein Traumjob. Ich helfe täglich, Träume zu erfüllen. Jedes Kind ist ein Wunder und es gibt nicht schöneres, als E-Mails und Anrufe zu bekommen, in denen eine Patientin sagt: „Boris, es hat geklappt! Yay!“. Danach schläfst du erst einmal eine Weile nicht. Allerdings, das kann ich bestätigen! Gibt es denn auch Frauen, die anrufen und sagen, dass es nicht geklappt hat? Ja klar. Und das kann immer ganz viele unterschiedliche Gründe haben. Wir begleiten sie auf ihrem Weg. Die rufen dann an und wollen einfach nur reden. Es kommt ganz drauf an, wie viele Menschen sie in ihrem eigenen Umfeld haben, mit denen sie darüber sprechen. Wir sind dann einfach für alles ein Ansprechpartner. Klar, wenn du mehrere Behandlungen hinter dir hast und dann sagst: „Mensch, es hat leider wieder nicht geklappt. Woran kann es liegen? Soll man den Spender wechseln oder die Behandlungsmethode?“. Die Samenspender: über hohe Samenqualitäten, Persönlichkeit und die richtige Motivation Du hast eben den Spender angesprochen. Das ist ja das, womit ihr hier in erster Linie zu tun habt. Wie verschafft ihr euch einen Eindruck von der Persönlichkeit des Spenders? Bevor ein Spender in unser Programm aufgenommen wird, gibt es ganz viele Personen, die mit ihm in Kontakt treten. Als erstes wird die Samenqualität getestet, wenn jemand zu uns kommt. Wenn diese als sehr hoch eingeschätzt wird, wird der Spender zum ersten Gespräch eingeladen. Da haben wir unsere Spenderkoordination, die das bereits sehr lange und sehr gut macht. Die führt dann erst einmal ein intensives Gespräch mit dem Spender. Nach diesem Gespräch kommt er dann zum Arzt – also einem ganz normalen Hausarzt, wo er dann auch genau untersucht wird auf alle körperlichen Merkmale. Das dauert dann auch noch einmal etwa eine Stunde. Arzt und Spenderkoordination sprechen immer wieder mit dem Spender und hinterfragen auch die Motivation, um sich auch sicher zu sein, dass derjenige es möchte, sich Gedanken gemacht hat und weiß, was er da tut. Dann haben wir auch im Nachhinein generell viel Kontakt mit den Spendern, immerhin folgen weitere Tests, Blutbilder, etc. Und wenn sie dann ins Programm aufgenommen sind, kommen sie häufiger vorbei für neue Bluttests und Spenden und da haben wir auch die Eindrücke unserer Mitarbeiter, die man in den Profilen der Spender nachlesen kann. Stimmt genau, ziemlich intensiv kann man sich da einlesen. So wie auch in den Persönlichkeitstest, der ja ebenfalls ziemlich lang ist. Genau, der Keirsey Test. Das finde ich immer schön an dem Keirsey Test zu sagen, dass es ein selbstreflektierender Persönlichkeitstest ist. Das ist kein IQ-Test. Klar, sind alle unsere Spender normale, freundliche, liebe, kluge Menschen. Aber es ist nicht so, dass wir jemandem sagen, du hast keinen IQ von 150, also passt es nicht. Es ist die Persönlichkeit, die getestet wird, und dabei gibt es keine Verlierer. Und man merkt auch an den Antworten der Spender im Interview, wie sie so sind. Ist das jemand, der reflektiert ist? Ist er empathisch? Hat er gute geistige Anlagen? Das war mir persönlich zum Beispiel wichtig, dass der Spender ungefähr auf meinem Bildungsniveau ist, bestenfalls sogar darüber… Geht das? (lacht) Stimmt, gute Frage (lache auch mal mit) Wie lange nehmt ihr euch Zeit für so ein Gespräch? Also das erste Gespräch ist auf jeden Fall anderthalb bis zwei Stunden lang. Und das ist nur das erste Gespräch. Es gibt dann im Profil auch die Audiofiles von den Spendern, so 10 bis 20 Minuten. Da kann man dann auch als Kunde ein Gefühl von dem Spender bekommen. Man hört die Stimme, wie er antwortet und da weiß ich, dass das viele sehr hilfreich und sehr wichtig finden. Auf jeden Fall. Das habe ich mir vorgestern auch noch einmal angehört von meinem Spender und dachte mir: „Da hast du doch eine gute Wahl getroffen!“. Es gibt offene Spender und anonyme Spender. Diese werden darüber aufgeklärt, dass sie – wenn das Kind 18 Jahre alt ist – theoretisch kontaktiert werden können. Gibt es Spender, die sich noch umentscheiden? Aufklärung ist das A und O. Erstmal wählen die Spender ja selbst, ob sie anonym sind oder offen sein möchten. Und es gibt auch keinen finanziellen Vorteil davon, offen zu sein. Das heißt, sie machen sich schon sehr genaue Gedanken darüber, was es bedeutet, offener Spender zu sein und was auf sie zukommt. Einerseits eine Verpflichtung fürs Leben. Andererseits ist es wichtig klarzustellen, dass man Samenspender ist und kein Vaterersatz. Das überlässt man den Eltern, den Müttern, sowohl die Pflichten, als auch die Rechte. Man behält sich vor, Spender zu sein und das ist auch ganz wichtig zu sagen, dass darin der Kontakt besteht. Nicht dass man denkt, man feiert jetzt jedes Jahr Weihnachten zusammen. Kann zwar sein, aber es ist keine Verpflichtung. Wenn man jetzt als Singlemutter sagt, ich möchte gerne einen Vater für mein Kind, dann ist das nicht der richtige Weg. Das ist nicht, was man bekommt; man bekommt Spendersamen. Gibt es Spendertypen, die besonders beliebt sind? Es gibt immer Spender, die beliebter sind als andere. Aber grundsätzlich sehen wir, dass alle Spender gefragt sind, weil es ebenso viele Frauen- und Familientypen gibt. Die spiegeln auch so ein bisschen die Gesellschaft wider. Zu jedem passt ein anderer Spender. Natürlich gibt es immer ein paar, die etwas beliebter sind. Aber eigentlich sind alle nachgefragt. Ihr führt aber keine Statistik, in der zum Beispiel steht, blond und blauäugig ist immer stark nachgefragt? Wir senden ja an 60 verschiedene Länder. ‚Blond‘ oder ‚blauäugig‘ ist von manchen nachgefragt, von anderen sind andere Merkmale nachgefragt. Kommt ja auch immer auf die persönliche Motivation an. Will man, dass der Spender aussieht wie ein ehemaliger Partner oder wie jemand aus der Familie? Solche Sachen spielen da wahrscheinlich auch immer eine Rolle. Es ist komplett unterschiedlich. Ist es ein gleichgeschlechtliches Paar, dann wird sehr genau auf die Gesundheit des Spenders geguckt. Die sind zwar alle gesund, aber denen ist das besonders wichtig. Vielleicht guckt eine Singlefrau eher, ob er gut aussieht. Beim heterosexuellen Paar geht es mehr darum, dass er dem Mann ähnlich ist. Es ist immer ganz verschieden, was den Menschen wichtig ist. Gibt es einen typischen Samenspender, sei es von der Motivation oder vom Alter her? Ja! Was alle Samenspender verbindet ist, dass sie sehr gesund sind. Geistig und körperlich fit. Und dass sie eine sehr hohe Samenqualität haben. Darüber hinaus spiegeln sie auch wieder die Gesellschaft total wider. Da gibt es natürlich einen Altersdurchschnitt, weil sie ja nicht älter als 45 Jahre und jünger als 18 sein dürfen. Ich hatte mir noch einmal das Interview mit meinem Spender angehört und er meinte, er wünsche der Familie alles Gute und möchte dem Paar helfen. Wissen die Spender, dass es theoretisch auch Singlefrauen gibt, die den Samen verwenden? Nicht nur theoretisch. Die verallgemeinern das nur. Alle Spender sind komplett darüber aufgeklärt, dass alle Familienkonstellationen den Spendersamen bekommen können, sowohl hetero-, als auch homosexuelle Paare, als auch Singlefrauen. Da sind sie sich sehr bewusst darüber und haben…

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„Unerfüllter Kinderwunsch ist immer noch ein Tabuthema, nach dem Motto ‚Es soll wohl nicht sein‘ oder ‚Ihr bringt’s nicht!'“

Vor einiger Zeit habe ich mich mit dem Reproduktionsmediziner Dr. Christian Stoll zu einem Interview getroffen, um ihm Fragen rund um Kinderwunschbehandlungen zu stellen, die mir und einigen meiner Leserinnen schon länger unter den Nägeln brennen. Wir sprechen über den unerfüllten Kinderwunsch, wie eine Kinderwunschbehandlung abläuft, warum das Alter der Frau eine so große Rolle fürs Schwangerwerden spielt und wie man wiederholte Fehlgeburten vermeiden kann. Auch um PCO und Endometriose geht es, genauso wie um die Behandlung von Singles und lesbischen Paaren. Ceres kurz vorgestellt In der Berliner Landgrafenstraße 14 werden Babys gemacht. Zumindest ist das der Plan von Ceres, dem Kinderwunschzentrum, das seinen Namen der römischen Fruchtbarkeitsgöttin verdankt. Seit 2006 betreibt Dr. Christian Stoll – verheiratet und Vater zweier Töchter – gemeinsam mit seinem Praxispartner Dr. Reinhard Hannen das Zentrum in der Nähe vom Ku’damm. Reproduktionsmediziner oder Kinderwunscharzt?! Es ist egal wie man den Beruf bezeichnet, denn alle Kinderwunschärzte in Deutschland sind zunächst einmal Frauenärzte, die sich über die Jahre hinweg für die Reproduktionsmedizin, also die Kinderwunschtherapie, qualifiziert haben. Hierfür müssen jede Menge Prüfungen und Zulassungen von der Ärztekammer gemacht werden, um überhaupt zugelassen zu werden. Warum das so aufwändig ist? Als Reproduktionsmediziner wird man sehr intensiv begutachtet, etwa vom LAGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) und von Hygienebeauftragten mit regelmäßigen Hygienebegehungen. Jede Eizelle, die gewonnen wird, muss gemeldet werden, genauso wie Komplikationen, die während der Kinderwunschbehandlung auftreten. Außerdem ist jedes Kinderwunschzentrum sehr im Fokus von allen medizinischen Gesellschaften, wodurch eine hohe Transparenz geschaffen werden kann, etwa in Bezug auf Schwangerschaftsraten. Jedes Paar und jede Einzelperson, die in ein Kinderwunschzentrum kommt, hat eine lange Vorgeschichte mit vielen Überlegungen, viel Internetrecherche, bis man sich zu dem Schritt entschließt, sich einem Reproduktionsmediziner anzuvertrauen. Dieser Schritt erfordert Mut, ist doch der Schritt ein Eingeständnis, dass es ein Problem gibt und man in einer scheinbar einfachen Situation eine medizinische Antwort braucht. Bei Ceres soll jedes Paar, jede Alleinstehende spüren, dass es etwas Besonderes ist, wenn ein Herz schlägt und sich Leben entwickelt. Wie läuft eine Kinderwunschbehandlung bei Ceres ab? Da alle Paare und Alleinstehenden, die zu Ceres kommen, berufstätig sind, ist jeder Termin zeitlich kostbar. Deswegen ist es ein großes Anliegen, so viel wie möglich in diesen Termin reinzulegen. Hierzu bietet Ceres an, zunächst einen Hormonstatus zu erheben, was die Mehrheit der Wunscheltern auch begrüßt. Üblicherweise wird das ergänzt um einen Ultraschall, auch wenn einige Frauen sagen, dass die eigene Frauenärztin keine Probleme feststellen konnte. In vieler solcher Fälle lohnt es sich, etwas näher hinzuschauen, da es Kleinigkeiten an der Gebärmutter gibt, die für den normalen Alltag der Frauen keine Rolle spielen, die aber in der Kinderwunschphase immens wichtig sind. Außerdem gibt es immer noch einen sogenannten Blind Spot. Erkennt der Gynäkologe auf dem Ultraschall beispielsweise nur einen funktionierenden Eileiter, müsste er eigentlich dahingehend aufklären und sagen „Alles sieht super aus, bis auf den Eileiter, den ich nicht sehe!“ Das geschieht allerdings nicht immer, und so kann es vorkommen, dass ein Eileiter tatsächlich schon länger nicht funktioniert und die Wunschmutter erst in einer Kinderwunschklinik davon erfährt. Auch die Schilddrüse muss untersucht werden, bevor man mit der eigentlichen Kinderwunschbehandlung loslegt. Die nächsten Schritte zur Klärung: Hat die Frau vermehrte männliche Hormone? Wie sieht die Gebärmutter aus? Sind die Eileiter durchlässig? Wie sieht es mit der Eizellreserve der Frau aus? Spätestens nach Auswertung der Hormonbefunde wird klar, in welchem Bereich es Handlungsbedarf gibt. Das kann dazu führen, dass z.B. die Schilddrüse zunächst richtig eingestellt werden muss. Oder ist die Eizellreserve überraschend klein, muss die Therapie intensiviert werden. Gibt es heute mehr Paare, als früher, die sich in ein Kinderwunschzentrum begeben? Das ist definitiv so und hängt vielleicht auch ein bisschen damit zusammen, dass sich auch prominente Paare wie Angelina Jolie und Brad Pitt immer häufiger outen, dass sie die Reproduktionsmedizin in Anspruch genommen haben. Auf der einen Seite setzt das Kinderwunschbehandlungen in ein normales Licht. Auf der anderen Seite kann man das auch falsch verstehen, getreu dem Motto „Hollywood mal wieder!“ Paare haben oftmals das Gefühl, es betrifft nur sie selbst, wenn sie auf dem klassischen Weg kein Kind zeugen können. Deswegen vertrauen sie sich selten jemandem an. Der Druck wird dadurch auch nicht weniger, wenn um einen herum schon das zweite, dritte, vierte Kind aufploppt, während das Paar von allen Seiten gefragt wird, ob sie nicht auch langsam Kinder haben wollen. In Wirklichkeit ist man aber mit dem unerfüllten Kinderwunsch nicht alleine. In Deutschland betrifft es 15 bis 20% der Paare über alle Altersgruppen hinweg. Je mehr man selbst über dieses Thema spricht, desto wahrscheinlicher ist es, dass man auch von anderen erfährt, dass sie ähnliche Schwierigkeiten haben. Das normalisiert das Ganze und zeigt, dass Fruchtbarkeitsprobleme einen ganz normalen Platz in der Medizin haben. Es hilft aber nichts: Man muss es als gesellschaftliche Realität akzeptieren, dass die Kinderwunschbehandlung und ein unerfüllter Kinderwunsch als etwas Exotisches gesehen werden kann. Aus diesem Grund ist die Erstberatung bei Ceres ein wichtiges Angebot. Erst danach muss man sich entscheiden, ob der Weg der Kinderwunschbehandlung etwas für einen ist oder ob man an dem Zeitpunkt für sich eine Grenze zieht und den Weg nicht weiter gehen möchte. Klar ist: Oft muss es sich emotional erst entwickeln, wie man zu dem Thema Kinderwunschbehandlung steht. Welchen Einfluss hat die Psyche auf den Kindewunsch bzw. die Kinderwunschbehandlung? Das ist ein sehr häufiges Thema, das unterschiedlich belegt ist. Dr. Stolls Frau ist Psychotherapeutin, weshalb sich beide über das Thema Psyche und unerfüllter Kinderwunsch häufig austauschen. Ein Alltime-Klassiker: Wie verarbeiten Paare und alleinstehende Frauen ihren unerfüllten Kinderwunsch? Bei Ceres wird eine seelische psychologische Begleitung angeboten, die jeder nutzen kann, der es gerne möchte. Viele weisen dieses Angebot allerdings brüsk zurück, weil sie es für Psychquatsch halten. Insgesamt nehmen das Angebot einer psychologischen Begleitung nur sehr wenige Patienten an. Zwei große Metaanalysen (Studien über Studien), die über jeweils zehn Jahre durch Psychologen durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass die Psyche auf die Chance, schwanger zu werden, keinerlei Einfluss hat. Ausschließlich die psychische Komponente dafür verantwortlich zu machen, dass die Frau oder das Paar nicht schwanger wird ist äußerst einseitig. Das kann Frauen entlasten, die während Ihrer Kinderwunschphase ohnehin stark unter Druck stehen. Käme on top noch hinzu, dass sie aufgrund einer seelischen Drucksituation nicht schwanger werden können, wäre das wie eine doppelte Strafe. Andererseits kann es für diejenigen, die gerne alles auf die Psyche schieben, eine Sackgasse sein, so etwa auch für die Partner, da ihnen das Argument dafür fehlt, warum es nicht klappt mit der Umsetzung des Kinderwunsches. Dann kommt noch hinzu, dass jeder irgendjemanden in seinem Umfeld kennt, der irgendwann den Kinderwunsch losgelassen hat und plötzlich ein Kind nach dem anderen bekommt. Es macht immer Sinn, zu schauen, wo man steht, sich beraten zu lassen und für sich dann eine Entscheidung zu treffen. Während der Rushhour des Schwangerwerdens ist das Kinderwunschpaar oft in einem Tal der Tränen. Deswegen ist es beruhigend zu wissen, dass man nicht ewig in dieser Schleife festhängen wird. Welche Rolle spielen wiederholte Fehlgeburten für einen Kinderwunsch? Eine Fehlgeburt ist etwas ganz Schreckliches und oft noch schlimmer, als gar nicht schwanger zu werden. Beim ersten Mal sagt man noch, das kann mal passieren. Bei einer zweiten Fehlgeburt sieht man gefühlsmäßig schon etwas Systemisches dahinter. Bei Paaren ist es oft so, dass die Frau die Schuld für eine Fehlgeburt bei sich selbst sucht. „Ich hab’s verloren, was hab ich falsch gemacht?“ Der Mann erscheint oft nur als Sidekick daneben: „Meine Mission ist erfüllt, die Frau ist schwanger: SIE hat es verloren.“ Allerdings hat jeder Mann einen Anteil am Schwangerwerden und natürlich auch einen Anteil daran, wenn die Partnerin eine Fehlgeburt hat. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei der Diagnostik in die Tiefe und die Breite zu gehen und auch den Mann mit einzubeziehen. Eine Fehlgeburt sagt, dass etwas im Zusammenspiel mit dem Embryo und der Frau nicht funktioniert hat. Dafür gibt es sehr viele Ursachen. Es gibt oft keine Eins-zu-Eins-Antworten, die man sich wünscht. Bedeutet: Man kann nicht sagen, DAS ist passiert und ich mache DAS, um nie wieder eine Fehlgeburt zu haben. Nach einer wiederholten Fehlgeburt müssen jede Menge Untersuchungen gemacht werden, die sehr zeitaufwändig sind. Theoretisch sind bis zu drei Fehlgeburten noch im normalen Bereich. Von wiederholten Fehlgeburten spricht man erst ab vier Fehlgeburten. Aber die Frauen kommen in der Mehrheit der Fälle nach der zweiten Fehlgeburt zu Ceres, damit es kein weiteres Mal passiert. Die Schmerzgrenze der Frauen ist unterschiedlich hoch. So kommen manche bereits nach der ersten, andere erst nach der 6. oder 7. Fehlgeburt in die Praxis. In beiden Situationen wird versucht, Antworten zu finden, die der jeweiligen Situation gerecht werden. „Hatte ich eine Fehlgeburt, weil ich gearbeitet habe? Oder weil ich Sex hatte?“ Das sind Sorgen, die Frauen als Ballast ins Gespräch mitbringen und die man Stück für Stück auflösen muss. Warum unterstützt Ceres inzwischen auch Singlefrauen und lesbische Paare mit Kinderwunsch? Hilfreich hierfür war auf jeden Fall das Samenspenderregister, das ausschließt, das der Spender für etwas haftbar gemacht werden kann. Außerdem ist es eine gute Entwicklung, dass seitdem alle Spenderdaten zentralisiert beim BfArM (vormals beim DIMDI) gespeichert werden und das Spenderkind die Möglichkeit hat, mehr über seinen biologischen Ursprung zu erfahren. Ein weiterer Punkt, warum Ceres auch Singles und lesbische Paare behandelt, ist das Berufsrecht in Berlin, das etwas anders geregelt ist, als in den meisten anderen Bundesländern. Warum ist eine Rechtsberatung für alleinstehende Frauen mit Kinderwunsch bei Ceres erforderlich? Grundsätzlich gibt es in Deutschland keine Pflicht, sich juristisch dazu beraten zu lassen. Aber Ceres hält es für wichtig, weil hier auch Punkte in Bezug auf das Spenderkind und die Rechte für die Mutter geklärt werden, die man von alleine nicht auf dem Schirm hat. Die Rechtsberatung mit einer hochspezialisierten Rechtsanwältin bzw. einem Rechtsanwalt ist finanziell sehr überschaubar und dient in erster Linie zum Schutz der Mutter und des Kindes, speziell in Bezug auf Rechte und Pflichten. Wie ist der Ablauf vom ersten Gespräch bis zum Behandlungsstart einer IUI? Erstberatung: Der erste Termin für die Erstberatung klappt in der Regel innerhalb von zwei Wochen. Möchte man einen speziellen Arzt zu einer bestimmten Zeit, kann es auch etwas länger dauern. Termine können via Onlineformular, Chat oder per Telefon vereinbart werden. Juristische Beratung (nur im Falle von Spendersamen): Hat man sich nach dem Beratungsgespräch dafür entschieden, sich mit einer Samenspende behandeln zu lassen, folgt im nächsten Schritt die Rechtsberatung. Hierfür kann ein frei zu wählender Rechtsanwalt genutzt werden, der die Beratung durchführen kann. Spenderauswahl: Im Anschluss daran geht’s an die Auswahl des Samenspenders, wofür jede deutsche Samenbank und die European Sperm Bank in Frage kommen. Voruntersuchungen: Ist eine IUI geplant, sollte als nächstes eine Eileiterdurchlässigkeitsprüfung durchgeführt werden. Gefühlt gibt es immer mehr Frauen mit Endometriose und PCO. Was bedeuten diese Erkrankungen für die Erfüllung meines Kinderwunsches? Endometriose: Die verkannte Erkrankung der Frau Endometriose, auch genannt das „Chamäleon der Gynäkologie“, ist die verkannte Erkrankung der Frau und die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. Es leitet sich ab vom Begriff “Endometrium”, also “Gebärmutterschleimhaut” und zwar Gebärmutterschleimhaut, wo sie nicht hingehört. Endometriose ist eine unglückliche Erkrankung, die sich sowohl zwischen Muskelschichten der Gebärmutter als auch im Bauchraum breit macht und äußerst schmerzhaft sein kann. Es gibt zwei Theorien, wie Endometriose dorthin kommt: Retrograde Menstruation: Blut bzw. die Schleimhaut läuft nicht über die Scheide ab, sondern über die Eileiter im Bauchraum. Neoplasie: Es wächst einfach immer wieder neu. Für beides spricht viel, möglicherweise ist es auch eine Mischform. Das Leitsymptom dieser Erkrankung ist: die Schleimhaut verhält sich wie normale Gabärmutterschleimhaut. Wenn die Frau ihre Periode bekommt, blutet es in den Muskel rein, blutet in den Bauchraum ein, was ziemlich heftige Schmerzen verursachen kann. Einige Gynäkologen deuten diese Symptome als klassische Periodenschmerzen und verschreiben Schmerzmittel. Studien besagen, vom ersten Symptom bis zur Diagnose, die üblicherweise über eine Bauchspiegelung mit Gewebeprobe geführt wird, vergehen circa 5 Jahre. Nach dieser Zeit sagen Frauen oft: “Endlich glaubt mir jemand, dass ich wirklich ein Problem habe!” „Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung vergehen im Durchschnitt sechs Jahre, bei Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch sind es etwa drei Jahre, bei Schmerzpatientinnen bis zu 10 Jahren!“ (nachzulesen hier)…

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„Der Bedarf und der Mut, als Singlefrau alleine eine Familie zu gründen, steigen rapide“

Constanze Bleichrodt ist mir sofort sympathisch. Und das nicht nur, weil sie den Wunsch von Singlefrauen und lesbischen Paaren nach einem leiblichen Kind unterstützt. Seit Ende 2005 arbeitet die diplomierte Psychologin mit dem empathischen Wesen in ihrer eigenen psychologischen Praxis im Medicenter-Solln, wo sie Paare und Einzelpersonen coacht. Zwei ihrer Schwerpunkte: Begleitung bei ungewollter Kinderlosigkeit und die psychosoziale Beratung und Aufklärung vor einer möglichen Kinderwunschbehandlung mit Spendersamen. Als bisher einzige weibliche Geschäftsführerin einer deutschen Samenbank, der Cryobank München, vereint Constanze Bleichrodt einen weiblichen Blick auf potentielle Samenspender mit einer großen Portion Einfühlungsvermögen für Wunscheltern – Paare wie Singles. Denn ja, die Cryobank München gehört zu den deutschen Samenbanken, die offen dazu stehen, dass sie, neben gleichgeschlechtlichen Paaren, auch alleinstehende Frauen mit Kinderwunsch behandeln. Diese offene Haltung gegenüber Singlefrauen und lesbischen Paaren mit Kinderwunsch ist einer der Gründe, warum ich diese Samenbank unbedingt auf meinem Blog haben wollte. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass mir Constanze Bleichrodt dieses sehr ausführliche und persönliche Interview gegeben hat. Seit wann können sich lesbische Paare und Singlefrauen mit Sperma von der Cryobank München behandeln lassen? Schon sehr lange sind lesbische Frauen bei uns herzlich willkommen, sicherlich schon mehr als 15 Jahre. Wobei der Anteil lesbischer Frauen sich vermutlich vor allem in den letzten 10 Jahren deutlich erhöht hat. Heute kommen genauso viele Frauenpaare zu uns wie Heteropaare. Singlefrauen kommen vereinzelt auch schon seit vielen Jahren. Insgesamt ist der Anteil von Singlefrauen zwar noch deutlich geringer, aber nimmt stetig zu, besonders seit dem Samenspenderregister und seit wir die Information offen auf unserer Website kommunizieren. Wie viele Singlefrauen wenden sich prozentual an die Sie? Wir erhalten sehr viele Anfragen von Singlefrauen und führen auch viele Beratungsgespräche mit ihnen. Natürlich setzt nicht jede Frau ihren Wunsch auch um, nur weil sie zur Beratung bei uns war, wobei viele der Frauen schon sehr entschlossen sind, wenn sie zu uns kommen. Und der „Bedarf“ oder auch der „Mut“, auf diesem Wege eine Familie zu gründen, steigt rapide. Im Moment führen wir ca. 2-3 Erstberatungsgespräche in der Woche mit Singlefrauen. Der Anteil der Singlefrauen an all unseren Kinderwunschpatienten beträgt derzeit ca. 15 Prozent, Tendenz steigend. Das finde ich eine ganz ordentliche Zahl! Aktuell ist es ja so, dass der Verkauf von Sperma durch Samenbanken an bzw. die Behandlung in Kinderwunschkliniken von Singlefrauen in Deutschland nur in Berlin (Brandenburg) und Bayern möglich ist. Wo sehen die Samenbanken bzw. Kinderwunschkliniken, Ihrer Meinung nach, die Risiken bei der Gruppe der Singlefrauen? Warum Bayern oder Berlin? Das hat mit den Richtlinien zur assistierten Reproduktion der Ärztekammern zu tun. Denn Bayern und Berlin haben hierzu gar keine Richtlinien erlassen. Ärztekammern anderer Bundesländern eben zum Teil schon, teilweise orientiert an der bereits überholten Musterrichtlinie der Bundesärztekammer, die die Behandlung von Singles und lesbischen Paaren verboten hatte. Dieses „Verbot“ hat sie jedoch im Juni 2018 aus ihren Richtlinien gestrichen. Nur haben diese Änderung noch nicht alle Ärztekammern der jeweiligen Bundesländer angepasst und somit noch keine neuen Richtlinien erlassen. Aber abgesehen davon sind dies nur Richtlinien der Ärztekammern, keine Gesetze, und sind ohnehin umstritten, da sich die Frage stellt, ob sie nicht gar diskriminierend sind. Worin besteht dann aber ein mögliches Risiko? Der Arzt würde gegen Standesrecht verstoßen, gegen die Richtlinien der Bundesärztekammern handeln. Wie dies juristisch zu belangen wäre, bleibt abzuwarten. Der hauptsächliche Grund jedoch, weshalb viele Samenbanken und Ärzte keine Singlefrauen behandeln, hängt mit dem Risiko zusammen, dass es bei Solo-Müttern natürlich nur einen rechtlichen Elternteil für das Kind gibt und somit auch nur einen Elternteil, der finanziell für das Kind sorgt. Es geht also, wie immer, um das liebe Geld. Wenn der Mutter etwas passiert und sie stirbt, dann gibt es keinen zweiten Elternteil. Und wenn es diesen nicht gibt und das Kind nicht abgesichert und versorgt ist, könnte das Kind oder ein Vormund des Kindes theoretisch den Arzt oder die Samenbank auf Unterhalt verklagen, weil diese „in Kauf“ genommen haben, dass dieses Kind vaterlos mit nur einem rechtlichen Elternteil geboren wird. Ob dies nun ein realistisches Risiko ist und wie es tatsächlich juristisch umgesetzt werden könnte bzw. würde, das kann und muss natürlich jeder, der Single Frauen unterstützen will, für sich selbst beurteilen. Ebenso die Frage: was passiert, wenn die Mutter „pleite“ ist und der Staat das Kind finanziell unterstützen muss? Könnte auch dann auf den Arzt oder die Samenbank zugegriffen werden und von ihm Geld verlangt werden? Oder wäre eine Schadensersatzklage vorstellbar, da der Arzt bzw. die Samenbank mitgeholfen hat ein vaterloses Kind zu zeugen? Egal ob Samenbank oder Kinderwunschklinik, wenn man Singles behandeln will, dann muss man sich vor allem selbst juristischen Rat holen, um sein eigenes Risiko abschätzen zu können. Und auch die Juristen sind sich diesbezüglich völlig uneinig. So ist das Thema Behandlung von Singlefrauen vermutlich vielen Kliniken einfach zu mühsam. Denn die meisten Kinderwunschzentren schicken ihre Paare vor einer Behandlung zum Notar, um auf der sicheren Seite zu sein. Aber zumindest mir ist bisher kein Notar bekannt, der Verträge bei Singlefrauen beurkunden würde. Unter welchen Voraussetzungen darf ich mich als Singlefrau mit Fremdsperma von der Cryobank München behandeln lassen? Wir unterstützen sehr gerne Singlefrauen auf ihrem Weg zum Wunschkind. Dafür bedarf es eines Erstgespräches bei uns, und der Unterzeichnung eines Vertrages (dies ist für alle unsere Paare und Singles Voraussetzung). Für Singlefrauen ist es bei uns außerdem nötig, dass es eine sogenannte Garantieperson gibt. Diese gibt eine Unterhaltserklärung für das Kind ab und unterschreibt einen Vertrag zugunsten Dritter, für den Fall, dass das Kind finanzielle Ansprüche gegen uns stellen sollte. Meist sind diese Garantiepersonen Geschwister oder – je nach Alter – auch die Eltern, da diese ohnehin im Notfall für das Kind einstehen würden. Manchmal sind es auch Freundinnen oder Freunde. Und wir wünschen uns den Nachweis einer gewissen Sicherheit (z.B. Lebensversicherung, Rentenversicherung), damit – sollte der Mutter etwas passieren – das Kind nicht gleich mittellos ist. Was soll die Garantieperson konkret garantieren? Die Garantieperson soll einfach als zusätzliche Sicherheit dienen, wenn der Mutter etwas zustößt und/oder das Kind nicht (finanziell) abgesichert ist. Es dient also eigentlich in erster Linie dem Schutz des Kindes. Aber ganz klar auch dem Schutz dessen, der die Garantieperson als weitere Sicherheit wünscht, um das Risiko zu minimieren, dass er irgendwann einmal selber für das Kind zahlen muss. Von welcher Seite geht der Wunsch nach einer Garantieperson denn aus, Samenbank oder Kinderwunschklinik? Generell obliegt es der Samenbank und der Kinderwunschklinik selbst zu entscheiden, ob sie eine Garantieperson für wesentlich halten. Da gibt es keine festen Regeln. Es besteht eben einfach das Risiko – sollte die Mutter zahlungsunfähig sein oder aber sterben –, dass dann das Kind, oder eher der Vormund des Kindes oder gar der Staat von der Samenbank oder dem Arzt Geld (Unterhalt oder Schadensersatz) einfordert, weil sie dabei geholfen haben, dass es für dieses Kind nur einen rechtlichen Elternteil gibt. Auch wenn ich derartige Klagen auf Unterhalt oder Schadensersatz für sehr unwahrscheinlich halte, so bleibt ein gewisses Risiko eben einfach doch bestehen. Und letztlich geht es deshalb um die Absicherung des Worst-Case-Szenarios. Denn ich denke es versteht sich, dass man es sich als unterstützende Samenbank nicht leisten kann, Unterhalt für glücklicherweise dabei entstandene Kinder zu zahlen. Leider hat der Gesetzgeber noch immer nichts unternommen, um dieses zu regeln und somit den Weg für Singlefrauen und Ärzte, die diese gerne unterstützen wollen, endlich zu vereinfachen bzw. frei zu machen. Falls ich KEINE Garantieperson als Single habe, kann ich mich dann trotzdem mit Fremdsperma der Cryobank München behandeln lassen? Nein. Aber sag niemals nie… Können sich Singlefrauen, die mithilfe eines Spenders von Ihrer Samenbank Mama geworden sind, untereinander mit anderen Singlefrauen bzw. Singlemamas vernetzen? So etwas gibt es leider nicht. Nur in Einzelfällen vermittle ich Kontakte. Das finde ich selbst sehr bedauernswert, aber das hängt einfach damit zusammen, dass ich selbst nicht die Manpower habe so etwas zu organisieren. Aber wie gesagt: In Einzelfällen habe ich schon persönlich Kontakte hergestellt. Ich empfehle aber immer gerne Ihre Website und das geschützte Forum von Frau Anya Steiner. Aber diese bietet ja jetzt gemeinsam mit dem DI-Netz seit kurzer Zeit hierfür auch Möglichkeiten an. Das begrüße ich sehr! Vielleicht sollte ich irgendwann einmal ein Treffen planen, da ich wirklich selber sehr interessiert bin daran, wie es diesen Frauen ergeht. Aber zum Glück bekomme ich von einzelnen Frauen immer wieder ein Feedback hierzu. Eine äußerst wertvolle Information, die ich immer nur zu gerne an die Frauen weitergebe, die zu einem ersten Orientierungsgespräch zu mir kommen. Das mit dem Treffen ist eine sehr schöne Idee. Vielleicht wird da ja eines Tages etwas draus. Kommen wir mal zu einem anderen Themenkomplex: die Samenspender. Mir ist aufgefallen, dass die dänischen Samenbanken häufig umfangreiche Spenderprofile mit Fotos, Hintergrundinfos, Fragebogen, Schrift- und Sprachproben anbieten. Das ist für viele Singlefrauen natürlich erstmal ziemlich bequem, weil sie so von zu Hause aus schauen können, welcher Spender und auch welche Samenbank am ehesten zu ihnen passt. Bei den deutschen Samenbanken ist das ja etwas anders. Liegt das an anderen Gesetzen, die wir hierzulande haben? Oder welche Gründe gibt es dafür, dass die deutschen Samenbanken diese Informationen nicht in einem Onlinekatalog zur Verfügung stellen? Sicherlich hat dies mit unseren Gesetzen zu tun, dass viele Dinge hier nicht so offen gehandhabt werden können. Bei uns gibt es einfach gerade auch im Hinblick auf Datenschutz sehr hohe Vorgaben. Auch ist die Samenspende ja in Deutschland als anonyme Spende geregelt, da kann ich mir nicht vorstellen, dass Kinderfotos – oder, wie Cryos es jetzt ja wohl in Dänemark plant – sogar aktuelle Fotos der Spender jemals in Deutschland gezeigt werden würden. [Anmerkung: Die Samenbank Cryos bietet von einigen Spendern Erwachsenenfotos an. Ein Zugang hierfür kostet 200€.] Es hängt aber sicher auch ganz generell mit unserem deutschen Umgang mit dem Thema Samenspende zusammen. Hier hat Deutschland eine andere Entwicklungsgeschichte. So haben in Deutschland eigentlich ausschließlich Kinderwunschärzte Samenbanken gegründet, weil sie selbst auch die Patienten behandelt haben. Die Samenbanken und die Kinderwunschkliniken waren also eigentlich immer in Personalunion und in Händen eines Arztes einer Kinderwunschklinik. „Das Thema Samenspende und Samenspenderauswahl ist höchst persönlich und individuell“ In Dänemark hingegen agieren Samenbanken als ganz normale Firmen. Es geht sehr stark auch um Gewinnmaximierung, es gibt einen CEO und das gesamte Konzept ist deutlich kommerzieller. Das lässt sich auch sprachlich feststellen. Während in Deutschland von Patienten die Rede ist, spricht man in Dänemark vom Kunden, Sperma ist für dänische Samenbanken ihr Produkt, das sie vertreiben, und der Chef der Firma ist in aller Regel kein Arzt, sondern ein Investor oder BWLer. Wobei sich hier in Deutschland die Situation auch gerade etwas ändert und man inzwischen bei immer mehr Samenbaken auch einfach im Internet bestellen kann und seine „Bestellung“ in den „Warenkorb“ schiebt. Genau diese Kommerzialisierung und das Aussuchen aus Katalogen mögen einige begrüßen, unsere Philosophie ist jedoch genau eine andere. Wie würden Sie Ihre Philosophie hierzu beschreiben? Wir halten das Thema Samenspende und Samenspenderauswahl für höchst persönlich und individuell und wollen mit unserem Vorgehen dieser Besonderheit und Sensibilität des Themas Rechnung tragen – vor allem durch persönliche Beratung und persönlichen Kontakt. Außerdem gibt es – anders als Sie sich das vielleicht vorstellen – tatsächlich auch viele Frauen, die gar nicht so viele Infos vom Spender haben wollen, und die sich vor allem bei den dänischen Samenbanken mit der Wahl anhand dieser Profile ganz einfach überfordert fühlen. Diese Frauen schätzen unsere Beratung und auch die Tatsache, dass bei uns ein Frauen-Team gemeinsam einen für die jeweilige Frau passenden Spender wählt. Natürlich gemäß ihren Angaben und Vorgaben bzw. Vorstellungen. Und auch mit Hilfe von Fotos der Singlefrau. Manchmal auch anhand von Fotos eines ehemaligen Partners oder Schauspielers. Ich stelle ganz klar immer wieder fest: nicht für jede ist also so viel Information immer besser oder gar hilfreich – nicht wenige fühlen sich von Dänischen Spenderprofilen überfordert und finden es gut, wenn eine außenstehende Person, der sie vertrauen und der sie eine sehr sorgfältige Wahl zutrauen, diese Entscheidung für sie trifft. Natürlich erhalten die Frauen nach unserer Wahl auf Wunsch auch ein Feedback, warum wir uns für diesen Spender entschieden haben, wie er aussieht, wie wir ihn als Mensch…

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„Ein Kinderwunsch ist natürlich und menschlich und bedarf keines moralischen Zeigefingers.“

(Dieser Beitrag enthält gekennzeichnete (*) Affiliate-Links) Kinderwunsch. Berlin. Single. Eigentlich wollte ich nur schauen, wie mein Blog mit diesen Begriffen bei Google rankt – Randnotiz: gar nicht mal so schlecht. Dabei bin ich aber auf etwas viel Interessanteres gestoßen: auf die Website von Kathrin Steinke. Google-Treffer Nummer 2! Alle Achtung, Kathrin. Die Frau muss ich näher kennenlernen. Denn wer es so weit nach oben gebracht hat, der muss etwas zu sagen haben. Wie kann sie Singles und lesbischen Paaren mit Kinderwunsch helfen? Kathrin berät Frauen, Männer und Paare als Kinderwunsch-Coach in ihren Berliner Praxen. Falls du nicht persönlich zu ihr kommen kannst, ist sie auch virtuell über Zoom oder Skype für dich da. Als zertifizierte Kinderwunschberaterin beschäftigst du dich nicht nur mit dem unerfüllten Kinderwunsch von Paaren, sondern es kommen auch immer mehr Singlefrauen in deine Praxis, die einen Kinderwunsch haben. Wie erklärst du dir das? Ja, das stimmt. Seit ca. 5-6 Jahren nimmt der Anteil der Singlefrauen mit Kinderwunsch, die ich berate und auf ihrem Kinderwunschweg begleite, beständig zu. Zum einen gab es lange Zeit eine große Verunsicherung, ob Singlefrauen überhaupt legal in Berlin oder Deutschland behandelt werden können, dass viele Frauen von sich aus ins Ausland gegangen sind, weil sie nicht an die nötigen Informationen kamen. Aber ja, natürlich gibt es Kliniken, die Singlefrauen unterstützen, den Kinderwunsch zu erfüllen. Die Behandlung von Singlefrauen wird auf Länderebene geregelt und Berlin gehörte schon immer mit zu den Ländern, in denen das unter gewissen Voraussetzungen möglich war. Zum anderen erlebe ich Frauen als zunehmend selbstbewusster in Hinblick auf ihren Kinderwunsch. Was für Frauen kommen denn hauptsächlich zu dir? Meist sind das tatsächlich Frauen, für die sich der Wunsch nach Beziehung nicht erfüllt hat. Deren Plan A es auch lange gewesen ist, mit einem Partner eine Familie zu gründen – und wenn der Traummann mit 35 Jahren aber immer noch nicht in Sicht ist, überlegen Frauen sich heute eher, ob sie sich den Kinderwunsch nicht auch ohne Partner erfüllen wollen. Manchmal sind es Frauen, deren Partner sich auch nach vielen Jahren nicht entscheiden können, ob sie überhaupt Vater werden wollen und Frauen dann irgendwann ihren Wunsch ernst nehmen und die Beziehung beenden. Das sind aber zahlenmäßig eher die wenigsten. Tatsächlich sind die Singlefrauen mit Kinderwunsch, die zu mir kommen nicht im Alter von 20-30 Jahren, denn da könnte der passende Mann ja noch kommen. Die Mehrzahl ist Mitte 30 oder geht auf den 40. Geburtstag zu. Klar spielt der Bildungshintergrund auch eine Rolle, denn es sind oft gut ausgebildete Frauen in sicheren Jobverhältnissen, häufig Akademikerinnen, vereinzelt Künstlerinnen, die ein sicheres finanzielles Einkommen haben. Denn man darf nicht vergessen, dass sämtliche Kosten der Behandlung allein getragen werden müssen und keine Krankenkasse irgendeine Form von Zuschuss gibt. Darüber hinaus müssen diese Frauen auch nachdem das Kind da ist, mit einem Gehalt zurecht kommen – denn so etwas wie Unterhaltsvorschuss vom Amt gibt es nicht für sie. Wie erlebst du die Singlefrauen, die sich an dich wenden? Ich erlebe die gesamte Bandbreite: es gibt die sehr starken, selbstbewussten Frauen, die ganz klar ihren Weg vor Augen haben und auch um die Belastungen wissen, die auf sie zukommen. Und es gibt die zweifelnden Frauen, die sich fragen “schaff ich das?“. Grob gesagt lassen sich die Singlefrauen, die zu Kathrin kommen, in vier Kategorien einteilen. Eine kleine Gruppe wünscht sich das Kind als Exitstrategie aus dem Job. Frei nach dem Motto, wenn ich endlich schwanger wäre, dann könnte ich meinen doofen Job aufgeben. Da wird wirklich gerechnet mit Kindergeld und Elterngeld, wie klappt es finanziell ohne den Job. Solchen Frauen rate ich, vorher den Job zu wechseln und die eigene Situation erstmal grade zu ziehen. Diese Art von Frau wartet ihr halbes Leben auf den passenden Partner und das resultierende Kind und hat dabei gar keinen Spaß an der Gegenwart. Die Vorbereitung auf ein Kind als Solomama ist dann der nächste Lebensinhalt. Und dann wird das Kind zum Sinnstifter und kommt quasi schon mit Auftrag auf die Welt. Die zweite Gruppe geht sehr ernsthaft und kritisch mit sich um, hinterfragt, worin der Wunsch denn wirklich begründet liegt, bin ich das, ist das mein Weg, bin ich egoistisch. Diese Frauen machen es sich sehr schwer und können irgendwann gar keine Entscheidung mehr treffen. Klassisches overthinking. Manchmal kommen sie jahrelang nicht weiter. Im schlimmsten Fall entscheidet die Natur für sie. Manche Frauen vergessen einfach Plan A, also die klassische Familie und bereiten sich sehr lange darauf vor, alleine ein Kind zu bekommen. Ohne je eine Partnerschaft in Erwägung gezogen zu haben. Auch da trägt das Kind eine große Last. Die vierte Gruppe sind Frauen, die zwar auch kritisch hinterfragen, sich lange Zeit mit dem Thema beschäftigen und die dann aber ins Handeln kommen. Das sind die Frauen, die sich wirklich praktisch auf ein Leben als Solomama vorbereiten. Diese detaillierte Liste findest du in Jennifers Interview mit Katrin: Eine häufig gestellte Frage ist auch: „Ist es nicht egoistisch, mir ein Kind zu wünschen?“ Ich halte den Kinderwunsch für einen ganz natürlichen, menschlichen Wunsch. Der darf einfach da sein und bedarf keines moralischen Zeigefingers. Frauen, die diesen Weg gehen, haben ihn sich meistens nicht ausgesucht, sondern es ist eine sehr bewusst getroffene Lebensentscheidung. Somit ist jedes Kind, das zur Welt kommt, ein Wunschkind – zu dessen Erfüllung oft ein echt harter Weg zurückgelegt wurde. Was sind deine Schwerpunkte in der Behandlung von Kinderwunschpaaren und Kinderwunschfrauen im speziellen? Ich verstehe meinen therapeutischen Ansatz tatsächlich ganzheitlich, auch wenn das mittlerweile ein so inflationär gebrauchtes Wort ist. Auf der einen Seite kann ich als systemische Psychotherapeutin und Hypnotherapeutin gut auf die psychische Seite des Kinderwunsches eingehen. Oft sind es diffuse oder konkrete Ängste, Ambivalenzen oder auch schon Enttäuschungserfahrungen, die sehr belastend sein können. Manche Frauen haben schon einige gescheiterte Versuche hinter sich oder eine Fehlgeburt erlebt und spüren, dass ihre Seele Unterstützung braucht, um wieder heil zu werden. In all diesen Fällen versuche ich die Frau mit hypnotherapeutischen Methoden wieder mehr in die Ruhe und Zuversicht zu bringen und positive Bilder entstehen zu lassen, was z.B. sehr hilfreich vor jeglicher Form der Kinderwunschbehandlung, sei es Insemination oder IVF und ICSI, ist. Auf der anderen Seite bin ich aber auch Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Pflanzenheilkunde und Homöopathie und kenne mich mit allen gynäkologischen Problemen (wie z.B. Endometriose) oder Stoffwechselstörungen wie Schilddrüsenerkrankungen aus. Auch wenn es „nichts gibt“ kann die natürliche Fruchtbarkeit einer gestressten Großstadtfrau durchaus Stärkung gebrauchen. Die Fruchtbarkeit sinkt ja bekanntlicherweise und das ist oft ein Dilemma für die Singlefrau, die sich ja meist erst mit 30 oder noch später in Behandlung begibt. Also zu einem Zeitpunkt, wo Eizellqualität und andere Parameter leider nicht mehr so taufrisch sind wie mit Anfang 20. Egal, wie gesund sie bisher durch ihr Leben gegangen ist. Meine Schwerpunkte sind zusammengefasst also Körper und Seele. Wie kannst du diesen Frauen konkret helfen? Ich höre mir erst einmal an, was die Frau tatsächlich braucht. Hat sie den Wunsch, mit mehr Zuversicht in den nächsten Inseminations-Versuch zu starten, weil bisher die ersten beiden Inseminationen nicht zum Erfolg geführt haben, werde ich mit ihr Kinderwunschhypnose üben, die sie dann zu Hause selbstständig täglich weiter praktizieren kann. Das ist ein von vielen Frauen sehr geschätztes Tool. Oder sie braucht Unterstützung bei der Planung des nächsten Schrittes und jemanden der mit ihr das Wirrwarr an Informationen sortiert. Oder: Sie möchte „irgendetwas“ Naturheilkundliches zur Unterstützung machen. Dann schauen wir uns die Lebensbereiche und die Ernährung, Mikronährstoffe, die organische und hormonelle Situation an, ob und welche Unterstützung sie braucht. Ist z.B. Homöopathie geeignet oder sollte sie sich lieber auf eine Ernährungsumstellung konzentrieren? Manchmal rate ich auch, weniger zu tun, wenn die Frau bereits zur TCM-Therapeutin zur Akupunktur, zur Massage und zum Yoga geht. Stress rausnehmen, das zu finden, was tatsächlich hilft, ist immer auch ein Prozess. Denn nicht immer hilft es, noch mehr zu tun. Viel hilft also nicht immer viel. Lesbische Paare mit Kinderwunsch kommen ja auch in deine Praxis. Welche Themen tragen sie am häufigsten an dich heran?   Oh ja, lesbische Frauen werden ja ebenfalls in Berliner Kinderwunschkliniken behandelt und brauchen manchmal, wie auch Singlefrauen, eine psychosoziale Beratungsbescheinigung. Da gehen wir dann alle Themen durch die mit einer Samenspende in Zusammenhang stehen von Auswahl des Spenders, Kriterien für Samenbank– und Klinikwahl, wie gehe ich mit dem Umfeld um z.B. was erzähle ich am Arbeitsplatz warum ich ständig Termine habe, wer unterstützt mich? Wie und wann kläre ich das Kind auf? Also alles Fragen, die ich auch im Prinzip mit Singlefrauen besprechen würde. Und natürlich nicht zu vergessen die Frage: Was machst du, wenn es nicht klappt? Das ist eine der wichtigsten Fragen, die man sich aber sehr ungern selbst stellt. Allerdings. Diese Frage spricht ja auch eine Möglichkeit an, die man am liebsten weit von sich wegschieben möchte. Darfst du auch die von einigen Kinderwunschkliniken geforderte psychosoziale Beratungsbescheinigung ausstellen? Ja, ich bin vom Dachverband für Kinderwunschberatung BKiD für diese Beratung zertifiziert. Vor der Behandlung mit Spendersamen brauchst du ja oft eine psychosoziale Beratung. In dieser Beratung, die übrigens keine Prüfung ist, schauen wir auf alle Themen rund um deine Entscheidung allein diesen mutigen Weg zu gehen. Mich interessiert dabei, wen hast du „eingeweiht“? Die Behandlungen können psychisch sehr belastend sein. Wie denkst du über das Thema Aufklärung?  Wie und wann sollte ich mein Kind aufklären? Für all das nehmen wir uns Zeit. Im Anschluss bekommst du die von einigen Kliniken geforderte Beratungsbescheinigung. Gab es bereits die Situation, dass sich eine Frau mit Kinderwunsch an dich gewandt hat und im Laufe der Beratung festgestellt hat, dass sie im Grunde keine Kinder möchte sondern, dass ihr etwas anderes im Leben fehlt? Diese Situation ist im Verlauf der Zeit – ich bin ja schon einige Jahre mit diesem Thema unerfüllter Kinderwunsch unterwegs (ich glaube mittlerweile 14 Jahre) – erst ein oder zwei Mal passiert. Aber in dem Fall wusste die Frau das eigentlich auch schon selbst, brauchte mich aber nochmal zur Reflexion und zum Ausloten, was ihre eigentliche Lebensperspektive ist. Gibt es etwas, das du alleinstehenden Frauen mit Kinderwunsch mit auf den Weg geben möchtest? Ich wünsche euch die Energie und mentale Kraft, die dieser Weg erfordert aber auch den Mut, zu eurem Wunsch zu stehen und ein liebevolles unterstützendes Umfeld. Und…sucht euch jemanden, der euch berät und begleitet, ihr müsst den Weg nicht alleine gehen. Danke, Kathrin, für dieses spannende Interview. Möchtest du mehr über Kathrin und ihre Kinderwunsch-Seminare erfahren oder hast Fragen an sie? Schau gerne auf Kathrins Homepage Kinderwunsch in Berlin – Ganzheitliche Kinderwunschberatung, Naturheilkunde & Psychotherapie vorbei oder kommentiere diesen Beitrag. (Letztes Update 3. November 2021)

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„Manchmal habe ich das Gefühl, in puncto Beziehungen versagt zu haben“

Ab und zu dauert es Jahre. Oder auch nur 13 Tage, bis frau schwanger ist. So wie bei Mina, die fast zeitgleich mit ihrer Entscheidung, Solomama zu werden, auch schon schwanger war. Dass es trotzdem nicht immer einfach ist, und warum nicht jeder ihren Weg gutheißt, erzählt sie mir in diesem Interview. Kurze Erinnerung: Hier kannst du nochmal das Interview von Solomama Annika mit ihrer Tochter Ida nachlesen. >>FAST FACTS<< Name: Mina (31) Wunschkind: Melli, 15 Monate Zu Hause in: Baden-Württemberg Schwanger durch: Heiminsemination Geklappt hat es bei Versuch Nummer: 1 Freiwillig alleinerziehende Mama zu werden ist ja keine alltägliche Entscheidung. Warum bist du diesen Weg gegangen? Für mich war immer klar, dass ich Kinder möchte. Möglichst früh, da meine Eltern schon älter waren – und möglichst viele. Natürlich dachte ich, das wird in einer ganz normalen Mama-Papa-Konstellation passieren. Doch bereits recht bald – nach einer längeren gescheiterten Beziehung – mit 24, habe ich nach Alternativen gesucht und die Möglichkeit im Hinterkopf behalten. Ein paar Jahre und ein paar Männerbekanntschaften später habe ich den Entschluss dann innerhalb von einem Tag gefasst. In diesem Zyklus hat es dann auch sofort geklappt. Im Nachhinein bin ich meinem Ex-Partner sogar dankbar. Ohne sein Verhalten hätte ich mich nicht so schnell entschieden. Hui, das ging ja dann doch plötzlich alles ganz schön flott bei dir. Interessanterweise bist du ja auch eine von den jüngeren Single Moms by Choice. Was nachvollziehbar ist, wenn du eigentlich immer schon viele Kinder wolltest, denn irgendwann muss man damit ja loslegen. Gab es bei dir einen Auslöser, dass du dachtest, eventuell bald keine Kinder mehr bekommen zu können? Komischerweise hatte ich immer Angst, eventuell keine Kinder bekommen zu können, da mein Zyklus jahrelang total durcheinander war. Interessanterweise hat er sich genau im Jahr vor der Schwangerschaft eingependelt. Da war das Universum total auf deiner Seite. Bei mir lief es eher umgekehrt, dass ich immer total regelmäßig dran war, und beim ersten Versuch gar nichts mehr stimmte. Welche Gedanken hast du dir gemacht, bevor du Singlemama geworden bist? Akut, nicht so arg viele. Da gab es kein pro und kontra. Ich wusste einfach, dass das jetzt der richtige Weg ist. Jedoch habe ich mir eben mit 24 viele Gedanken darüber gemacht, vor allem, ob es nicht seltsam ist, auf diesem Weg ein Kind zu bekommen. Und der Klassiker: „Was denken wohl die anderen.“ Gerade das Gefühl, etwas nicht Alltägliches zu tun, treibt meiner Erfahrung nach viele Singlemamis in spe um. Natürlich, denn meist kennt man niemanden, der diesen Weg gegangen ist und ist erstmal alleine damit. Mir ging und geht es manchmal auch heute an schlechten Tagen so, dass ich das Gefühl habe in puncto Beziehungen versagt zu haben. Der Kopf weiß zwar, dass das Blödsinn ist, und wenn ich meine Kleine angucke, spüre ich auch, dass es so hat kommen müssen. Trotzdem ist da ab und an diese Stimme. Hmmm, diese Stimme mischt sich wohl bei vielen gelegentlich ein. Du hast nicht wirklich lange gebraucht, von dem ersten Gedanken an ein Leben als Solomama bis zu deiner Schwangerschaft, oder? 13 Tage! Das ist wirklich rasant. Du hattest eine Heiminsemination, ganz ohne Hormone und Medikamente. Hättest du dir als Unterstützung jemanden an deiner Seite gewünscht? Da es nur eine Behandlung war, habe ich das alleine überlegt und gemacht. Aber auch bei weiteren Behandlungen hätte ich erstmal niemanden außerhalb der Familie eingeweiht. Aber das muss jeder selbst wissen. Fandest du es einen guten Zeitpunkt deinem Kinderwunsch genau jetzt umzusetzen? Finanziell und beruflich passt der Zeitpunkt ganz genau. Manchmal denke ich, ich hätte es mit 24 versuchen sollen, aber der letzte „Tritt“ hat irgendwie gefehlt. Das hat dann das Verhalten meines Ex-Partners erledigt. Ja, manchmal braucht man so einen In-den-Arsch-Treter. Nach welchen Kriterien hast du deinen Spender ausgewählt? Bauchgefühl. Der Beruf war mir das wichtigste. Dann habe ich noch geschaut, dass das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht einigermaßen stimmt. Alles andere war mir total egal. Bei der Partnerwahl ist mir ja die Haar- und Augenfarbe auch egal. Ist ja spannend. Also der Beruf hat mich gar nicht so interessiert, allerdings sollte er schon studiert haben. Körpergröße und Gewicht fand ich tatsächlich auch noch wichtig, weil ich sehr klein bin und weder einen genauso kleinen noch einen zu großen Spender wollte. Hast du auch mal über Co-Parenting nachgedacht? Ich habe mich dagegen entschieden, da ich glaube, wenn ich wirklich einen Mann finden sollte, der mich optisch und intellektuell anspricht, sowie die ähnlichen Vorstellungen von Erziehung hat, könnte man es ja auch in einer Beziehung versuchen?!? Hehe. Verrückt. Hattest du zwischendurch Zweifel, ob du das richtige machst? Nein! Was war die größte Herausforderung beim Babytiming? Ehrlich gesagt, der Eisprungtest. Ich hatte erst welche, die bei höheren Werten anschlagen. Zum Glück habe ich das noch rechtzeitig bemerkt. Ogott, also bei mir haben die alle nicht funktioniert. Oder ich bin einfach zu blöd dafür. Hätte ich mich nur auf diese Ovulationstests verlassen, wäre ich heute sicher noch kinderlos. Aber schön, wenn es Frauen wie dich gibt, die damit etwas anfangen können. Warst du von Anfang an zu allen total offen in Bezug auf das Thema Kind durch Samenspende? Unterschiedlich. Meine Mutter wusste Bescheid, schnell auch 2 Freundinnen. Inzwischen weiß mein enger Freundeskreis Bescheid. Schwierig fand und finde ich es im Job, zumal ich in den ersten Wochen schon von meinem Chef gefragt wurde, ob ich mit dem Papa zusammen wohne. Da habe ich gelogen und finde das auch legitim. Die Frage geht gar nicht! Hä? Finde ich aber auch seltsam, warum das den Chef etwas angeht?! Du fragst ihn doch auch nicht, wie seine Ehe läuft. Wie hat sonst dein Umfeld darauf reagiert, dass du alleine Mama werden willst? Erstaunlicherweise, bis auf eine Freundin, sehr gut! Alle konnten es nachvollziehen, einige haben gesagt, sie würden es, wenn sie alleine wären, vielleicht auch machen. Und zwei Freundinnen werden diesen Weg wohl auch gehen. Oh, und die eine Freundin, die nicht so gut drauf reagiert hat? Sie hat mir im Prinzip prophezeit, dass ich mit meiner Tochter Probleme bekommen werde und sie diese Entscheidung bestimmt nicht verstehen wird. Inzwischen ist diese Freundin aber keine Freundin mehr. Sonst gibt es noch ein paar, die etwas skeptisch sind, aber eher, weil sie sich das für sich nicht vorstellen können. Sonst muss ich wirklich sagen, dass ich sehr überrascht bin, wie positiv die meisten damit umgehen. Das macht doch Mut! Und es ist erstaunlich, dass doch viele Menschen für eine Überraschung gut sind. Diejenigen, von denen man es am wenigsten erwartet hätte vielleicht sogar. Gab es Fragen zum Vater? Und falls ja, wie hast du darauf reagiert? Ja und das hat mich echt überrascht und verärgert. Denn es waren eher entfernte Bekannte und Kollegen, die vehement nach dem Vater gefragt haben und sich auch eingemischt haben. So nach dem Motto: „Ich will das ja nur wissen, um dir zu helfen, falls sich mal Probleme auftun.“ Klar, kennt man ja, dass diese entfernten Bekannten und Kollegen, die immer als erstes für einen da sind, wenn man jemanden braucht. Ich habe den Eindruck, dass manche gar nicht sehen, dass sie eine Grenze überschreiten. Du mischt dich ja sicher auch nicht in ihre Beziehungen ein. Und Interesse kann man auch anders zeigen. Das ist irgendwie die pure Neugier und Sensationslust. Naja. Überlegst du schon ein zweites Kind oder ist eure Mama-Kind-Familie komplett? Ich möchte sehr gerne mehrere Kinder. Aber ich versuche anzunehmen, was das Leben mit mir vor hat. Ob nun mit einem künftigen Partner, als Patchwork-Familie oder nochmal als Single… Welche Menschen unterstützen dich? Wer hat dir am meisten geholfen auf deinem Weg? Meine Mama, sie wohnt inzwischen in der Nähe und hat vor allem die ersten Wochen (Clusterfeeding) viel für uns gemacht. Auch jetzt ist sie immer für uns da! Klar, man kann alles alleine schaffen, aber besser geht es mit Hilfe (und das sagt hier jemand, der nicht gerne Hilfe annimmt). Außerdem hat meine Tochter die wohl beste Patentante, die man sich wünschen kann. Eine Freundin seit nun schon 25 Jahren. Das klingt richtig toll! Was war oder ist für dich die größte Herausforderung alleine mit deiner Tochter? Bisher geht es ganz gut, aber jeder kennt die Momente, wo man einfach gerne mal 5 Sekunden Ruhe hätte. Respekt habe ich eher davor, wenn ich wieder arbeiten gehe. Dann arbeitest du momentan noch nicht wieder? Nein. Wenn es nach mir gehen würde, würde ich die nächsten Jahren daheim bleiben, aber Geld braucht man halt auch. Eine wirkliche Karriere möchte ich nicht machen. Ich werde wahrscheinlich meine Arbeitsstelle wechseln, da ich keine Nachtdienste mehr machen möchte. Nachtdienste hast du mit Kind ja auch schon genug. Wie gefällt dir denn dein Leben als Solomama. Hättest du es dir so vorgestellt, oder gibt es Dinge, die du gerne vorher gewusst hättest? Super! Ich fühle mich endlich angekommen und bin glücklich. Ich hätte gerne jemanden gehabt, den ich über das Stillen hätte ausfragen können. In meiner Familie haben es die meisten Frauen, weil sie eben keine Hilfe hatten, schnell aufgegeben und mit den Hebammen hatte ich eher Pech. Außerdem wäre ich manchmal gerne lockerer, aber es ist eben das erste Kind, woher soll man denn auch immer wissen, was richtig ist?! Kannst du dir zukünftig wieder einen Partner in deinem Leben vorstellen? Das Kind geht vor, aber ich bin trotzdem offen, ohne jetzt aktiv zu suchen. Gibt es einen Tipp, den du Singlefrauen geben möchtest, die sich noch unsicher sind, ob sie den Weg alleine schaffen? Es ist wie bei allem, man wächst mit den Aufgaben. Es ist manchmal hart und anstrengend, aber man glaubt nicht, wieviel ein Babylächeln oder ein „Mama“ einem gibt und vergessen lässt. Traut euch! Es lohnt sich! Hast du noch Fragen an Mina? Dann schreibe mir gerne eine Nachricht, und ich leite sie an sie weiter. Oder kommentiere diesen Beitrag einfach. (Letztes Update 27. Juli 2021)

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polly freytag will solomutter werden solomapluseins

„Die Frage ist nicht mehr, ob ich Solomama werde. Sondern wann!“

„Ich will Solomama werden.“ So selbstbewusst stellt sich polly.freytag auf ihrem Instagram-Account vor. Ich durfte sie persönlich kennenlernen, und bin mir sicher, dass sich so mancher wundert, warum eine so tolle Frau alleine Mama werden möchte. Sie sieht gut aus, ist intelligent, unterhaltsam und äußerst liebenswert. Sie könnte einige Männer haben. Aber darum geht es ihr nicht. Pollys Geschichte ist eine von denen, die Singlefrauen mit Kinderwunsch miteinander verbindet. Ein passender Mann ist nicht in Sichtweite, der Wunsch nach einem Baby aber schon. Deswegen freue ich mich sehr, dass sie ihre Überlegungen aufgeschrieben hat, die sie auf dem Weg zur Solomama begleiten. Denn dadurch macht sie anderen Singlefrauen mit Kinderwunsch Mut. Liebe Polly, los geht’s. Und dann das Happy Ending? „Verliebt, verlobt, verheiratet – geschieden. Wie viel‘ Kinder willst du kriegen?“ Diesen Zählreim habe ich in der Grundschule beim Seilspringen kennengelernt. Jedes Mal, wenn wir auf dem Pausenhof Seil gesprungen sind, habe ich darüber gegrübelt, wer seine Kinder nach der Scheidung bekommt. Denn selbst wenn man geschieden ist, geht doch das Spiel erst wieder von vorne los: verlieben, verloben, heiraten. Dann Kinder bekommen. Und wenn es ganz dumm läuft, dann halt noch eine Scheidung. Sorry. Da hat der Erwachsenen-Zynismus eingesetzt. Nochmal: Dann Kinder bekommen. Und dann das Happy Ending. Ich bin Polly Freytag und der Zählreim, den ich früher so komisch fand, beschreibt meine aktuelle Situation ziemlich genau. Ich habe mich vor ein paar Jahren von meinem Mann scheiden lassen, bevor wir Kinder bekommen haben. Der Mann, mit dem ich danach zusammen war, passte viel besser zu mir, wollte aber leider keine Kinder. Und nun? „Pragmatisch gesehen tut es ein One-Night-Stand auch“ Ich habe eine Dating-App. Und ich war auf ein paar Dates. Ich habe aber jedes Mal das Gefühl, die Männer gleich auf ihre Vatertauglichkeit prüfen zu müssen und das tötet schnell jegliche Romantik. Außerdem gefällt mir mein Solo-Status ganz gut. Meistens zumindest. Vor einem halben Jahr habe ich mich deshalb das erste Mal gefragt, ob ich unbedingt erst wieder einen Mann finden muss, um Kinder zu haben. Ganz pragmatisch gesehen tut es ja auch ein One-Night-Stand. Ich bin allerdings selten pragmatisch. Ich informiere mich vor größeren Entscheidungen, wäge ab. Und hier geht es definitiv um eine ganz große Entscheidung! Co-Parenting kommt für mich auch nicht in Frage. Vielleicht verstehe ich das Prinzip einfach nicht richtig. Wenn ich schon nach jemandem suche, der ein potentieller Vater für mein Kind sein könnte und dessen Vorstellungen von Erziehung sich möglichst mit meinen decken, warum dann nicht gleich einen Mann, der auch zu mir passt? „Mein privates Glück hat Vorrang vor der beruflichen Erfüllung Wie auch immer – suchen kostet Zeit. Biologisch gesehen habe ich vielleicht auch noch fünf bis zehn Jahre. Aber ich fühle mich so bereit für ein Kind, wie nie zuvor in meinem Leben. Samenspende für Single-Frauen kannte ich bisher nur aus den USA. Die Vorstellung einer möglicherweise mehrwöchigen, exorbitant teuren Reise hat mich entmutigt und ich habe diese Möglichkeit vorerst wieder in der Schublade „Dinge, die ich mit einem großen Lottogewinn bezahle“ geparkt. Dann machte mich der Ex-ohne-Kinderwunsch vor zwei Monaten auf Hannas Blog aufmerksam. Ich kann euch sagen, seitdem geht es in meiner Birne ganz schön rund! Ihre Fragestellungen und Recherchen haben mich ein ganzes Stück nach vorne katapultiert. Ich habe mich getraut und mit den ersten Freundinnen über das Solo-Mama-Sein gesprochen. Neben ermutigenden Worten hatten sie aber auch viele Fragen – genauso wie ich. Was passiert mit meiner Karriere? Meine Chefs möchten mich auf eine Führungsposition vorbereiten. Ich will den Job und ich freue mich, wenn es klappt. Es gibt aber noch keine offene Position, ich habe dazu nichts Konkretes in der Hand. Außerdem bin ich mir sicher, dass ich es bereuen werde, wenn ich das Mutterwerden auf die lange Bank schiebe. Mein privates Glück hat jetzt Vorrang vor der beruflichen Erfüllung. „Der kleine Revoluzzer in mir ist noch nicht mutig genug“ An einem Punkt bin ich aber doch hin- und hergerissen: Meine Erfahrung und die aller Freundinnen, Bekannten, Cousinen und Schwägerinnen sagt: Mund halten, so tun als wäre nichts, Job dingfest machen, schwanger werden. Da gibt es aber noch so eine kleine revolutionäre Stimme in mir, die mich dazu drängt, mit offenen Karten zu spielen. Die dieses Klischee überwinden will. Ich arbeite in einem großen, konservativen Unternehmen. Meine Chefs regeln einige Belange im Rahmen ihrer Möglichkeiten aber relativ unkonventionell, sodass in mir die Hoffnung keimt, dass ich in dieser heißen Phase sagen könnte: “Ich will die Position haben. Ich plane aber auch, in ein bis zwei Jahren ein Kind zu bekommen. Und ich habe folgende Ideen und Vorschläge, wie wir das alles unter einen Hut bekommen können.“ Das schlimmste, das passieren kann: Ich bleibe in dem Job, den ich schon habe. Der kleine Revoluzzer in mir ist aber noch nicht mutig genug. Einige wichtige Fragen stelle ich mir natürlich zu meinen Finanzen. Am Anfang meiner Überlegungen dachte ich, dass die Samenspende mich viel mehr Geld kosten wird. Allerdings habe ich da auch mit einer Reise in die USA und mit einem längeren Aufenthalt dort gerechnet. Ein Versuch hier in Europa, vielleicht sogar in Deutschland, ist definitiv drin. Ein zweiter wahrscheinlich auch noch. Und dann? Wünsche ich mir den dritten zum Geburtstag? Wie würde ich diesen Wunsch wohl auf der Partyeinladung formulieren? Mit meinem Einkommen komme ich bisher ganz gut aus. Ich habe kein Auto, dass plötzlich unerwartete Reparaturen braucht. Ich zahle keine Kredite oder Darlehen ab und ich bilde kontinuierlich Rücklagen. Wie sieht es aber aus, wenn das Kind da ist? Wie viel Elterngeld bekomme ich? Wie viel Stress macht es mir, dass mich kein Partner mit einem zweiten Einkommen unterstützt? Kann ich es mir leisten, ein ganzes Jahr gar nicht zu arbeiten? Und was mache ich, wenn ich feststelle, dass ich lieber noch viel länger bei meinem Kind zu Hause bleiben möchte? „Es wird eine Lösung geben, bei der wir nicht am Hungertuch nagen müssen“ An dieser Stelle musste ich beim Schreiben eine Pause machen, um mich mal kurz am eigenen Kragen aus dem panischen Strudel zu ziehen und um mich selbst zu beruhigen. Mein Arbeitgeber ist einer der familienfreundlichsten in Deutschland und bietet Eltern viele Möglichkeiten, beginnend bei flexiblen Arbeitszeiten bis hin zum Home Office. Es wird eine gute Lösung geben, bei der mein Kind und ich nicht am Hungertuch nagen müssen und trotzdem genug Zeit miteinander verbringen können. Muss ich noch mal umziehen? Meine Wohnung ist klein und ein bisschen teuer, aber ich fühle mich sauwohl in meinem Zuhause. Über Privatsphäre mache ich mir keine Illusionen – die ersten 12 bis 24 Monate wird das Mini-Me sowieso an meinen Schatten getackert sein. Klein ist also erstmal kein Problem. Teuer könnte vielleicht mittelfristig hart am Portemonnaie-Boden kratzen. Andererseits wäre das nur temporär, irgendwann steigt das Einkommen ja wieder. Selbst wenn ich jetzt den Sechser im Wohnungsmarkt-Lotto ziehen würde: Ein Umzug würde mich ordentlich Geld kosten. Zack! Loch in der Samenspenderkasse. Also bleibe ich erst mal, wo ich bin. Ich habe noch viele, viele weitere Fragen, die sich auf die Zeit beziehen, wenn ich dann mal solo-schwanger oder Solo-Mama bin. Wem erzähle ich, wie ich wirklich schwanger geworden bin? Wer begleitet mich zu wichtigen Untersuchungen und am Ende auch zur Geburt? Möchte ich das überhaupt teilen? Wer unterstützt mich in den ersten Wochen nach der Geburt? Wer hält mich bei hormonbedingtem Emotionschaos im Arm? Bei einigen dieser Fragen werde ich mir Rat und Empfehlung holen können, auf andere werde ich die Antwort erst finden, wenn ich schon mitten im Abenteuer bin. Wahrscheinlich werde ich auch mal eine neue Antwort auf ein längst beantwortet geglaubte Frage finden müssen. Und wieder andere Fragen erledigen sich vielleicht mit der Zeit ganz ohne großes Grübeln. Als Hanna mich fragte, ob ich einen Gastbeitrag für Ihren Blog schreiben möchte, dachte ich, dass ich darüber schreibe, wie ich mich der Entscheidung für das Solo-Mama sein nähere. Während ich diese letzten Zeilen schreibe, habe ich das Gefühl, dass meine Entscheidung gefallen ist: Die Frage ist nicht mehr, ob ich Solo-Mama werde, sondern wann. Ich bin Polly Freytag. Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden. Ein, zwei Kinder will ich kriegen. Mehr von Polly? Falls du mit Polly Kontakt aufnehmen möchtest, kannst du sie über ihren Instagram-Account polly.freytag erreichen. Auch hat sie extra eine E-Mail-Adresse zum Austausch bereitgestellt: polly.freytag@icloud.com Also keine Scheu, tipp einfach drauf los, wenn du etwas wissen möchtest oder du den Kontakt zu einer Gleichgesinnten suchst. Polly freut sich schon. (Letztes Update 3. November 2021)

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hilfe notmuetterdienst hamburg alleinerziehend solomapluseins

„Es ist nie zu spät, sich Hilfe zu holen“

Hilfe in der Not. Dafür ist der Notmütterdienst eine mögliche Anlaufstelle. Gerade für Alleinerziehende – egal ob freiwillig oder unfreiwillig in dieser Situation -, kann die bereits 1969 gegründete gemeinnützige Organisation ein wahrer Rettungsanker sein. Auch wenn ich selbst erst davon erfahren habe, nachdem mich jemand aktiv über Instagram kontaktiert hat, ist der Notmütterdienst bereits in 11 deutschen Städten vertreten (Frankfurt, Berlin, Hamburg, Köln, Halle, Leipzig, Koblenz, Rostock, Stralsund, Greifswald, Darmstadt). Hauptsächlich hilft er bei haushaltsnahen Dienstleistungen für in Not geratene Familien und Senioren. Aber: Das ist noch längst nicht alles! Weil ich denke, dass jeder einmal Hilfe braucht oder zumindest wissen sollte, welche Möglichkeiten es gibt, wollte ich mehr über diese Organisation erfahren und habe nachgefragt bei Frauke Zimmermann, Geschäftstellenleitung des Notmütterdienstes in Hamburg. Hallo Frauke, schön, dass du dir Zeit für mich nimmst. Ich lege auch gleich mal los. Ihr habt alleine in Hamburg über 120 BetreuerInnen. Wie setzt sich dieser Personenkreis zusammen? Unsere BetreuerInnen kommen aus breit gefächerten Berufsfeldern. Was sie alle gemeinsamen haben, ist ihre Kompetenz, ihre Flexibilität, sich stets auf neue Familien und Situationen einzustellen, und ihre liebevolle Art. Darauf achten wir besonders bei der Auswahl unseres Teams. Das Alter spielt dabei zunächst keine Rolle – wichtig ist für uns, dass man sich der Aufgabe gewachsen fühlt und Verantwortung übernehmen kann. Die meisten unserer BetreuerInnen sind weiblich – da sieht es bei uns ähnlich wie im gesamten sozialen Sektor aus. Viele von ihnen kommen beispielsweise aus der Kinder- oder Alten-Pflege, aus einem sozialpädagogischen Umfeld oder aus der Hauswirtschaft. „Wir geben unser Bestes, Unterstützung zu ermöglichen“ Wir decken sowohl zahlreiche Aufträge in der Familien- und Kinderbetreuung, als auch in der Seniorenbetreuung ab. Doch öfter sind es Familien mit Kindern, die Hilfe benötigen, weil beispielsweise ein Elternteil temporär ausfällt oder eine schwierige Zeit mehr Energie erfordert, als derzeit aufgebracht werden kann. Dann springen wir ein und sorgen für individuelle Hilfe. Jede Familie braucht in einer solchen Situation andere Unterstützung, und wir geben unser Bestes, genau diese zu ermöglichen. Unsere BetreuerInnen helfen in der Regel im Zuhause der Familien und fügen sich in ihren Tagesablauf ein, damit das stabile Umfeld auch in einer Notsituation beständig bleibt. Welche Menschen suchen am häufigsten Hilfe bei euch? Oftmals sind es Mütter mit jüngeren Kindern, die vorübergehend Hilfe benötigen. Jeder, der Kinder hat, weiß, dass es nicht viel braucht um die Dinge aus der geraden Bahn zu werfen. Wenn dann beispielsweise ein Elternteil kurz- oder längerfristig ausfällt, ist das Chaos oftmals vorprogrammiert. Die Gründe können vielfältig sein – ein Elternteil oder Kind erkrankt, eine Schwangerschaft verläuft nicht ganz unproblematisch, eines der Kinder verhält sich auffällig, die erste Zeit mit dem Neugeborenen fällt schwer, man ist überfordert und benötigt vielleicht einfach mal Entlastung oder Hilfe bei der Strukturierung des Alltags oder oder oder. Besonders als Alleinerziehender fühlt man sich zuhause oftmals einem enormen Druck ausgesetzt und hat das Gefühl, alles stürze zusammen, wenn man mal ausfällt. Damit genau das nicht passiert, springen wir ein, wenn Hilfe benötigt wird. Ebenso helfen wir, wenn beispielsweise Unterstützung nach einer Operation gebraucht wird, pflegende Angehörige Entlastung benötigen oder Senioren um Hilfe bitten, um den eigenen Alltag weiterhin möglichst selbstständig gestalten zu können. Jeder Einsatz ist anders – den einen Beispielsfall gibt es eigentlich nicht. Da sich in meinem Blog alles rund ums Thema Alleinerziehende dreht, interessiert mich natürlich speziell dieser Bereich. Was würdest du sagen, wie hoch der Anteil der Alleinerziehenden ist, die sich an euch wenden? Der Anteil der alleinerziehenden Eltern liegt bei ca. 30%. Das sind natürlich einige. Wenn bei einem Alleinerziehenden mal etwas schief läuft, tritt sehr schnell eine Notsituation ein, da oftmals niemand auf die Schnelle einspringen kann. Da muss Mama im Grunde nur mal krank werden und drei Tage im Bett liegen oder wichtige Termine haben, die sich nicht verschieben lassen. Deshalb bieten wir schnelle und kurzfristige Hilfe an, um auch in solchen Situationen flexibel unterstützen zu können. Zudem gibt es die Möglichkeit, eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung in Anspruch zu nehmen, die besonders für Alleinerziehende enorm wichtig sein kann, wenn diese beispielsweise aufgrund eines Krankenhausaufenthalts auch nachts ausfallen. Auch dann betreuen wir im gewohnten Umfeld der Kinder. Auch als Schwangere kann ich mich an euch wenden, richtig? Inwieweit könnt ihr eine Schwangere am besten entlasten und unterstützen? Stimmt, auch hier unterstützen wir. Denn eine Schwangerschaft kann zu einer echten Herausforderung werden, wenn sie beispielsweise nicht nach Plan verläuft. Ist eine Mutter zum Beispiel risikoschwanger, wird die Versorgung weiterer Kinder im Haushalt direkt zu einer Mammutaufgabe. Dann übernehmen wir beispielsweise die Betreuung und helfen mit haushaltsnahen Dienstleistungen. Kannst du mal beschreiben, wie ein typischer Ablauf sein kann, wenn eine alleinerziehende Mama merkt, dass sie Hilfe braucht? Kein Fall ist wie der andere, denn jede Familie ist unterschiedlich. In der Regel meldet sich die betroffene Mama selbst bei uns – ganz gleich ob persönlich oder per Telefon – und erklärt uns die Situation. Natürlich können sich auch Angehörige mit offenen Fragen an uns wenden, doch ohne das Einverständnis der Mama können und wollen wir nicht handeln. Wir beraten dann erstmal und klären darüber auf, welcher Träger beispielsweise die anfallenden Kosten für die Betreuung übernehmen kann. Wir reden über offene Fragen, Unklarheiten und Unsicherheiten. Gemeinsam mit der betroffenen Person ermitteln wir den Bedarf und sprechen über die individuellen Bedürfnisse und Besonderheiten der Familie. Beim anfallenden „Papierkram“ stehen wir der Familie natürlich ebenfalls zur Seite. Dann suchen wir die/den passende BetreuerIn aus. Für uns ist es wichtig, dass Betreuer/In und Familie gut zusammen passen. Da wir einen engen Kontakt zu all unseren BetreuerInnen pflegen, kann das in der Regel sehr gut vorab eingeschätzt werden. Ist die/der passende BetreuerIn gefunden, kann der Einsatz starten. Um welche Themen geht es im ersten Gespräch? Als allererstes geht es um die individuelle Situation, die einer Familie oder einer Person zu schaffen macht. Denn nur so finden wir heraus, wie wir am besten unterstützen können. Dann sprechen wir darüber, wie wir helfen können, und über Möglichkeiten der Kostenübernahme. Hier klären wir alle offenen Fragen. Oftmals ist es ja nicht nur eine Überwindung, nach Hilfe zu fragen, sondern haben viele Eltern auch Angst vor dem „Papierberg“, der da auf sie zukommen könnte – dieser Gedanke kann natürlich ebenfalls überfordern. Hier können wir helfen und beraten ganz unkompliziert und unverbindlich – dann wird schnell klar: alles halb so schlimm. Gemeinsam finden wir im Gespräch in der Regel recht schnell eine Lösung für die aktuelle Situation. Manchmal merkt man ja selbst erst, dass einfach alles zu viel ist, wenn der Drops schon gelutscht ist, sprich, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Hast du Tipps, zu welchem Zeitpunkt man sich am besten Unterstützung durch euch holen sollte, damit es gar nicht erst zu einer Über-Überforderung kommt? Das Wichtigste ist erstmal, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht. Das ist keineswegs ein Zeichen von Schwäche – jeder benötigt mal Unterstützung. Das Leben mit Kindern kann fordernd und überfordernd sein, die Vereinbarkeit von Job und Kind verlangt zahlreichen Eltern einen großen Spagat ab, und nicht jede Abweichung des normalen Alltags kann sofort gelassen gemeistert werden. Das macht nichts. Solange man sich eingesteht, dass man mal Hilfe benötigt und sich diese dann auch holt. Überforderung hat viele Gesichter, daher ist es schwierig, einen allgemeingültigen Zeitpunkt zu benennen. Grundsätzlich sagen wir aber: Es ist nie zu spät, sich Hilfe zu holen. Merkt man als Elternteil beispielsweise, dass das Gefühl, die Lage nicht unter Kontrolle zu haben, Überhand gewinnt, sollte man über Unterstützung nachdenken. Reisst der Geduldsfaden zu schnell, weil Mama oder Papa überfordert sind, leiden auch die Kinder darunter. Ist man als Elternteil überfordert, verliert man nicht selten die Strukturen im Alltag. Wir helfen dann beispielsweise, diese wieder aufzubauen. Auch als alleinerziehende Mutter oder alleinerziehender Vater ist man nicht allein und kann sich Hilfe holen. Wir möchten Mütter und Väter auf jeden Fall dazu ermutigen, achtsam mit sich zu sein, die eigene Überforderung anzuerkennen und sich nicht selbst die Schuld dafür zu geben. Dann ist es einfach mal Zeit für Entlastung. Wer mit sich selbst im Einklang ist, kann auch mit Stresssituationen wieder besser umgehen und neue Herausforderungen meistern. Jetzt gehen wir mal davon aus, ich will ganz dringend mal wieder shoppen gehen, ohne dass ein Kind an meinem Bein hängt. Und danach noch zur Massage, abends schön ins Kino, und wenn ich dann noch Lust habe, hänge ich noch einen – ebenfalls kinderfreien – Restaurant-Abend dran. Würde in diesem Fall jemand von euch mein Kind betreuen, obwohl ich ja nur mal einen Tag Entspannung brauche und nicht wirklich in Not bin? Wir finden es natürlich sehr gut, dass du deine eigenen Bedürfnisse kennst und dir auch mal Zeit für dich einräumen möchtest. Auch wenn wir Kinderbetreuung ebenfalls als privat bezahlbare Dienstleistung anbieten, gehört solch ein Babysitter-Dienst nicht zu unserer Kernkompetenz. Unserer BetreuerInnen sind in den meisten Familien für mindestens 3-5 Tage pro Woche umfangreich gebucht, so dass es nicht immer einfach ist, für einzelne Tage Unterstützung zu organisieren. Einen Versuch wäre es aber Wert, manchmal klappt auch das. Habt ihr auch schon Leute abgewiesen, weil ihr den Eindruck hattet, sie brauchen keine wirkliche Unterstützung, sondern nur eine preiswerte Haushaltshilfe? Nein, das tun wir in der Regel nicht. Wir nehmen vorerst jede Anfrage ernst und wissen, dass es auch hilfreich sein kann, wenn eine überlastete Mutter einfach mal von den alltäglichen hauswirtschaftlichen Aufgaben befreit ist und sich vorübergehend auf sich selbst und die Kinder konzentrieren kann. Allerdings geht es dann natürlich auch bei uns um alltägliche Aufgaben, nicht um eine Grundreinigung o.ä. Welche Notsituation müsste eintreffen, damit ich als alleinerziehende Mama Anspruch darauf hat, vom Notmütterdienst unterstützt zu werden? Grundsätzlich sind wir bemüht, allen Familien zu helfen, die sich an uns wenden. Die Kosten dafür können von verschiedenen Kostenträgern übernommen werden, wie zum Beispiel – bei der Kinderbetreuung am Häufigsten – von der Krankenkasse, wenn aus gesundheitlichen Gründen Hilfe benötigt wird. Hierzu beraten wir jede Mutter, die sich an uns wendet, am Telefon ganz individuell und stehen ihr bei der Antragstellung zur Seite. Die jeweilige Notsituation kann dabei ganz unterschiedlich aussehen und sowohl psychische als auch physische Gründe haben. Gibt es Fälle, in denen die Chemie zwischen der Hilfesuchenden und der Hilfeanbietenden nicht stimmt? Falls ja, wie geht ihr mit dieser Situation um? Das passiert eher selten, da wir bereits nach dem Gespräch mit der Familie überlegen, welche/r BetreuerIn zu den individuellen Bedürfnissen passt. Zudem sind unsere BetreuerInnen sehr gut in der Lage, sich individuell auf die jeweilige Familiensituation einzustellen. Dennoch kann es in seltenen Fällen natürlich vorkommen, dass die Chemie nicht stimmt – schließlich sind es Menschen, die hier aufeinander treffen. Wir versuchen auch dann individuelle Lösungen zu finden und sind im engen Gespräch mit BetreuerIn und Familie. Keiner Familie ist geholfen, wenn die neue Situation mehr Stress als Entlastung bedeutet. Ist es also so, dass die angestrebte Hilfe durch die aktuelle Situation nicht gewährleistet werden kann, muss eine neue Lösung, und damit vielleicht auch ein/e neue/r BetreuerIn gefunden werden. Was war der bisher längste Zeitraum, den sich jemand von euch um eine Familie gekümmert hat? Für Familien kann die Hilfe in Ausnahmefällen schon mal bis zu einem Jahr bewilligt werden, dies geht aber in der Regel nur mit Unterstützung vom Jugendamt in ganz kritischen Situationen. Die Einsätze variieren auch in ihrer Länge sehr stark – von einem Tag bis zu ein paar Monaten ist alles dabei. Gibt es eine zeitliche Begrenzung für eure Unterstützung? Grundsätzlich helfen wir solange, wie unsere Hilfe benötigt oder finanziert wird. Wir können dabei natürlich nicht beispielsweise die Altenpflegerin eines Senioren ersetzen, und vermitteln auch keine dauerhafte Kinderbetreuung. Doch für uns zählt: Solange eine Familie in einer schwierigen Lage ist und Hilfe benötigt, sollte sie diese auch bekommen. Das entlastet sicherlich einige, wenn sie das wissen. Jetzt kommen wir mal zum Finanziellen: Alleinerziehende schwimmen ja nicht gerade im Geld. Trotzdem muss eure Arbeitsleistung bezahlt werden. Für den Fall, dass weder meine Krankenkasse noch meine Rentenversicherung für die Kosten aufkommt, weil sie mich für “nicht förderungswürdig” hält, welche Möglichkeiten habe ich, trotzdem von euch unterstützt zu werden? Finanzielle Sorgen sind natürlich ebenfalls oftmals ein Grund, warum Familien zögern um Hilfe zu…

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spenderkind claire falsch in der eigenen familie solomapluseins

„Ich hatte schon als Kind das Gefühl, falsch zu sein“

„Ich hätte ein Königreich für ein Bild gegeben.“ Nachdenklich wirkt sie. Und ein bisschen traurig, als sie diese Worte sagt. Claire (Name geändert) ist anders als andere Frauen, auch wenn man es ihr auf den ersten Blick nicht ansieht. Nicht mal auf den zweiten oder dritten. Wie sollte auch jemand aussehen, der jahrzehntelang mit einer falschen Wahrheit aufgewachsen ist?! Hört man Claire zu, merkt man sofort, dass sie eine intelligente Frau ist, die ihre Gedanken mit Bedacht äußert. Ihre persönliche Geschichte wird dadurch nicht weniger emotional und authentisch, sondern bringt einen zum Nachdenken. Und zeigt auf, welche (inneren) Konflikte jemanden beschäftigen können, der eines Tages erfährt, dass er „Kind zweiter Wahl“ ist. Claire und ihre falsche Identität Mir ist wichtig, in meinem Blog auch die Seite derjenigen zu beleuchten, die bei ihrer Entstehungsgeschichte kein Mitspracherecht haben: Spenderkinder. Gerade weil mein Sohn das Kind eines Samenspenders ist, möchte ich so früh wie möglich verstehen, welche Auswirkungen es auf ihn haben könnte, dass er nicht auf herkömmliche Art gezeugt wurde. Welche Schwierigkeiten kann es mit sich bringen und sollte man sich das Ganze vielleicht doch nochmal überlegen?! Ich freue mich, dass ich Claire für ein Interview gewinnen konnte, die mir ihre Geschichte erzählt und Einblicke in ihr Leben und ihre Gefühle als Spenderkind gibt. Wie würdest du dich in drei Sätzen beschreiben? Mein Name ist Claire, ich bin 39 Jahre alt, verheiratet und berufstätig. Mein Mann und ich haben drei gemeinsame Kinder. 2013 habe ich erfahren, dass ich durch eine Samenspende gezeugt wurde oder anders formuliert: dass ich das Kind eines Samenspenders bin. Oh, wow! Also da warst du tatsächlich schon 34 Jahre, als du diese Hammernachricht bekommen hast. Das hat mich in meinem Identitätsgefühl ziemlich irritiert. Viele Wochen hatte ich den Eindruck, mein Spiegelbild wäre „falsch“ – eine Art von „Orientierungsachse“ hatte sich merklich verschoben. Gleichzeitig war ich froh, die Wahrheit zu kennen, da ich bereits als Kind oft das Gefühl hatte, „falsch zu sein“. Dieses Falschsein hat mich Zeit meines Lebens begleitet und wohl auch viele meiner Entscheidungen und Wege, die ich genommen habe, beeinflusst. Ich habe mich dann auf die Suche nach meinem biologischen Vater gemacht und ihn am Ende (nach wohl weit über 1.000 Stunden Recherchearbeit) gefunden. Heute bin ich emotional „angekommen“ im Sinne von „verortet“. Ich habe die Antworten, die ich so lange gesucht habe, gefunden und gleichzeitig auch meine Mitte. Man könnte sagen, die verschobene Achse wurde rekalibriert. Dafür sind einige neue Fragen entstanden, aber das ist eine andere Geschichte. Hast du Geschwister, die ebenfalls Spenderkinder sind? Ich bin mit einem jüngeren Bruder aufgewachsen, der denselben biologischen Vater hat. Meine Eltern dachten, wir wären Halbgeschwister, aber tatsächlich hat uns ein DNA-Test offenbart, dass wir Vollgeschwister sind. Darüber bin ich ziemlich froh, auch wenn ich nicht sagen kann, warum genau. Im Nachhinein habe ich herausgefunden, dass der Arzt meine Mutter so lange hingehalten hat, bis der Spender wieder zur Verfügung stand. Ihm war es wohl wichtig, Vollgeschwister zu zeugen. Gleichzeitig hat er meine Eltern darüber in Unkenntnis gelassen. Geheimnisse auf allen Seiten. Und irgendwann konnten deine Eltern ihre Heimlichtuerei nicht mehr für sich behalten? Meine Eltern hatten – wohl auch bedingt durch Sitzungen mit Psychotherapeuten – die Idee, meinem Bruder und mir die Wahrheit zu sagen. Man muss vielleicht erwähnen, dass das Verhältnis zwischen uns Kindern und den Eltern eher distanziert ist. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig und komplex und liegen nicht (allein) in der Tatsache begründet, dass unser sozialer Vater nicht unser biologischer ist oder dass uns die Wahrheit Jahrzehnte vorenthalten wurde. Ich hatte den Eindruck, dass unsere Mutter die Hoffnung hatte, dass sich durch dieses Geständnis (aus ihrer Sicht ein Geschenk an uns) unser Verhältnis bessern würde oder zumindest enger werden würde. Nachdem dies nicht der Fall war, hat sie sehr schnell bereut, es uns gesagt zu haben. Sie hat auch einmal explizit geäußert, dass sie dies heute nicht mehr tun würde und dass sie es bereut. Ich glaube, die Geheimniskrämerei hat sich auch sehr negativ auf die Ehe unserer Eltern ausgewirkt. Klar, man verbirgt ja immer einen Teil von sich vor anderen. Warum haben dich deine Eltern denn nicht schon früher ins Boot geholt? Tja… Das kann ich selbst nur teilweise nachvollziehen. Ich möchte nicht in der Lage sein, jahrzehntelang ein Geheimnis hüten zu müssen. Ich glaube, das belastet einen sehr. Auch meine Eltern müssen ein paar Mal unter Druck geraten sein, als ich nach ihren Blutgruppen fragte, als ich in der Oberstufe Vererbung in Biologie hatte. Was die Gründe meiner Eltern betrifft, muss ich mit den Worten meiner Eltern antworten: „Es waren andere Zeiten damals.“ „Die Sache“ war verpönt.“ „Es war unsere einzige Möglichkeit, ein „richtiges“ Kind zu haben.“ „Was hätten die Leute geredet.“ Meine Mutter sagte auch einmal, „solche Kinder“ wie wir wären doch von der Gesellschaft diskriminiert worden, sie hätte uns nur schützen wollen. Und unseren Vater ebenso, von dessen Zeugungsunfähigkeit keiner wissen soll (aus denselben Gründen). Ich glaube, sie unterstellt der Gesellschaft, dass es für sie eine Art von Zweitklassigkeit ist, ein Spenderkind zu sein. Und im Grunde genommen sind wir ja auch die zweite Wahl. Die erste wäre das eigene gemeinsame Kind und nicht das mit dem fremden unbekannten Dritten gewesen. „Unsere Mutter hätte es am liebsten nie gesagt“ Ich selbst unterstelle der Gesellschaft nichts. Aber das mag daran liegen, dass wir heute 2018 schreiben. Vieles ist heute leichter und toleranter. Ich erinnere mich an meine Unterstufenzeit, da gab es ein Mädchen, das ungefähr so alt war wie ich und das ohne Vater aufwuchs. Im Dorf ging das Gerücht um, dass ihre Mutter sie von der Samenbank „gekauft“ hätte. Da wurde schon getuschelt. Unser Vater hätte es uns gerne früher gesagt. Ihm schien durchaus klar zu sein, dass wir Kinder davon profitiert hätten bzw. dass es uns helfen würde (was es ja auch getan hat). Unsere Mutter dagegen hätte es am liebsten nie gesagt. Kannst du dich erinnern, wie die erste Zeit nach dem Geständnis für dich war? Ja natürlich. Zu Beginn war mir die Tragweite für mich selbst gar nicht bewusst. Ich habe ziemlich lange darüber gescherzt und Witze gemacht. Ich dachte, die Bürde läge hauptsächlich bei meinem Vater und dass ich dafür verantwortlich wäre, ihm sie so gut es mir möglich ist, abzunehmen. Unbewusst habe ich etwas gemacht, was ich bereits meine ganze Kindheit und Jugend gemacht hatte: Ich habe seinen Platz in der Familie freigeräumt und bewacht und mich verantwortlich für sein Lebensglück gefühlt. Auch dachte ich, dass es einem Verrat gleichkäme, würde ich nach meinem biologischen Vater suchen. Damit habe ich wohl etwas gemacht, was viele Spenderkinder machen: Sie überschätzen die Bedeutung ihrer Haltung und machen sich verantwortlich für das Lebensglück ihrer Eltern. Häufig entsteht eine Parentifizierung [eine Umkehrung der sozialen Rollen zwischen Eltern und ihren Kindern]. Hat dein Bruder die selben Verarbeitungs-Mechanismen entwickelt wie du? Interessanterweise ging mein Bruder ganz anders damit um. Ich hatte einen wahnsinnig großen Redebedarf, er dagegen nur zu Beginn. Erschwerend kam hinzu, dass unsere Eltern sich wünsch(t)en, dass wir mit diesem Thema diskret umgehen. Mein Bruder hat darauf wenig Rücksicht genommen und es einigen Leuten erzählt. Noch nicht mal einem besonders ausgewählten Personenkreis; einfach Leuten , die gerade da waren, als es ihm danach war zu reden. Allerdings glaube ich, dass all diese Leute keinen Bezug haben zu unserem Dorf oder unseren Eltern und die Information dort auch direkt verebbt sind. Wir haben unterschiedliche Wege gefunden, damit umzugehen, aber das Ur-Thema (die Frage wer wir sind und woher wir kommen) wurde dadurch nicht gelöst. Gar nicht cool: Rechtfertigung und Unsicherheit Ich habe den Eindruck, dass meinen Eltern der Umgang mit dem Thema schwerer fällt als mir. Man spürt deutlich, dass es um eine heikle Angelegenheit geht. Eigentlich sollte man denken, dass man nach solch einer Mitteilung noch einige Male darüber reden wird. Aber wir haben das nicht getan. Ich habe immer mal wieder nach Details gefragt, aber man spürt, dass sie bei dem Thema nicht cool sind. Meine Mutter fällt permanent in Rechtfertigungsmuster, mein Vater wird unsicher. Kannst du dich auf deine Eltern heute wieder voll verlassen, Stichwort: Ur-Vertrauen? Eine gute Frage. Tatsächlich würde ich sagen, dass dieses „Ur-Vertrauen“ bei mir gar nie ausgeprägt vorhanden war. Bereits als Kind hatte ich Zweifel, glaubte adoptiert oder vertauscht zu sein. Für mich ist „Ur-Vertrauen“ ein Ort oder ein Zustand, an dem ich nie war. Ich habe mich nie verortet gefühlt oder gedacht „hier gehöre ich hin“. Unabhängig von der Tatsache, dass ich ein Spenderkind bin. Insofern würde ich sagen, dass nichts zerstört wurde. Hat der Vertrauensmissbrauch deiner Eltern Einfluss auf bestimmte Lebensbereiche und Beziehungen? Der Vertrauensmissbrauch existiert ja nicht erst seit 2013, sondern latent im Grunde seit es mich gibt. Ich hatte immer schon ein Gefühl der Dissonanz. Ein Gefühl des Falschseins. Dieses Gefühl hat sich sicher auf andere Bereiche ausgewirkt. Egal, wo ich war, dachte ich, dass ich dort nicht hingehöre. Ich konnte schlecht Wurzeln schlagen und habe mir weniger zugetraut, als ich imstande gewesen wäre. Ich würde sagen, ich habe mein Potential nicht voll ausgeschöpft. Wenn man sich nicht richtig verortet fühlt, dann ist es immer ein bisschen als säße man an der Bushaltestelle oder am Bahnhof und wartet und man fragt sich, ob sich dieses oder jenes Unterfangen überhaupt lohnt. „Die Zeit war mein Gegenspieler“ Aber ich möchte nicht missverstanden werden: Dafür gebe ich weder meinen Eltern die Schuld noch eine Art von Verantwortung. Ich möchte auch keine Kausalkette daraus stricken, da man ja auch nie weiß, was gewesen wäre, wenn… Ich denke, viele Zusammenhänge in soziokultureller, genetischer oder pädagogischer Hinsicht sind sehr komplex, der Mensch ist kein Produkt monokausaler Prozesse. Vielleicht hätte ich mich unter anderen Umständen genauso oder ähnlich entwickelt. Man kann das leider nicht genau sagen. Am Ende sind wir vielleicht die Summe unendlich vieler Einflüsse. Glaubst du, es wäre anders gelaufen, wenn deine Eltern dir bereits als Kleinkind von deiner Entstehung erzählt hätten? Das ist eine gute Frage. Ich denke, ich hätte es besser gefunden, ganz klar. Ob es einen Unterschied gemacht hätte? Nun, ich hätte sicher mehr Zeit gehabt für meine Suche. Die Zeit war ja mein Gegenspieler. Mein biologischer Vater ist heute Mitte 70. Wie lange hätte meine Suche noch dauern dürfen? Außerdem wurden zwischenzeitlich alle Patientenunterlagen in der Praxis, in der ich gezeugt wurde, vernichtet und der Arzt, der mich gezeugt hat, lebt nicht mehr. Meine Möglichkeiten waren nach der langen Zeit sehr eingeschränkt. Also rein technisch: ja. Hätte ich eher davon gewusst, hätte ich „einfach“ den Arzt verklagt. Unter dem psychologischen Gesichtspunkt, würde ich auch mit JA antworten, allerdings hätten sich andere Herausforderungen eingestellt. Als Kind würde man auch etwas über den biologischen Vater erfahren wollen. Wäre dieser dann präsenter gewesen und hätte die „Ehe zu dritt“, die man gewissermaßen gegründet hat, offensiver ins Bewusstsein gerufen? Wie wäre das für den sozialen Vater gewesen? Und dann bleibt da noch der Hauptaspekt: Wie geht man als Kind oder Jugendlicher damit um, dass der biologische Vater nicht an einem interessiert ist? Das ist meines Erachtens eine ganz zentrale Frage für viele Spenderkinder. Dieses unbestimmte Gefühl, „da stimmt etwas nicht“ und „irgendetwas ist seltsam oder falsch“, kennt ja vermutlich jeder noch aus seiner Teenagerzeit. Diese Findungsphase hattest du schon deutlich früher in deinem Leben? Oh ja, natürlich. Bereits als Kind. Aber mit jedem zusätzlichen Entwicklungsschritt immer mehr. Irritierend. Als Mutter weiß ich, wie es ist, wenn sich das eigene Kind mit zunehmendem Alter plötzlich entwickelt, heranreift und dann optisch oder charakterlich immer mehr einem Familienmitglied gleichen. Ich kann mir noch nicht mal im Ansatz vorstellen, wie das für unsere Eltern gewesen sein muss. Ich selbst habe deutlich Ähnlichkeit mit meiner Großmutter mütterlicherseits. Mein Bruder dagegen gar nicht. Der ist optisch eher aus der Rolle gefallen. Solch irritierende Gefühle führt man dann halt auf die allgemein als schwierig geltenden Teenagerjahre zurück. Oder irgendwelche Umstände. Außerdem gibt es auch jede Menge leibliche Kinder, die sich in ihren Familien falsch fühlen, obwohl sie genetisch verwandt sind. Es ist schwierig, solche Gefühle eindeutig darauf zurückzuführen. Aber ich weiß, dass es vielen meiner Freundinnen nicht so ging….

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„Ich hatte gefühlt schon ein Baby im Bauch.“

Was, wenn es heute auch nicht klappt? Annika ist skeptisch, als sie im Kinderwunschzentrum auf ihre Ärztin wartet. Nach zwei erfolglosen Versuchen schwanger zu werden, ist ihre Hoffnung ein wenig eingerostet. Aber heißt es nicht, aller guten Dinge sind drei?! Wellness. Das hat sich Annika vor ihrem Termin gegönnt. Und ein bisschen durchkitzeln lassen von der Augustsonne. Es wäre zu schön, wenn sie solche Momente bald mit einem Baby teilen könnte. Ihrem Baby. Und irgendwann an diesem Tag liegt Annika im Behandlungszimmer. Fünf, vielleicht zehn Minuten später ist es auch schon vorbei. Ihre Ärztin lächelt ihr beim Abschied zu. Ob sie geahnt hat, dass Annika neun Monate später tatsächlich Mama der kleinen Ida wird? Von Blümchen und Hummeln: Wie Annika zu Ida kam Jede Geschichte einer freiwilligen Solomama startet ein wenig anders anders. Deswegen wollte ich von anderen Solomamas wissen, wie es bei ihnen war, warum sie diesen Weg gegangen sind. Den Anfang macht Annika, die ich über ihren Instagram-Account annikaundida kennengelernt habe. Dort nimmt sie ihre Follower mit auf die Reise von Idas Entstehung und in den Alltag ihrer Mama-Tochter-Welt. >>FAST FACTS<< Solomama: Annika (39) Wunschkind: Ida, 4 Monate Zu Hause in: Nordrhein-Westfalen Schwanger durch: Intrauterine Insemination (IUI) Behandlung: Kinderwunschzentrum an der Gedächtniskirche in Berlin Geklappt hat es bei Versuch Nummer: 3 Lass uns mal ein bisschen zurückspulen. Wie kam es zu deinem Entschluss, Singlemama zu werden? Ich war schon mal verheiratet. Getrennt haben wir uns in dem Jahr kurz bevor ich 30 wurde. Da hatte ich gefühlt eigentlich schon ein Baby im Bauch, denn das war in unserer Beziehung für mich eigentlich der nächste Schritt. Aber oft kommt es ja anders als man denkt… Für mich war das lange Zeit ziemlich schlimm. Mein Ex-Mann wollte grundsätzlich auch immer Kinder, im Studium wollten wir aber keine bekommen. Und dann war irgendwie immer der falsche Zeitpunkt bis es dann zur Trennung kam. Das zeigt ganz gut, dass weder ein gemeinsamer Kinderwunsch noch eine Ehe ein Garant für Kinder sind. Hattest du einen biologischen Schreckmoment, in dem du dachtest: Bald isses vorbei mit dem Kinderkriegen? Das kann ich gar nicht so genau sagen. Ich schätze so ab Anfang/Mitte dreißig hab ich mir da immer mehr Gedanken drüber gemacht. Der Babywunsch wurde immer größer und natürlich hat auch die Sorge zugenommen, dass es bald biologisch nicht mehr möglich sein könnte, ein Baby zu bekommen. Und gerade in diesem Alter beginnt ja häufig der Heirats- und Baby-Boom bei Freunden und Bekannten. Das erhöht den Druck, wenn man selbst nur „komische“ oder bindungsunwillige Männer kennenlernt. Das kenne ich von mir auch. Alle um einen herum machen plötzlich auf Happy Family, und man selbst hängt irgendwie in der Luft. Gar nicht mal so schön. Welche Gedanken hast du dir denn gemacht, bevor du alleine schwanger geworden bist? Gute Frage… Anfangs dachte ich, es wäre schöner, einen Co-Vater zu finden. Das heißt, einen Mann, mit dem man ein Kind bekommt, aber keine Partnerschaft führt. Allerdings habe ich mich im Prozess dann gefragt, wie es wäre, wenn man feststellt, dass man doch sehr unterschiedliche Erziehungsvorstellungen hat. Das ist ja schon bei Eheleuten nicht einfach. Und ich wollte diese Hürde nicht. Außerdem muss man sich ja dann doch sehr absprechen, wer hat wann das Kind usw. Und was wäre, wenn es dann doch mal einen neuen Partner gäbe, wie würde der mit dem Co-Vater klarkommen?! Und einen Mann einfach hinters Licht führen und quasi Samen rauben wollte ich auch nicht. Schließlich weiß man nie, welche Krankheiten man sich bei ungeschützten Sex einfängt, welche Gene/Krankheiten vererbt werden könnten. Und dann die Frage: Was würde ich in dem Fall meinem Kind sagen, wer sein Vater ist? Über eine Freundin bin ich dann auf das Thema Samenspende gekommen. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, wie das Umfeld reagiert, wie ich mich damit fühle, wie mein Kind werden würde und was mich das alles kosten würde. Und wie würde es meinem Kind mit der Entscheidung gehen. Wobei man einige dieser Überlegungen tatsächlich nur in der Theorie führen kann. Du weißt eben nie, wie dein Umfeld auf deine Entscheidung reagiert oder dein Kind. Es hilft allerdings, wenn man dieses Szenario für sich durchspielt, um zu merken, ob das Modell der Single Mom by Choice zum eigenen Typ passt. Was schätzt du: Wie lange hat es gedauert von der Überlegung, Solomama zu werden, über den Beginn der Behandlung bis hin zu deiner Schwangerschaft? Ich glaube es hat circa ein Jahr gedauert bis ich mich entschlossen habe, diesen Schritt zu gehen. Nachdem ich mein erstes Beratungsgespräch im Kinderwunschzentrum hatte, ging alles sehr schnell. Ich konnte schon im nächsten Monat den ersten Versuch starten. Das war im Februar. Im März hatte ich den zweiten erfolglosen Versuch. Dann entschloss ich mich, den Spender zu wechseln. Den, den ich wollte, konnte ich für Deutschland erst ab August bekommen. Also entschloss ich mich zu einer Pause, ein bisschen durchatmen, Abstand bekommen und dann im Sommerurlaub den dritten Versuch starten. Und im August hat es dann geklappt. Klingt einerseits ganz banal, dieses Abstandgewinnen. Aber es leuchtet ein: wenn du selbst weniger verkrampfst und lockerer bist, dass dann auch dein Körper empfangsbereit ist. Welche Behandlungsmethode hat bei dir letztendlich zum Erfolg geführt? Ich habe mich für die IUI entschieden, laut den behandelnden Ärzten sprach bei mir nichts dagegen. Eine IVF oder ICSI ist mit anderen Kosten verbunden und für den Körper noch mal belastender. Das hätte ich versucht, wenn auch der dritte Versuch erfolglos geblieben wäre. Wir haben meine Eizellen ein wenig mit Hormonen stimuliert, weil sie nicht soooo schnell wachsen. Ich habe verschiedene homöopathische Mittel zur Unterstützung genommen und beim dritten Versuch hatte ich die Auslösespritze für den Eisprung. Bei den ersten beiden Malen hatte ich die nicht, weil mein Eisprung immer kurz bevor stand und eigentlich keine Notwendigkeit für die Spritze bestand. Was letztendlich das Entscheidende war? Ich weiß es nicht. Es sollte wohl dieser Zeitpunkt und dieser Spender sein. Gedauert hat es circa sieben Monate aufgrund meiner Pause. Die Auslösespritze habe ich beim zweiten Versuch auch bekommen. Und die Einnistspritze, die die selben Hormone enthält. Beides hat zumindest nicht geschadet. Du warst während deiner Behandlungen alleine. Hättest du dir jemanden an deiner Seite gewünscht? Ich habe über diese Dinge viel mit Freundinnen gesprochen und mit meinen Eltern. Sie haben mich emotional alle sehr unterstützt. Da man bei mir den Zeitpunkt der IUI schwer bestimmen konnte, weil mein Eisprung sehr plötzlich kommt, war es für die anderen schwierig, mich zu begleiten. Aber für mich war es ok, ich habe mich nicht alleine oder einsam gefühlt. Eine wunderbare Familie und Freundinnen helfen gewaltig, auch für den emotionalen Support. Den darf man wirklich nicht unterschätzen. Wo hast du dich behandeln lassen und welchen Eindruck hattest du von deiner Kinderwunschklinik? Ich bin nach Berlin gefahren, in das Kinderwunschzentrum an der Gedächtniskirche. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt, alle waren furchtbar nett. Und ich fand die Flexibilität toll. Mich hat es nicht gestört, dass ich auch von verschiedenen Ärzten behandelt wurde. Mir war es ja wichtig, das es schnell geht. Alle meine Fragen wurden beantwortet und man hat sich immer Zeit genommen. Ich wusste von einer Freundin von diesem Kinderwunschklinik und war froh, dass ich nicht ins Ausland musste. Das wäre mit noch mehr Aufwand verbunden gewesen. Wie viel hat dich deine Kinderwunschreise circa gekostet? Ich habe für alles inklusive Hotels, Zugfahrten etc. ca. 10.000€ bezahlt. Ich habe Hormone genommen und Homöopathie. Das ist eine ganz schöne Hausnummer. Wobei Geld am Ende kaum mehr eine Rolle spielt, wenn alles gutgegangen ist. Es sei denn man ist danach pleite. Wie hast du denn deinen Spender überhaupt ausgewählt? Das ist schwer zu beschreiben. Man erfährt bei der ESB [European Sperm Bank] wahnsinnig viele Dinge über den Spender. Ich wollte gerne einen Spender, der in unsere Familie passt. Ich wollte nicht, dass sich mein Kind neben der Tatsache, dass es Spenderkind ist, damit auseinandersetzen muss, dass es z. B. eine andere Hautfarbe hat. Ich hoffe das klingt jetzt nicht blöd… Außerdem war mir wichtig, das er Freude am Sport hat. Ich bin sehr unsportlich und habe gehofft, dass sich hier ’ne gute Mischung ergibt. Natürlich habe ich mir auch die Kranken- und Familiengeschichte angesehen, das Interview gehört und gelesen, wie er von den Mitarbeitern der ESB beschrieben wurde. Und letztlich war es dann eine große Portion Bauchgefühl. Bauchgefühl trifft es auch bei mir sehr gut. Hattest du zwischendurch Zweifel, ob du das richtige machst? Nein, überhaupt nicht. Das ist mal eine eindeutige Aussage. Was war für dich besonders knifflig bei der Babyplanung? Ich glaube es war tatsächlich die Tatsache, zum richtigen Zeitpunkt in der Klinik zu sein. Die Versuche waren schon teilweise auch stressig, weil mein Eisprung so plötzlich kommt. Das erste Mal hätten wir ihn fast verpasst. Das hätte ich vermutlich schlecht verkraftet, wo man doch so auf diesen Moment hin fiebert. Warst du von Anfang an zu allen total offen in Bezug auf das Thema Kind durch Samenspende? Jein. Ich hatte mir vorgenommen, Kollegen, Nachbarn oder Bekannten nur zu sagen, dass es einen Vater gibt und das wir nur nicht zusammen leben. Das wäre nicht gelogen und ich hätte mich nicht erklären müssen. Ich habe dann aber festgestellt, dass es einfacher ist, einfach die Wahrheit zu sagen. Ida wird immer wissen, wie es zu meiner Entscheidung kam und das sie einen Spendervater hat. Wozu sich dann verstecken? Und ich wollte kein Mitleid. Dies schlägt einem oft entgegen, wenn man nur sagt, dass man alleinerziehend ist. Viele denken dann, man wäre in der Schwangerschaft verlassen worden. Ja, leider. Der Begriff „alleinerziehend“ hat irgendwie noch immer einen gesellschaftlichen Makel. Egal ob selbstgewählt oder unfreiwillig. Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, dass du alleine Mama werden willst? Familie und Freunde haben sich sehr gefreut und konnten es gut verstehen. Menschen, die mir nicht so nahestehen haben oft gesagt, dass das nicht einfach wird. Öfter kam die Frage, warum eine Frau wie ich das nötig hätte, diesen Weg zu gehen und warum ich keinen Mann finde. Wirklich ganz krasse Reaktionen hatte ich nicht. Das finde ich aber schon übergriffig, ganz besonders wenn es Menschen sind, die ansonsten kaum etwas mit einem zu tun haben. Dann gab es doch sicherlich auch schon Fragen zum Vater, oder? Die gab und gibt es. Ich sage immer, Ida hat einen Vater, aber keinen Papa. Ein Papa ist für mich der Mann, der im Alltag für das Kind da ist. Ich erzähle dann von der Spende und das Ida ihren Vater kennenlernen kann. So ähnlich läuft es bei uns auch. Und auch wenn die Frage so kurz nach Idas Geburt übereilt scheint, aber einen Versuch ist es wert: Machst du dir Gedanken über ein Geschwisterchen für Ida? Tatsächlich beschleicht mich manchmal das Gefühl, wie schön es wäre, ein Geschwisterchen für Ida zu bekommen. Ich war sehr gerne schwanger. Allerdings kann ich mir ein zweites Kind alleine nicht leisten. So blöd es klingt. Ich wüsste auch nicht, ob ich alleine zwei Kinder im Alltag wuppen würde. Sollte es aber mal wieder einen tollen Mann in meinem Leben geben, wäre ich nicht abgeneigt. Allerdings werde ich dieses Jahr 40 und meine persönliche Deadline für noch ein Kind wäre so 43/44… Was ist für dich die größte Herausforderung alleine mit Ida? Hmmm, ich glaube die größte Herausforderung ist es, dass alles finanziell alleine zu meistern. Das ist schon etwas, worüber ich mir Gedanken mache. Im Alltag läuft es zum Glück sehr gut mit Ida und mir. Sie ist ein zufriedenes und entspanntes Kind, das macht es leicht. Ich versuche mich nicht unnötig zu stressen oder nur das Negative zu sehen. Klar gibt es auch bei uns mal Scheißtage, aber die sind selten. Und ich wusste ja auch, worauf ich mich einlasse und habe mich sehr bewusst entschieden, diesen Schritt zu gehen. Außerdem habe ich eine ganz wunderbare Familie und tolle Freunde, die mich alle sehr unterstützen. Aktuell ist es eine Herausforderung eine Kita oder Tagesmutter für Ida zu finden. Das ist wirklich nicht leicht und hier fehlt es an allen Ecken und Enden. Zumal es mir echt nicht leicht fällt, nach einem…

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